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was geschah - TestEpisode 1


TestEpisoden TestEpisode 1:
gestartet: 22.05.2001
abgeschlossen: 24.08.2001






Rollenverteilung:

Colonel Zacharias Luscet: Martin Hoyer

Lt. Colonel Naumann: Markus Axmann

Major Leon Peran: Daniel Erkan

Captain Angela Gacetti: Magdalena Pfaffl


Spielleiter: Andreas Sturm



Zusammenfassung des Spielgeschehens:

Kapitel 1

Colonel Luscet war gerade zur Brücke der CSS Daystorm unterwegs, als er von dem Piepen seines WatchCom [kleiner PDA in Form einer Uhr, das Uhrglas ist ein Touchscreen] aus seinen Überlegungen gerissen wurde. Er drückte die auf dem Uhrglas blau aufleuchtende große Fläche mit der Aufschrift "Voice Transmission" mit Mittel- und Zeigefinger seiner rechten Hand zugleich und meldete sich mit "Luscet".
"Colonel," drang es aus der Uhr, "der Präsident möchte sie sehen - so schnell wie möglich! Scheint ziemlich wichtig zu sein."

Zacharias Luscet drehte vielsagend die Augen zum Himmel, der hier einen halben Meter über ihm anfing und aus pastellfarbenen Kunststoffplatten bestand. Die Person am anderen Ende der Verbindung hatte sich nicht mit Namen vorgestellt, aber er kannte die Stimme nur zu gut.
"Was ist, Clio", fragte er und gab sich keine Mühe, den Mißmut aus seiner Stimme zu verbannen. "Hat er wieder eine Wanze in seiner Unterhose gefunden, oder geht's diesmal um etwas anderes?"
"Dein vorlautes Mundwerk wird Dich irgendwann noch mal in die Randsektoren bringen, Zack. Ich weiß nicht, um was es geht, also wird es schon etwas ernster sein." "Schon gut, ich bin unterwegs", meinte er, unterbrach die Verbindung und machte auf dem Absatz kehrt.

Er brauchte präzise sechs Minuten bis zur Schleuse, die das Schiffe mit der Station verband und weitere fünf Minuten, um sich mit der Röhrenbahn zur Shuttlerampe für Regierungspersonal bringen zu lassen. Er ging zum Bereich A und gelangte zu den Sicherheitskontrollen.
Zwei Sicherheitsoffiziere standen an der etwa drei Meter breiten grauen Tür, durch welche man den vom Rest der Rampe getrennten Bereich A erreichen konnte. Als Zack näher kam, salutierten sie. Zack erwiderte den Gruß und betätigte anschließend einen Knopf, der sich genau im Zentrum der Türe befand. Es war ein kurzes Summen zu hören und ein Piepston bestätigte schließlich den positiv abgeschlossenen Scanvorgang. Die Tür teilte sich und vor sich sah Luscet nun eine Halle mit drei Shuttles darin, von denen eines gerade im Begriff war abzuheben.
Die Piloten der anderen beiden unterhielten sich. Der eine war an das näher am Eingang stehende Shuttle mit der Aufschrift "Cfed-TranS-E204" gelehnt, der andere stand vor ihm und gestikulierte heftig während er sprach. Keiner von beiden bemerkte den Colonel.

"Warum die Aufregung, meine Herren?", unterbrach Zack das Gespräch des Lieutenants mit dem Ensign und winkte schnell ab, als beide die Hand zum Gruß hochreißen wollten. "Was ist Ihre Aufgabe?"
"Flugbereitschaft, Colonel."
"In Ordnung, dann müssen Sie ihr Gespräch später fortsetzen. Lieutenant, Sie werden mich nach unten bringen, Ihr genaues Ziel erhalten Sie, sobald wir den Hangar verlassen haben."


Mit einem kurzen Nicken bestätigte der Lieutenant die Anordnungen von Zack. Der blonde, etwas blass wirkende Mann ging rasch die Rampe zur Schleuse seines Shuttles hinauf und bat den Colonel, ihm zu folgen. Als der Colonel die Schleuse passiert hatte, schloss sie der dort bereits wartende Lieutenant mit einem Knopfdruck auf das links neben der Tür angebrachte Bedienfeld.
Beide Männer standen nun im Passagierraum des Shuttles. Nach Vorne hin war das Cockpit durch eine Wand mit einer recht schmalen Tür darin abgetrennt. Nach hinten erstreckten sich die Sitze. Auf der rechten Seite gab es eine Reihe aus 8 Sitzen direkt neben den Fenstern, links zwei Gruppen, die aus einem runden Tisch und zwei vor und hinter diesem angeordneten Bänken bestanden. Die etwas breitere Tür der hinteren Wand führte zu den sanitären Anlagen, den Maschinen und dem Frachtraum. Die gesamte Einrichtung war in Grau und ein wenig Rot gehalten. Einzelne Holzelemente verliehen dem Ganzen einen luxuriös anmutenden Charakter.
Der Pilot begab sich nun ins Cockpit, ließ die Tür dorthin offenstehen und setzte sich. Er berührte einige der vor ihm liegenden Kontrollen und ein leises Surren der Triebwerke war zu hören. Er drückte einen weiteren Knopf und sprach in leierndem Ton:
"Flugleitzentrale, Cfed-TranS-E204, Hangar G-A, ein Passagier Priorität 1 - bitte um Starterlaubnis!"
"E204, Ihr Startvektor wurde in Ihren Computer eingegeben. Guten Flug, Tom!", meldete sich die Zentrale.

Vor dem großen Hangartor aktivierte sich nun ein bläulich schimmerndes Kraftfeld. Das schwere Tor glitt langsam nach oben und unten auseinander und gab die Sicht auf den Weltraum frei. Der Lieutenant ergriff den Steuerknüppel vor ihm, das Shuttle hob ab und glitt langsam aus dem Hangar heraus. Als sich die Tore hinter dem Shuttle wieder schlossen, drehte der Pilot ein wenig seinen Kopf nach hinten und fragte: "Wohin darf ich Sie nun bringen, Colonel?"
"Nehmen Sie Kurs auf Westeuropa, Lieutenant, unser Ziel ist London.
Gehen Sie auf Code DC-013-204-532/a4 und folgen Sie dem Peilstrahl, den man Ihnen geben wird."
"Verstanden, Colonel", antwortete der Lieutenant und gab die nicht eben kurze Zeichenfolge ein, ohne noch einmal nachzufragen. Hat ein gutes Gedächtnis, der Mann, dachte Zack, stand auf und trat hinter den Piloten. "Ich werde Sie nicht auffordern den Code wieder zu vergessen, er wird ohnehin nach einmaligem Gebrauch ungültig werden."
Der Pilot blickte über die Schulter hoch. "Colonel?"
"Was ich möchte ist, daß Sie vergessen, ihn überhaupt erhalten zu haben."
Der Pilot blickte wieder nach vorne und nickte stumm. Er hatte an Bord bereits gerüchteweise über die Tätigkeiten des Colonel gehört und ihm stand nicht der Sinn danach, mehr als nötig damit zu tun zu haben.
Der Flug dauerte nicht lange und es kam zu keiner Anfrage durch die offizielle Flugleitzentrale. Durch die Fenster des Cockpits konnte man den endlos scheinenden Komplex des Präsidialamtes sehen, neben dem sich die eigentliche Stadt seltsam klein ausnahm. Die Perspektive verschob sich weiter und ohne Aufforderung setzte sich Zack wieder auf seinen Platz, als das Shuttle zur Landung ansetzte. Es dauerte nicht lange, bis die Maschine sanft auf der Landeplattform aufsetzte. Zack erhob sich und trat zum Ausstieg. "Bleiben Sie am Steuer, Lieutenant. Verlassen sie auf keinen Fall das Shuttle. Sie werden in wenigen Minuten die Freigabe zum Rückflug erhalten. Bewahren Sie Stillschweigen über den Flug, Sie haben mich auf dem Raum- landeplatz London abgesetzt, klar?"
"Glasklar, Colonel."
"Sehr schön. Guten Rückflug, Lieutenant."
Ohne eine Antwort abzuwarten, betätigte Zack den Öffnungs- mechanismus und verließ das Shuttle. Draußen wurde er bereits von einem formell gekleideten Mann erwartet, der in diesem Moment den Finger von seinem Ohrstöpsel nahm. "Einen schönen Tag", meinte er. "Sie werden bereits erwartet."
"Tag", erwiderte Zack salopp. Ihm gefiel die steife Einstellung, die manchen Leuten im Dark Corps eigen war ebensowenig wie die Geheimniskrämerei, aber er gehörte zum Verein und mußte damit leben. Mögen mußte er es zum Glück nicht.
Zack warf noch einen raschen Blick über die Stadt, auf die er von dem Landeteller auf dem Dach einen grandiosen Blick hatte. Wie lange bin ich schon nicht mehr außerdienstlich in London gewesen?, dachte er und trat in den Lift, der sich gleich darauf nach unten in Bewegung setzte.

Nur vier Stockwerke war der Lift nach unten gefahren, als sich eine zweite, kaum erkennbare Tür öffnete, welche der ersten gegenüber lag.
Da Zack nicht zum ersten Mal auf dem Weg zum Präsidenten war, kannte er dieses kleine Spielchen bereits und drehte sich, wie auch sein Kollege, noch vor dem Öffnen der Tür um.
Vor Zack erstreckte sich nun ein langer und breiter Korridor. Die beiden verließen den Lift und als sie einige Schritte gegangen waren, schloss sich nicht nur die Lifttür, sondern auch die Wandstücke davor glitten zusammen, so dass bald nichts mehr auf einen Lift an diesem Gangende schließen ließ. "Ja, diese Woche haben sie endlich die neuen Sicherheitsvorkehrungen installiert.", meinte der Dark zu Zack, als er den fragenden Blick von diesem bemerkte.
Sie schritten den lichtdurchfluteten Korridor mit den großen, mehrfach gepanzerten Fensterscheiben entlang, passierten mehrere teils offenstehende, teils geschlossene Bürotüren und gelangten schließlich zu einer Einbuchtung. Sie war gute 10 Meter breit, rundlich geformt und führte zu der großen Doppeltür, hinter der das Hauptbüro des Präsidenten lag.
Der Dark, der sich bis zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht vorgestellt hatte, nickte Zack noch einmal zu und ging dann den Korridor alleine weiter. Zack, der das Prozedere bereits kannte, trat vor die hoch aufragende Tür. Zu beiden Seiten der Tür standen bis zur Decke reichende Statuen.
Die linke stellte Thomas Doyle, einen der Gründer und der erste Vorsitzende der nona dar. Die rechte eine Frau, die zu identifizieren Zack bis jetzt noch nicht geglückt war. Die Doyle-Statue blickte nach oben und auch die rechte Hand war mit der Handfläche nach oben zur Decke gerichtet, als wolle er nach etwas greifen. Die Frau blickte dagegen nach unten, in etwa auf die Stelle, an der Zack nun stand und streckte dem Colonel die linke Hand hin, als wolle sie seine ergreifen.
Nach etwa einer Minuten des Wartens öffnete sich die Tür. Das äußerst geräumige Büro des Präsidenten wurde sichtbar. Der große Raum verlief gerade auf eine runde Fensterfront zu. Vor dieser Fensterfront stand der Schreibtisch des Präsidenten, der beinahe von einer Seite des Zimmers zur anderen reichte. Vor dem Schreibtisch standen zwei Stühle für Besucher. Hinter dem Schreibtisch, etwa im Zentrum, saß Präsident Criani, das Licht im Rücken. Unter diesen Lichtverhältnissen und angesichts der recht großen Entfernung, die zwischen ihm und dem Präsidenten lag, konnte Zack den alten, grauhaarigen, etwas untersetzten Mann kaum erkennen, der da in seinem schweren Sessel saß und über seinen Schreibtisch gebeugt scheinbar keine Notiz vom Eintreten des Colonels genommen hatte.

Zack stand eine Weile stumm im Raum und wartete auf eine Reaktion. Da diese ausblieb, räusperte er sich vernehmlich. "Sie haben einen Auftrag für mich, Präsident?"
Der Angesprochene blickte auf und schob betont langsam die Unterlagen zur Seite, auf die er sich bis zu diesem Augenblick konzentriert hatte.
"Ah, Colonel Luscet", meinter er gedehnt, stand langsam auf und stützte sich auf die Platte des Schreibtisches. "Ich denke, ich kenne Sie bereits soweit um sagen zu können, daß lange Gespräche nicht Ihre Zustimmung finden, daher will ich ohne Umschweife zur Sache kommen. Daraus, daß ich Sie persönlich beauftrage können Sie ersehen, daß es etwas Wichtiges ist." Er betätigte einen Sensorpunkt des in die Tischplatte einge- lassenen Terminals und sprach in ein irgendwo eingebautes Mikrofon. "Bitte schicken Sie doch auch die anderen herein." Er unterbrach die Verbindung wieder und ging gemessenen Schrittes um den Schreibtisch herum. Kurz vor Zack blieb er stehen.
"Sehen Sie, Colonel, es geht um Folgendes...", begann Criani.
"Die FarGate-Stationen 1 bis 4 haben bereits ihren regulären Betrieb aufgenommen - das wissen Sie, wie alle anderen. Auch wissen Sie, dass bis zur Nummer 12 die Stationen kurz vor der Fertigstellung stehen. Was Sie nicht wissen und über was nur die wenigsten Leute informiert wurden, ist, dass der Bau einer Station - FarGate 17 - außerplanmäßig vorgeschoben wurde und diese nun ebenfalls kurz vor der Fertigstellung steht."
Als Zack, der es gewohnt war, in geheime Angelegenheiten eingeweiht zu werden, keine nennenswerte Reaktion zeigte, fuhr der Präsident fort. "FarGate 17 ist jedoch nicht unsere einzige "Frühgeburt". Auf FG 18, welche ebenfalls vorgezogen worden war und deren Bau noch vor FG 17 abgeschlossen sein sollte, gab es gestern eine Explosion. Dadurch wurde die Fertigstellung um Monate verzögert, fast der gesamte Kernbereich wurde zerstört. Sabotage im großen Stil - kein Zweifel.
Uns liegen Hinweise darauf vor, dass sich dieser Vorfall auf FG 17 wiederholen könnte."
Criani ging ein paar Schritte an seinem Schreibtisch entlang, die Finger seiner rechten Hand über die glatte Tischplatte streifen lassend, und drehte sich dann wieder zu Zack um. "Ihre Aufgabe und die ihrer Männer wird es nun sein, die Station, die Bauarbeiten und das Kommandopersonal von FG 17 so diskret wie nur möglich unter die Lupe zu nehmen. Spüren Sie Verräter auf, die sich auf FG 17 befinden und verhindern Sie einen weiteren Sabotageakt! An ihrem Geschick wird es liegen, ob sich das Baupersonal kooperativ verhält, oder Sie als unwillkommene Ermittler abblitzen lässt, wo es nur geht. Man wird in jedem Fall wenig erfreut über ihre Ankunft sein.
Sie werden in drei Stunden auf dem Zerstörer CSS Pride Bird erwartet. Er wird Sie im Zuge einer Versorgungslieferung zu FG 17 bringen und anschließend auf Patrouille im angrenzen Sektor gehen. Sollten Sie Unterstützung brauchen oder abreisen wollen, hat der Captain der Pride Bird die Anweisung, ihnen behilflich zu sein. Zeit ist ein wichtiger Faktor in dieser Mission. Sie müssen nicht nur schneller als die Saboteure, sondern auch als die Presse sein. Ich weiß nicht, wie lange wir die Informationen über den Zwischenfall auf FG 18 und über die Existenz der beiden Stationen noch geheim halten können. Die rechtzeitige Fertigstellung dieser Station ist von enormer Bedeutung für die gesamte Konföderation, Colonel! Sie haben gar keine Ahnung davon, was von ihrem Erfolg alles abhängt."
"Haben Sie noch Fragen, Colonel Luscet?", schloss Criani seinen Vortrag endlich ab. Bevor Zack jedoch auch nur ein Wort gesagt hatte, erklang ein aus drei kurz aufeinanderfolgenden Tönen bestehendes Signal. Der Präsident zog die Augenbrauen hoch. "Öffnen!", befahl er kurz.

Mit einem Surren öffnete sich die Wand an einer Stelle der linken Seite des Raumes. Zack kannte auch die Vorliebe des Präsidenten dafür, Türen so in Wände zu integrieren, dass sie erst beim Öffnen sichtbar wurden. Er selbst hatte das allein im Büro des Präsidenten schon zweimal gesehen, ihm war allerdings gesagt worden, dass es noch mindestens zwei weitere verborgene Türen gab. Das konnte ihm, der nur äußerst selten im Präsidialamt zu tun hatte, jedoch egal sein.
Aus der Öffnung in der Wand traten nun vier weitere Dark. Drei von ihnen kannte Zack bereits: Mit Major Peran und Lt. Col. Naumann hatte er bereits zusammengearbeitet - fähige Leute, wenn auch hin und wieder ein wenig umständlich. Captain Gacetti hatte früher schon mehrmals unter ihm gedient, war jedoch nun schon längere Zeit nie bei einem der Teams dabeigewesen, die er anführte. Den vierten, seinen Rangabzeichen nach ebenfalls ein Captain, kannte er nur vom Sehen.

"Bis auf Captain Spanks dürften Sie bereits jeden kennen, Colonel. Das wird ihr Team für die bevorstehende Mission werden. Der Chief General persönlich hat es zusammengestellt und meinte, dass diese Konstellation am effektivsten wäre.", nahm der Präsident das Wort wieder auf und wartete dann die Reaktionen der Anwesenden ab.



Kapitel 2

Captain Angela Gacetti war mindestens ebenso intelligent, hinterlistig und gefährlich wie sie harmlos aussah. Sie bevorzugte Undercover-arbeit, worüber es unter ihren vorwiegend männlichen Kollegen eine Menge Gerüchte gab, die Angela allerdings nicht zu kommentieren gedachte. Nun - sie war erst vor kurzem von einer Geheimmission zurück gekehrt - hatte man sie aus ihrem wohlverdienten Urlaub ins Präsidialamt geholt, wo sie als erste Person - noch bevor sie den Präsidenten wirklich wahrnahm - ihren ehemaligen Chef Zack Luscet sehen musste. Kein wirklich erfreulicher Anblick für die junge Frau, doch solche Anblicke gehörten nun einmal zu ihrem Beruf und so verbiss sie sich ein Kommentar und grüßte stattdessen förmlich. Dann sah sie sich die drei anderen Anwesenden an. Sie kannte nur den einen - Lt.Col. Naumann - wenigstens ein bekanntes Gesicht, das zu sehen sie sich freute. Die anderen beiden waren ein vollkommen unbeschriebenes Blatt Papier.
Angela mochte die bevorstehende Mission nicht kennen, doch die Worte des Präsidenten reichten, um gleich in ihre Lieblingsposition zu gehen: die der abwartenden Zuhörerin. Sie wusste, was gesagt werden musste würde gesagt werden, wozu also Fragen stellen? Ihre Begleiter würden ihr diese Aufgabe gewiss abnehmen.

Mit den Worten "Lt. Colonel Naumann, Dark Corps, meldet sich zu Stelle, Mr. Präsident." salutierte der zu erst eingetretene, hochgewachsene Mann und stand stramm. Obwohl schon seit langer Zeit Mitglied beim Dark Corps war er eine derartige Eile und Geheimhaltung nicht gewohnt. Überraschend war er nämlich von seinen momentanen Pflichten befreit und angewiesen worden, sich innerhalb weniger Stunden bereit zur Abreise zu machen. Erst unterwegs hatte er etwas über seinen Auftrag erfahren, nicht viel, nur dass er einem Spezialteam zugewiesen worden sei. Und etwas überrascht - was ihm aber nicht anzumerken war - erfuhr er erst beim Betreten des Raumes, dass wohl Colonel Luscet die Mission leiten würde. Von den anderen Mitglieder kannte er nur Major Peran. Sowohl mit Colonel Luscet als auch mit Major Peran hatte er schon zusammengearbeitet, doch die beiden Captains waren ihm unbekannt. Als der Präsident ihm zugenickt hatte - keine militärische Begrüssung, aber ein Präsident konnte sich das wohl erlauben, drehte sich Lt. Col. Nauman zu Col. Luscet mit den Worten "Colonel Luscet, eine Freude sie wieder zu sehen... "

David Spanks salutierte dem Präsidenten und Colonel zu, und blieb mit hinter dem Körper verschränkten Armen stehen. Er schaute sich den Colonel sowie seine Mitarbeiter genaustens an. Dies war nicht seine erste Geheimmission und würde auch nicht seine letzte sein. Er hatte schon lange Zeit für das Dark Korps gearbeitet, jedoch waren seine Missionen bis jetzt alle Undercover Missionen, sodaß keiner der Anwesenden hier ihn näher kannte. Leon Peran schien mit seinem breiten Grinsen, welches ihm kaum zu unterdrücken möglich war, die einzige Person in diesem Raum zu sein, die sich wirklich freute.
Er erinnert sich noch sehr genau daran, wie zwei dunkel gekleidete Männer mit dem Zeichen des Dark Corps auf der Schulter ohne auch nur anzuklopfen sein Quartier betraten. "Kommen sie sofort mit!" sagte der linke der beiden stramm stehenden Männer in einem befehlendem Ton zu ihm. Noch nichts ahnend und etwas genervt ("Wenn sie BITTE gesagt hätten, wäre ich auch mitgekommen..." dachte er sich) entschloss er sich den beiden zu folgen. Sie brachten ihn schließlich ins Shuttle, und dieses schließlich nach London. Erst beim Betreten des präsidialen Amtes wurde ihm klar, dass es sich wohl um etwas ziemlich wichtiges handeln würde, was ihm letztendlich eben jenes grinsen ins Gesicht trieb. "Oh man, endlich eine Geheimmission! Wurde auch mal Zeit, dass jemand meine Fähigkeiten erkennt!" dachte er sich und begab sich, immer noch in Begleitung der beiden Männer, schließlich zum Büro des Präsidenten. Nun stand er dort und begrüßte direkt den Präsidenten mit einem "Guten Tag, Herr Präsident" ohne großartig auf Formalitäten zu achten.
Erst dann bemerkte er die Anwesenheit der Anderen. Sie hatten alle einen ernsten Gesichtsausdruck, woraufhin ihm sein Grinsen fast peinlich wurde, und er vergeblich versuchte es zu unterdrücken. Unter den vier Personen waren immerhin zwei bekannte Gesichter: Colonel Zack Luscet und Lt. Col. Naumann. "Was machen die beiden denn hier?", dachte er sich, "Zack ist ja in Ordnung, der ist schließlich verdammt talentiert, aber was macht denn Naumann hier?". Leon kannte vor allem Luscet sehr gut. Er hat eine Weile mit ihm zusammengearbeitet und hätte allzu gerne noch mehr Zeit unter seinem Kommando verbracht. Aber Naumann konnte er noch nie so richtig leiden. Leon hat nur eine Mision mit ihm verbracht, und er ist froh darüber, dass es nicht mehr wurde. So sagte er schließlich zu Col. Luscet "Oh, hallo Colonel, schön sie wiederzusehen", und wendete seinen Blick von Lt. Col. Naumann ab. Als er die Worte Naummans "Colonel Luscet, eine Freude sie wieder zu sehen... " hörte, fühlte er sich mit dem Gedanken "Oh man, ich hasse diesen Schleimer" in seiner Meinung Naumann gegebenüber nun noch mehr gestärkt.

Zack tippte sich in der denkbar lässigsten Variante eines militärischen Grußes an eine imaginäre Hutkrempe. "Ich freue mich ebenfalls", erwiderte er die Grüße von Peran und Naumann und ließ dabei den Blick unauffällig über die Leute schweifen.
Lt. Col. Naumann selbst war ein Profi, der alle an ihn gestellten Erwartungen mit Pflichtbewußtsein erfüllen würde. Zack hatte aber auch den Eindruck gewonnen, daß Kreativität nicht die Stärke des Oberstleutnant war, insofern ein Vorteil, wie ihn das davon abhielt, Dummheiten zu machen. Ansonsten war ihm die ruhige Art des Mannes durchaus recht und er wußte, daß sie problemlos zusammenarbeiten würden.
Major Peran war einer von den Leuten, mit denen Zack am allerwenigsten Probleme hatte. Der Major war ein fähiger Offizier, und nur manchmal so durchschaubar wie das Visier eines Raumhelms bei Gegenlicht. Sein gelegentlich an Disziplinlosigkeit grenzender Frohsinn war für Zack eine willkommene Erholung von der Grundhaltung im Dark Corps an sich.
Der als Spanks vorgestellte Hauptmann machte einen aufgeweckten Eindruck und trug seine Sterne auf der Schulter so, als würden sie ihn noch nicht allzu lange drücken. Zack wußte aber, daß dieser Eindruck täuschen konnte, bei einigen Leuten des Dark Corps ging die Berufsparanoia soweit, daß sie sogar außerhalb des Einsatzes eine Rolle spielten.
Captain Angela Gacetti schließlich war ein Kapitel für sich... Er hatte schon vor langer Zeit mit ihr zusammen gearbeitet und der wußte, daß sie von der Rolle der ruhigen Zuhörerin, die sie so gerne spielte, binnen Sekunden zugunsten eines weitaus impulsiveren Charakters ablegen konnte. Sie war unleugbar intelligent, aber auch bereits ein Problemfall für sich. Es gab gute Gründe, an die er sich ungern erinnerte, warum sie ihn nicht mochte, aber dennoch nahm er es nicht persönlich. Er vermutete nämlich inzwischen, daß diese Antipathie ihrerseits auch auf den Rest der Menschheit zutraf. Auch hatte Zack für sich mit derzeit den Entschluß gefaßt, ihr erst den Rücken zuzuwenden, wenn er sicher war, daß man ihren Sargdeckel gut verschlossen hatte.
"Da wir nun alle versammelt sind", meinte Zack, nach- dem seine Überlegungen soweit gediehen waren, "möchte ich gerne wissen, es vielleicht noch ein paar Details zu dem Anschlag gibt, der für uns von Interesse wäre, Herr Präsident. Ansonsten würde ich vorschlagen, daß wir mit Ihrer Erlaubnis, unverzüglich aufbrechen." Er blickte vielsagend auf seine Uhr. "Ich habe nämlich den Eindruck, daß die Zeit gegen uns läuft."

'Ahh', dachte Naumann, als er Major Peran erblickte. Die beiden hatten in früheren Aufträgen schon mal zusammengearbeitet, obwohl sich eine gewisse Antipathie nicht verleugnen lies. Naumann wusste um die fachliche Qualifikation des Majors - die Großteils sogar über die seine hinausging (was er aber nie öffentlich zugeben würde) -,doch seine manchmal doch aus Sicht Naumanns sehr laxe Art mit Befehlen umzugehen, brachte diesen schon sehr aus dem Konzept. War der Lt. Col. ein kühler Mann, der bitter gelernt hatte, dass Befehlen nicht zu gehorchen tödlich sein konnte, so hatte Major Peran doch mehr von der improvisierenden Art eines Technikers als eines Angehörigen des Dark Corps an sich - jedenfalls aus des Sicht Naumanns.
Erst beim 2. Hinsehen erkannte er in dem einen Captain seine alte Bekannte Angela, mit der er bereits sehr erfolgreich zusammengearbeitet hatte und von der er wusste, dass - DA wurden die Gedanken Naumanns plötzlich unterbrochen >... möchte ich gerne wissen, es vielleicht noch ein paar Details zu dem Anschlag gibt, der für uns von Interesse wäre, Herr Präsident. Ansonsten würde ich vorschlagen, daß wir mit Ihrer Erlaubnis, unverzüglich aufbrechen." Er blickte vielsagend auf seine Uhr. "Ich habe nämlich den Eindruck, daß die Zeit gegen uns läuft."<
'Ein Anschlag. Was denn für ein Anschlag ?', dachte Naumann überrascht. Das war es also... Und obwohl der Lt. Col. innerlich überrascht und etwas erschrocken war - ein Anschlag, der diese Folgen und Geheimhaltung auslöst, konnte gar nichts gutes bedeuten, blieb er weiterhin ruhig stehen und blickte geradeaus.

Als Criani das Grinsen von Leon sah, verzogen sich auch seine Mundwinkel zu einem leichten Schmunzeln und er nickte ihm auf seine Begrüßung hin zu. Chief General Stone, welcher der Oberbefehlshabende des Dark Corps war, hatte seiner Meinung nach viel zu viel Steife in diese Truppe gebracht. Der General war jedoch der Meinung, dass dies nötig sei und er selbst verstand viel zu wenig von militärischer Disziplin, um da mitreden zu können. Die Effizienz des Dark Corps bestätigte jedoch den General in seiner Einstellung immer wieder aufs Neue.
"Ja, eine Sache wäre da noch.", kam Criani schließlich auf die Frage von Zack zurück. "Die inneren Sensoren von 18 waren zum Zeitpunkt der Explosion bereits großenteils online. Suchen Sie also nach etwas, was man bei einem Standard-Scan nicht entdeckt."
Dann wandte er sich an alle. "Meine Dame - und meine Herren: Sie sind für die Dauer der Mission Colonel Luscet unterstellt. Er wird Sie über das unterrichten, was er für nötig hält. Ich habe dem Colonel bereits die nicht offensichtliche, jedoch immense, Bedeutung dieser Mission verdeutlicht. Auch Ihnen möchte ich noch einmal gesagt haben, dass mir persönlich sehr viel an ihrem Erfolg liegt. Die Pride Bird wartet an der Erdsation 2 auf Sie. Viel Erfolg!"

Nachdem die Dark abschließend erneut vor ihm salutiert hatten - diesmal geschlossen - und er sich gezwungen hatte, diesen Gruß zumindest andeutungsweise zu erwidern, ging die Gruppe auf die schwere Haupttür des Büros zu. Niemand sagte mehr ein Wort. Als Zack, welcher voranging, etwa zwei Meter von der Tür entfernt war, öffnete Sie sich langsam. Criani warf seinen Offizieren einen ahnungsvollen Blick hinterher, als Sie den Raum verließen. Als er wieder allein war, setzt er sich zurück in seinen schweren Drehstuhl. Sein Blick schweifte über die Blätter, die er beim Eintreten des Colonels zur Seite geschoben hatte. "von größter Wichtigkeit", "entscheidend für das Fortbestehen der Menschheit", "jetzt verstehe ich das Schicksal" waren Bruchstücke des Textes, der schräg vor ihm lag und mit "Adrian Loth" unterschrieben war. Criani drehte sich auf seinem Stuhl zur großen rundlich geformten Fensterfront hinter ihm, rutschte etwas tiefer in diesen hinein, blickte auf das vor ihm liegende London hinaus, schnaufte tief durch und murmelte: "Adrian, du hast Recht."

Naumann verstand die ganze Angelegenheit nicht... ein Anschlag ? Worauf denn ? 18 ? 18 was ? Doch Naumann war zu diszipliniert, um an den Colonel diese Fragen zu stellen. Es musste doch mehr dahinterstecken... und warum nur ein 5-Mann-Team ? Naumann warte jedoch trotzdem, bis sich die Spannung im Gesicht des Colonels legte und er zu sprechen begann...

Zacks Gesichtsausdruck wurde etwas entspannter, als er mit seinem Team im Lift den Weg zurück zur Landeplattform antrat. "Ich kann mir vorstellen, daß Sie alle einige Fragen haben. Der Präsident hat mir auch nicht viele Details nennen können, aber selbst diese werde ich Ihnen erst mitteilen, wenn wir auf unserem Schiff sind. Verstehen Sie es nicht als Zeichen von Mißtrauen, sondern als meinen persönlichen Beitrag zur inneren Politik des Dark Corps." Er grinste. "Wir werden noch mehr zu dieser Sache in Erfahrung bringen, als wir vom Präsidenten jemals hätten hören wollen, bis dahin sollten wir es als Kompliment betrachten, daß wir durch ihn persönlich beauftragt wurden."
Er blickte reihum, die professionell undeutbaren Mienen seines Teams ließen keinen Schluß auf ihre Ansichten zu der Sachlage zu. Er beschloß, mit offenen Karten zu spielen. "Einige von Ihnen haben bereits mit mir zusammen gearbeitet und wissen, daß ich keinen Wert auf über- flüssige Formalitäten lege. Wenn wir unter uns sind, bin ich Zack, ansonsten Colonel Luscet. Wenn nun jemand von Ihnen etwas zu der Sache beizutragen hat, ist jetzt die Gelegenheit, es loszuwerden. Sobald wir das Präsidialamt verlassen haben, herrscht Funkstille über unsere Aufgabe, bis wir am Ziel sind. Also, meine Dame, meine Herren, Ihre Beiträge zum Tagesgeschehen, bitte."
'Colonel Luscet' , begann der zuletzt eingestiegene Naumann - er hielt es nicht für angebracht den Colonel mit dessen Vornamen anzureden und weder der Colonel noch die anderen 3 Mitglieder des Teams waren darüber irritiert - 'ich verstehe die Geheimhaltung in dieser Sache, doch möchte ich darauf hinweisen, daß weder der Major' - Naumann betonte das letzte Wort; er lies keine Gelegenheit aus die Überlegenheit Perans auf technischen Gebiet mit seiner eigenen höheren, militärischen Position aufzuwiegen - 'noch ich eine technische Ausrüstung zusammenstellen können, wenn wir die Umstände der Untersuchung und deren Umfang nicht kennen.'
Naumann blickte kurz zu Peran, erkannte jedoch keine eindeutige Reaktion. 'Zudem möchte ich über die Aufgabenaufteilung innerhalb des Teams' - Naumman konnte seinen Satz nicht beenden, denn
da wurde er bereits von Leon unterbrochen: "Warum so eilig Naumann? Ich denke der 'Colonel' hat uns bereits mitgeteilt, das wir in dem Schiff über alles notwendige informiert würden. Es gibt keinen Grund sich jetzt bereits Sorgen über das zu machen, was geschehen wird. Wir erhalten gleich unser Briefing, genießen den Flug, und alles weitere werden wir sehen, wenn wir wo auch immer angekommen sind." Leon hatte bewusst Naumanns Rang bei der Anrede weggelassen. Leon legte normalerweise keinen Wert auf Formalitäten. Wer der bessere ist, zeigt sich seiner Meinung nach nicht am Rangabzeichen, sondern daran, was man im Ernstfall leistet. Immerhin hätte Zack nicht erwähnen müssen, dass man ihn mit Vornamen ansprechen soll: Leon hätte es sowieso getan, aber den Bürokraten muss man sowas ja erstmal verklickern...
Dennoch konnte er es sich nicht verkneifen, Colonel anstelle von Zack zu sagen, und dies in einem ähnlichen Tonfall, wie auch Naumann es vorhin mit 'Major' tat. So erhoffte sich Leon dem Naumann mal zu zeigen, dass er sich nicht aufspielen soll wie der Boss und somit vielleicht endlich mit seinen dämlichen Kommentaren aufhört. Im Grunde ist es doch eh nur eine Fassade. Leon warf Zack kurz einen ausgesprochen ernsten Blick zu. So war Zack es gar nicht von ihm gewohnt...

Auf der Landeplattform am Dach wartete bereits ein Shuttle auf die fünf Offiziere. Vor der Rampe, die zur offenstehenden Tür des Shuttles führte, stand ein wieder größtenteils in schwarz gekleideter Mann, der Zack, welcher voranging, sachlich zunickte, als dieser näher kam. "Der Pilot wurde bereits instruiert. Er wird Sie direkt zur Pride Bird bringen. Captain Roncalli wartet mit dem Abflug nur noch wegen Ihnen."
Auf dem Flug zu dem Zerstörer waren alle recht still und wirkten etwas angespannt, wo sie nun auf eine Mission gingen, deren Umstände sie gar nicht kannten.
Der Flug dauerte ohnehin nicht sehr lang und nach einigen Minuten kam die CSS Pride Bird in Sicht. Selbst im direkten Vergleich mit der großen Raumstation, an die das Schiff angedockt war, wirkte der Zerstörer der Frontier Class immer noch imposant. Das Einfliegen in die Schuttle-Rampe der Pride Bird verlief ohne besondere Vorkommnisse. Wieder gab es keine Anfrage der Flugleitung der Pride Bird oder der Station.

In der Shuttlerampe wartete bereits ein Mann in der Uniform der Space Forces auf das Team. Daran, dass er nicht salutierte, merkte man deutlich seine Zugehörigkeit zu den Space Forces, bei denen das Protokoll wesentlich lockerer gehandhabt wurde und zu salutieren bis auf ganz wenige Ausnahmen bei Zeremonien eher unüblich war. "Ich bin Commander West, der XO der Pride Bird. Willkommen an Bord!", begrüßte er die Fünf, wobei er dem zuerst ausgestiegenen Zack die Hand reichte.
Zack erwidert den Händedruck. "Vielen Dank." Er ließ seinen Blick schweifen. "Sie haben ein gutes Schiff, Kommandant, mit Ihnen als Rückendeckung haben wir gleich eine Sorge weniger. Ich hoffe natürlich sehr, daß wir nicht darauf zurückgreifen müssen."
Er wandte sich halb um, um seine Leute ebenfalls ansehen zu können. Er war bemüht, seinen Unmut darüber zu verbergen, daß kaum einer seiner Aufforderung, offen zu sprechen nachgekommen war, das nächste Mal würde er es als Befehl formulieren müssen. "Ich nehme an, daß ich Ihnen mein Team nicht vorstellen muß, sie haben sicher alle notwendigen Personalunterlagen bereits erhalten."
Commander West sagte nichts, aber sein dezentes Nicken war von einem vielsagenden Grinsen begleitet. Natürlich wußte er Bescheid, beim Dark Corps wurde nur selten und beim Reiten des Amtsschimmels sogar überhaupt nicht geschlampt.

Naumann hatte während des Fluges nichts gesagt; zu viele Gedanken, zu viele Möglichkeiten gab es geistig durchzugehen. Er hatte immer noch keine Ahnung, worum genau es bei dieser Angelegenheit ging, noch hatte er sich entsprechend vorbereiten können. Nicht einmal seine persönliche Ausrüstung hatte er abstimmen können. Er konnte solche unüberlegten Handlungen einfach nicht ausstehen. Und dann das... Man hatte sich also die Mühe gemacht, den Captain der Pride über das Team zu informieren und gewiss wusste dieser auch mehr über den Auftrag als das Team selbst.
Sein aufgesetztes Grinsen konnte das auch nicht verbergen. Naumann blickte zu Captain Gacetti, die 
seinen Blick leicht genervt erwiederte. Angela hatte nie gelernt sich mit diesem Umständen im Dark Corps anzufreunden, aber dies waren nun einmal Dinge, die sie nicht ändern konnte und die sich auch gewiss nicht ändern würden. Tausende Male hatte sie mit dem Gedanken gespielt, das Dark Corps zu verlassen, aber es war wie eine Sucht und so blieb Angela jedes Mal. Gewiss ... so einfach hätte das Dark Corps sie auch nicht gehen lassen. Doch das war eine Tatsache, die sie verdrängte - wie alle Agenten wahrscheinlich...
Sie hoffte, dass der Flug einen Chance ergeben würde mit Naumann zu sprechen. Es war eine Zeit lange aus, dass sie ihn zu letzt gesehen hatte und es gab eine Menge zu bereden. Hoffte nur, dass sich auch während der Mission Gelegenheit ergeben würde mit Naumann zusammen zu arbeiten und möglichst wenig mit Luscet. However ... für den Moment würde sich diese Chance jedoch nicht ergeben, denn kaum waren alle Agenten an Board rief Jack Luscet sie auch schon in einen Konferenzraum des Schiffes ...



Kapitel 3

Völlig geräuschlos glitten die Mappen über die spiegelglatte Oberfläche des Konferenztisches. Als vor jedem Dark eine Mappe lag, nahm Zack selbst ebenfalls umständlich am Kopfende des Tisches Platz.
Er wies einladend auf die Unterlagen. "Bitte, nehmen Sie sich ruhig einige Minuten Zeit, um sich mit den Details unseres Auftrags vertraut zu machen." Interessiert beobachtete er die Mienen der Anwesenden, als sie seiner Aufforderung Folge leisteten. Er widerstand der Versuchung, ungeduldig auf der Tischplatte zu klopfen, während sein Team die Blätter durchging. Commander West war ebenfalls zugegen und lehnte lässig an einem der Stabilisationsbögen, die den Raum wie einen Fisch von innen aussehen ließen. Er hatte seine Weisungen vermutlich ebenfalls direkt vom Präsidenten erhalten und konnte sich also müßiges Interesse leisten. Im Grunde war er sowieso nur der Form halber anwesend und für den Fall, daß es noch zusätzliche Absprachen das weitere Vorgehen betreffend gab.
Schließlich waren alle fertig und die Mappen wurden geschlossen. Zack wußte, daß bereits auf der ersten Seite ein Hinweis stand, sich die Daten einzuprägen. Der Adjutant von Commander West, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, trat hinzu, sammelte die Mappen unbesehen ein ließ sie in einem flachen Metallkoffer verschwinden. Kurz nachdem er den Koffer geschlossen hatte, belegte eine rote Signalleuchte am Griff und ein kurzes elektronisches Summen, daß auch keinen weiteren Einblick geben würde... Es sei denn, man verstand die Sprache der Moleküle. "Nun?", meinte Zack nur.

Naumann hatte alle Unterlagen sorgfältig studiert und sich die wichtigsten Informationen eingeprägt. Da war ein allgemeiner Bericht über die Fargate Stationen, einer über die einzelnen Bauphasen der Fargate No. 17 & 18 und ein Bericht über das Ausmaß der Zerstörung auf FG 18.
Gewiss waren alle detailliert abgefasst , doch konnten sie alle auch kaum verschweigen, dass die Verfasser wohl nichts über den Hintergrund des Anschlages wussten - oder es den Anwesenden nicht mitteilen wollten. Naumann warf kurz einen Blick in die versammelte Runde. Alle bis auf Col. Luscet und Commander West reagierten ziemlich ratlos auf die ihnen vorgelegen Unterlagen.
"Sir," begann Naumann die drückende Stille zu unterbrechen, 'angesichts der Dringlichkeit und Geheimhaltung der Mission möchte ich eine Taktik vorschlagen die gleichzeitig versucht, eventuell vorhandene Saboteure zu enttarnen und gleichzeitig eine Sabotage der Station zu verhindern." Selbst für Naumann war diese nun ein Statement gewesen, das die Situation völlig umriss, jedoch nichts umfasste, dass die Anwesenden bereits erfasst hatten.
"Ein Einsatz, der zum Teil verdeckt durchgeführt werden sollte, hätte -" Col. Luscet, der bis eben still gelauscht hatte 
faltete gemächlich die Hände.
"Mir gefällt das Ganze ebensowenig wie Ihnen allen", hielt er fest. "Man erwartet von uns, ins Wasser zu springen und läßt uns nur wissen, daß es naß ist. --- Das Problem ist, daß wir nicht mehr Informationen haben und uns jedes Detail selbst erarbeiten müssen. Wir haben diesmal keine Aufklärung, wir sind die Aufklärung."
Zack bemerkte, zwar daß einige darauf durchaus gern etwas entgegnet hätten, sprach aber weiter. "Mein Plan geht dahin, daß wir zwar als offizielle Vertreter dort auftauchen, aber nicht als Angehörige einer Behörde. Wir werden getrennt dort ankommen und zwar als Zivilisten. Wir haben jegliches Material an Bord, um Tarnidentitäten herzustellen. Die Zentrale auf der Erde sorgt dafür, daß auch die Aktenlage stimmt."
Er stand auf und begann, langsam um den Tisch zu gehen. Hinter Naumann und Gacetti, die nebeneinander saßen, blieb er stehen. "Sie, Naumann, werden als Vertreter von Silican auftreten, einem mittelgroßen Konzern, der hauptsächlich für die Kunststoff-Innenverkleidungen der Station liefert. Damit sind Sie nicht im Rampenlicht, können sich aber in allen fertiggestellten Bereichen bewegen." Er warf zwei ID-Karten auf den Tisch. "Gacetti, Sie sind die technische Beraterin von Naumann und Materialprüferin. Während Sie prüfen, sollten Sie dezent die eine oder andere Sonde unterbringen."
Er zog zwei weitere IDs aus der Tasche und warf sie Major Peran und Captain Spanks zu. "Sie beide können sich freuen, denn Sie sind soeben zu Metallurgen im Staatsdienst geworden und werden außerhalb der Station genau das tun, was Naumann und Gacetti drinnen machen." Er ging zu seinem Platz zurück. "Ich nehme an, ich muß Ihnen nicht sagen, daß Sie sich auf keine Fachgespräche einlassen sollten. Sie werden bewaffnet sein, sind aber angehalten, nur im Notfall oder auf meinen ausdrücklichen Befehl hin davon Gebrauch zu machen. Ich selbst werde als Pilot ihrer Fähre und Mädchen für alles auftreten, damit habe ich einen Grund, zwischen Ihnen zu pendeln." Er lächelte süffisant. "Außerdem dürfen Sie dann ausnahmsweise mich etwas herumkommandieren." Er nahm wieder Platz.
"Natürlich ist diese Vorgehensweise im höchsten Maße flexibel, allgemein im Einsatz, aber auch speziell jetzt. Ich erwarte Ihre Verbesserungsvorschläge jetzt... Von Ihnen allen, wohlgemerkt." Er drehte seine eigene gefälschte ID langsam zwischen den Fingern. "Die Personalstelle der Pride Bird hätte auch kein Problem, einen anderen Bürger in die Welt zu setzen, wenn jemand von Ihnen das für sinnvoll erachtet." Er grinste die anderen erwartungsvoll an.

Leon war erleichtert. Vor dem Moment der Rollenverteilung hatte er sich fast gefürchtet, aber er hatte Glück. Zwar wäre er noch ein bisschen Lieber mit Zack zusammen gewesen, aber er war schon froh, vor Naumann verschont zu bleiben. Er sah die Sache positiv: Mit Spanks lernt er endlich mal ein neues Gesicht kennen. Den Plan mit der zivilen Tarnung fand er gut: schließlich bräuchte er sich so nicht an irgendwelche Formalitäten der Darks zu halten.
Er nahm die ID Karte vom Tisch. Er sah zunächst nur die Rückseite mit einer Art Strichcode, der Verwendung findet, als dass man mit ihm unter Hilfe spezieller Scanner die Identität einer Person prüfen kann. Aber ihm war klar, dass die Kopie perfekt seien würde, und so entschloss er sich die Karte umzudrehen: "Nah, hässliches Foto, wo haben die das denn rausgekramt?
Naja, ich willës gar nicht wissen...", dachte er sich, "Hmmm...., Metallurg? Irgendwie meine Fähigkeiten verfehlt.". Er entschloss sich aufgrund der regelrechten Aufforderung Zacks hin einen anderen Vorschlag zu machen: "Zack? Metallurgie ist nicht gerade mein Fachgebiet, und so würde ich gerne einen anderen Vorschlag zu meiner Identität machen: Ich denke, dass ich meine Aufgabe als Techniker besser erfüllen könnte. Dort wäre es mir eher möglich zu fachsimpeln, da ich im Umgang mit komplizierter elektronischer Ausstattung trainiert bin, und ich erhoffe mir noch etwas anderes wichtiges:
der Präsident sagte, dass die Bombe nicht von den Sensoren der Station entdeckt wurde. Da die FarGate Stationen jedoch mit HighTech vollgestopft sind, halte ich es für nahezu unmöglich, dass eine Bombe den Sensoren entgehen könnte. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass die Sensoren direkt manipuliert wurden. Wenn es ein Saboteur schafft, eine Bombe auf eine streng geheime Station zu bringen, wird er mit Sicherheit auch Zugang zu den empfindlicheren Bereichen der Einrichtung gehabt haben. Als Techniker wäre es mir dann möglich, eine "Routineprüfung" an den Sensoren vorzunehmen, und vielleicht sogar eine Routine zu installieren, die alle eventuell vorgenommenen Änderungen in einem Logfile speichert, so dass wir den Täter sofort erwischen würden, falls er sich an den Systemen zu schaffen macht. Was hälst du davon? David könnte ja mein "technischer Assistent" sein." Der letzte Satz kam in Begleitung eines breiten Grinsens in ironischem Tonfall.

Naumann erhob sich, um die beiden ID's einzusammeln und reichte eine davon Captain Gacetti mit einem Lächeln. Er betrachte kurz die Vorderseite und steckte die Karte dann in die Schultertasche an seiner Uniform. 'Wenigstens klappt die Organisation', dachte Naumann, als er zu Gacetti blickte.

Angela nahm die ID-Card und lächelte zurück. 'Na bitte!' dachte sie sich, 'Wenigstens ein Lichtblick!' Ihr war klar, dass ihre Mission nicht wirklich ein Kinderspiel werden würde, aber sie war eine geübte Undercover-Agentin und auch wenn die Mission sicherlich eine Herausforderung darstellte, so war es sicherlich schaffbar.
Auch sie war auf dem Photo nicht wirklich gut getroffen. Es war etwa 3 Jahre alt und Angela stellte ein weiteres mal fest, dass sie mit ihrer jetzigen Haarfarbe - schwarz - weit besser aussah als mit ihren natur aschblonden haaren. "Laurin Gania" war zu lesen. 'Netter Namen!' stellte sie fest, 'könnte man sich dich daran gewöhnen.' Auch die Tatsache das Naumann ihren Chef sein sollte gefiel ihr, es gab ihr etwas mehr Raum um aus dem Hintergrund zu wirken, was sie sehr gerne tat.
Angela wusste aus Erfahrung, dass Naumann keine Undercover-Einsätze gewohnt war, also würde sie ihn ein wenig unter die Fittiche nehmen. Sie sah ihn mit dem abschätzenden aber unauffälligen Blick einer Agentin an und beschloss, dass er sicher schon Monatelang keine ordentliche Zivilkleidung mehr getragen hatte ... Sie hatte ein ganzes Stück Arbeit vor sich.

Da Naumann schon früher mit Gacetti zusammengearbeitet hatte, kannte er ihre Vorgangsweise und auch sie selbst sehr gut. Es würde bestimmt keine Probleme geben. Der Captain war eine ausgezeichnete Agentin und er würde ihr den Rücken freihalten. Naumann war - was ihm selbst Major Peran zugestand - ein ausgezeichneter Diplomat und als Vertreter einer Firma, die besorgt war ihre gelieferten Elemente könnten eine Teilschuld an dem Unfall haben - offiziell würde sie wohl kaum von Sabotage sprechen -, würde er gut auftreten können. Bereits noch während Peran mit dem Colonel über seine Tarnidentität redete, ging Naumann in Gedanken alle Dinge durch, die er vorzubereiten hatte - er hasste unvorbereitete Missionen. Er würde später alles mit Angela besprechen und sich eine entsprechende Hintergrundgeschichte zurechtlegen.

Zack erwiderte das Grinsen und registrierte befriedigt, daß nun in Ansätzen die Dynamik aufkam, welche er sich für Teameinsätze wünschte. "Ich habe nichts dagegen, Leon, wenn Captain Spanks keine begründeten Einwände hat." Sein Lächeln wurde noch ein Stück breiter. "Ich mache aber zur Auflage, daß auch WIR die Station in einem Stück lassen werden."
Gerade als Zack seinen Satz beendet hatte, öffnete sich die zur Brücke führende kleinere Tür des Konferenzraums. Captain Roncalli, flankiert von zwei Offizieren, trat ein.
Zu seiner Rechten ein groß gewachsener, kräftig wirkender, dunkelhaariger Mann, der die Rangabzeichen eines Lt. Cmdr. trug und dessen Kragen die Farbe der Sicherheit (rot) hatte. Links von ihm ging eine Frau. Der blaue Kragen und die Rangabzeichen verrieten sie als Lieutenant der Technik. Roncalli selbst war ein etwa 1,80 großer schlanker Mann mit grauem, etwas lichtem Haar, welches er recht kurz trug. Als die drei eintraten unterhielt sich der Captain gerade mit dem Lieutenant.
"...Max kann die Injektoren ruhig mal mit 5,3 ausprobieren, aber in einer Stunde sind wir auf Patrouille und dann will ich mein Schiff voll funktionsfähig.", war der letzte Teil des Gespräches zwischen den beiden. Der Lt. nickte kurz und drehte sich noch auf der Türschwelle wieder, um zurück Richtung Brücke zu gehen. Nun wandte sich der Captain freundlich lächelnd Zack zu. "Willkommen auf der Pride, Colonel Luscet! Ich bin Captain Giuseppe Roncalli, das ist mein Sicherheitschef Lt. Commander John Rina." Während der Lt. Commander nur freundlich in die Runde nickte, schüttelte Roncalli Zack die Hand.
"Eines möchte ich von vornherein geklärt wissen, Colonel.", wandte sich der Captain an Zack, "Wir sind Ihr Transport und Ihr Schutz, nicht Ihr Kindermädchen. Und nur weil Sie ein schwarze Uniform mit dem Emblem des Präsidenten darauf tragen und ich neulich ein nettes Gespräch mit diesem hatte, ist die Pride dennoch mein Schiff." Offensichtlich hatte der Captain schon unangenehme Erfahrungen mit derartigen Passagieren gemacht, schien aber dennoch bereit zu sein, sich im Falle von Zack und seinen Leuten eines besseren belehren zu lassen. Auch Zack schien dies klar geworden zu sein, denn er 
nickte nur knapp.
"Ich denke, unsere Kompetenzen sind eindeutig, Captain Roncalli. Was dieses Schiff angeht, werde ich Ihnen nicht in ihre Angelegenheiten hineinreden. Sie müssen wissen", meinte er und strich betont die von Roncalli angesprochene schwarze Uniform glatt, "wir kommen entgegen allen Gerüchten nicht in dieser Kluft zur Welt." Er lächelte nur kurz, bevor er schlagartig wieder ernst wurde. "Ich würde nicht wollen, daß mir jemand auf meinem Schiff Vorhaltungen macht, also werde ich das bei Ihnen auch nicht tun."

"Wenn das so ist, wird es mir ein Freude sein, Sie bei ihrem Auftrag bestmöglich zu unterstützen, Colonel." Roncalli warf einen kurzen Blick zu seinem ersten Offizier hinüber, wobei er leicht die Augenbrauen hochzog. "Wenn ich nicht mehr gebraucht werde, würde ich nun gerne wieder meinen Pflichten auf dem Schiff nachkommen.", sagte der Commander daraufhin. "Geh nur, Tom!" Commander West nickte den Personen im Raum kurz zu und verließ ihn dann durch die große Tür, welche zum angrenzenden Hauptkorridor führte.
Nun schritt Roncalli ein Stück um den großen Tisch in der Mitte des Raumes herum, blieb vor der Fensterfront stehen, welche diesen auf einer Längsseite abschloss und sagte, den anderen den Rücken zukehrend: "Comannder - bitte!"
Rina zog daraufhin ein Computerpad aus einer seiner Taschen hervor und reichte es dem Colonel. "Dies sind die Namen und Daten aller Personen, die wir mit diesem Flug auf FG 17 absetzen und aufnehmen werden. Wenn jemand rechtzeitig von der Station verschwinden wollte, ist dies die erste Möglichkeit seit fast einem Monat." Nach dieser Erklärung seinerseits schien der Commander nun auf eine Reaktion seitens Zack zu warten.


Naumann saß ruhig in seinem Stuhl und beobachtete die Szene wie ein Außenstehender. Die ganze Angelegenheit schien doch etwas planlos abzulaufen. Wenigstens würde er mit Gacetti zusammenarbeiten können, die er schon vor längerer Zeit aus den Augen verloren hatte, aber trotzdem gut einschätzen konnte. Bedächtig lehnte er sich zu Angela und flüsterte er ihr zu: 'Wenn das hier vorbei ist, sollten wir uns treffen, um unsere Taktik und unsere Hintergrundgeschichte abzusprechen... Ich weiß zwar nicht wie lange der Flug noch dauert, aber ich nehme an, wir werden genügend Zeit haben. Mein letzter Feldeinsatz -' Naumann hielt inne ñ

Angela erinnerte sich noch ziemlich gut an den junge Naumann, den sie damals kennen gelernt hatte. Er war ein wenig naiv gewesen, aber wohl kaum naiver als sie damals. Sie lächelte ihm zu und unterbrach ihn '- ist lange her. Ich weiß. Ich glaube ich habe in den letzten Jahren nichts anderes mehr gemacht als Feldeinsätze.' Nach einem weiteren Lächeln wandte sie ihr Gesicht wieder Jack Luscet zu, der mit seinen Ausführungen fortfuhr. Für Angelas Geschmack dauerte diese Briefing nun schon viel zu lange. Die Wesentliche Information - nämlich dass es kaum Information gab - war inzwischen allen klar geworden und ihrer Beobachtungsgabe zur Folge schienen alle im Raum mehr oder weniger gelangweilt zu sein. Angela ertappte auch sich selbst damit, dass sie anfing mit ihrem Kugelschreiber zu spielen - ein antikes Ding, aber Angela hatte ihn immer bei sich. Viele bezeichneten es als ihren Tick, und das war es wohl auch.
Naumann ließ sich seine Überraschung nicht anmerken. 'Hatte sie denn nicht - ', dachte Naumann, bis ihm plötzlich klar wurde, das der Vorfall ja als geheim eingestuft worden war. Niemals würde eine Captain des Dark Corps etwas davon erfahren - Naumann fragte sich ob der Colonel davon wusste und sah der Zack der Angela anblickte.

Zack zog scharf Luft ein. "Ich wurde nicht informiert, daß auch Passagiere von der Station an Bord genommen werden. Das wirft unsere Planung etwas um." Er wandte sich zu seinen Leuten um und stellte mit steigendem Unmut fest, daß sich neben nur zu verständlicher Verärgerung über die miserable Informationslage auch ein ungehöriges Desinteresse einschlich. Vermutlich war es doch nötig, einen dienstlicheren Ton anzuschlagen, als er es eigentlich in einem Team bevorzugte. Sollten sich die ihm bekannten Leute in der Zeit, in der er nicht mit ihnen zusammengearbeitet hatte, wirklich so sehr verändert haben?
"Naumann, Gacetti", meinte er scharf, "es wäre hilfreich, wenn Sie Ihre Privatgespräche zurückstellen könnten. Besonders von Ihnen, Naumann, erwarte ich als nach mir dienstältesten und erfahrenen Offizier etwas konstruktivere Beiträge zur Operationsplanung. Das ist hier kein Sonntagsausflug."

Naumann wurde jäh aus seinen schmerzlichen Erinnerungen gerissen. 'Sir, Ich verstehe. Wenn ich frei sprechen dürfte, Sir ?' Naumann erhob sich von seinem Stuhl und blickte Zack direkt in die Augen.
Leon zeigt wieder sein verschmitztes Lächeln. Er hatte dem Gespräch zwischen Naumann und Angela heimlich gelauscht; dies schien im interessanter als das Gespräch von Zack. Noch während Zack aufstand, legte Leon, als bewusst provozierende Geste, seine Beine hoch. Er war gespannt, wer als erster die schwarzen Lederstiefel auf dem Tisch, sowie seine verschränkten Arme, die das Desinteresse schließlich endgültig zum Ausdruck brachten, bemerken würde. Vielleicht ließe sich Naumann so etwas aus der Fassung bringen.
"Nur, wenn es konkret diese Operation betrifft, Lt. Colonel. Für ein Vier-Augen-Gespräch ist auch später noch Gelegenheit, nicht wahr?"
Naumann schien nicht lange zu brauchen, um seine Entscheidung zu treffen. 'Bei allem nötigen Respekt, aber ich bin der Meinung das diese Mission ernsthaft gefährdet ist'. Naumann ging um den Tisch herum während er dies gesagt hatte und blieb hinter Peran stehen.
'Als stellvertretender Leiter ist es meine Pflicht, sie darüber zu informieren, dass ich Bedenken habe angesichts unserer personellen Zusammenstellung ' - Naumann sah niemanden direkt an - 'ich beziehe mich hier nicht auf die konkreten Personen. Die uns zur Verfügung stehenden Informationen sind mehr als mangelhaft, unsere Ausrüstung existiert nicht und unsere Tarnung ist wohl schon aufgeflogen bevor wir diese Schiff betreten haben.'
Naumann drehte sich zu Roncalli und begann mit einer beschwichtigenden Handbewegung zu sprechen: 'Nichts gegen ihre Sicherheitsmaßnahmen, Captain, aber in einer derart heiklen Situation bin ich doch über unseren Empfang überrascht gewesen.'
Und noch bevor der Captain etwas erwidern konnte, dreht sich Naumann um und fuhr fort: 'Es liegt mir fern den Chief General zu beschuldigen - doch wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen, wir sollen versagen.'
Der letzte Satz löste bei allen Anwesenden eine gewisse Bestürzung aus - Naumann konnte nur nicht entscheiden, welche wohl ehrlich war. 'Und was meine Person betrifft - ', Naumann nahm wieder Platz und nickte dem Colonel zu, 'ich denke, sie wissen was ich meine -'


Captain Roncalli hatte sich die ganze Rede Naumanns dem Fenster zugewandt angehört. Auch als ihn Naumann direkt ansprach, hatte er ihn nur aus den Augenwinkeln heraus angeblickt.
Als Naumann fertig war, drehte sich Roncalli, die Stirn gerunzelt und die Augenbrauen wiederum etwas gehoben, um. Er blickte erst skeptisch zu Naumann, dann zu Luscet, bevor er sich umdrehte und Richtung Brücke ging. Auf halbem Weg blieb er stehen und meinte zu Luscet, ohne ein weiteres Mal zu Naumann zu blicken: "In etwa einer Stunde erreichen wir das Tor, das uns zu FG 17 bringen wird. Sehen Sie sich die Namen noch mal an, vielleicht entdecken Sie ja Zusammenhänge mit dem Personal von FG 18, auf dessen Listen WIR ja keinen Zugriff haben." Roncalli sprach in betont ruhigem Ton. Lediglich das "wir" betonte er leicht, wobei er zu seinem Sicherheitschef blickt. "Alles was Sie an Ausrüstung benötigen, werden Sie von Commander Rina erhalten. Meine Anwesenheit hier scheint überflüssig." Der Sicherheitschef hatte sich während der Captain sprach neben diesen gestellt. Roncalli klopfte ihm noch zweimal anerkennend auf die Schulter, bevor er den Raum durch die kleinere Tür verließ. Was er an seiner eingespielten Mannschaft hatte, schien ihm in diesem Augenblick nochmals bewusst geworden zu sein.
Sicherheitschef Rina blieb mit einem fragenden und ein wenig stolzen Gesichtsausdruck dort stehen, wo er war.


Zack blickte dem Captain nur kurz nach wandte sich dann wieder an sein Team. "Interessant, Naumann, aber es hilft uns nicht weiter." Er trat zum Tisch und beugte sich, auf die Platte gestützt, aggressiv vor. "Was ich von Ihnen allen erwarte, himmelherrgottnochmal, ist Professionalität. Sie können von diesem Auftrag im Allgemeinen und mir im Speziellen halten, was sie wollen, aber es wird Zeit, daß wir zu einem Vorgehen kommen."
Seine Stimme wurde um mehrere Grade leiser und er warf einen mißtrauischen Blick zu Rina, der einige Schritte entfernt und außer Hörweite stehengeblieben war. "Ich stimme mit Ihnen überein, daß in unserer Chefetage tüchtig geschlampt wurde, aber solange ich diese Operation leite, werden wir das nicht fortführen, klar? Roncalli ist ein guter Captain, aber er hat keine Ahnung, wie das Dark Corps arbeitet." Er richtete sich wieder auf. "Ich werde jetzt eine gesicherte Verbindung in Präsidialamt herstellen lassen und Tacheles reden." Er warf einen kurzen Blick auf seine Uhr. "Wenn ich zurückkomme, erwarte ich _von jedem_ einen persönlichen Operationsplan in der zugedachten Rolle." Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und ging in die Richtung, in die auch Roncalli zuvor gegangen war. Er war sicher, daß der Präsident bei dem Funkruf sofort wissen würde, welche Fragen seinem Colonel auf der Zunge lagen.


Naumann hatte wohl einen Nerv getroffen. Er blieb ruhig stehen und als der Colonel den Raum verlassen hatte, drehte er sich zu Peran:
"Major, ich möchte vorschlagen, dass sie beide sich " - Naumann blickte zu Peran und dem jungen Offizier neben ihm (er hatte dessen Namen schon wieder vergessen) - "eine ordentliche Tarnidentität zurechtlegen. Diese Mission schien mir doch sehr unprofessionell vorbereitet worden zu sein." "Und wir beide "- Naumann lächelte Captian Gacetti zu - "sollten uns auch etwas besseres zurechtlegen als dies hier" Naumann nahm seine 'neue' ID-Card aus seiner Schultertasche und warf diese missmutig auf den Tisch.
Leon beobachte den Vorgang mit neutralem, nichtssagendem Gesichtsausdruck. "Hmm.... ich bin weiterhin für die Sache mit dem Techniker. Ich erhoffe mir auf diese Weise Zugang zu den Computern und internen Systemen zu erhalten." Leons stimme wird plötzlich leiser und sein Gesichtsausdruck sichtbar ernster: seine sonstige Fröhlichkeit schien endgültig verschwunden. "Um ganz ehrlich zu sein: zunächst habe ich ihre Theorie, dass die Mission nicht schaffbar wäre für albern gehalten, aber mittlerweile traue ich der ganzen Situation auch nicht mehr recht. Genaugenommen erhoffe ich mir in den Systemen irgendwelche Informationen zu finden, die die Situation etwas aufklären könnten. So schwer es mir auch fällt dies zu sagen:
ich gebe zu, dass ich sie nicht gerade liebe, aber sie scheinen im Moment die einzige Vertrauenswürdige Person zu seien. Zack scheint bei der ganzen Sache noch weniger durchzublicken als wir, Spanks ist ganz Anteilnahmslos und bei Angela weiß ich nicht was ich von ihr halten soll. Ich möchte ihnen daher einen Vorschlag machen, der unter allen Umständen unter uns bleiben muss: wir könnten versuchen unser eigenes Ding durchzuziehen.
Ich meine, wir versuchen unabhängig von den anderen Infos zu erhalten. Wer weiß, ob nicht einer von denen bei der ganzen Sache mit drinsteckt; darum die Heimlichtuerei. Ich würde vorschlagen, dass wir versuchen sollten uns Zugang zur Datenbank zu verschaffen." Leon zieht seine ID Karte aus der Tasche und wirft sie aus dem Handgelenk heraus auf den Tisch zu Naumanns Karte ohne den Blickkontakt zu ihm zu verlieren.
"Angesichts der problematischen Lage sollten wir uns in der Tat im Moment nur auf Mitglieder des Dark Corps verlassen." Peran, Gacettie, Spanks und Naumann selbst waren nun ja unter sich. Dieser nahm wieder neben Captain Gacetti Platz und berührte die blank polierte, dunkelbraun schimmernde Oberfläche des Tisches. "Computer, identifiziere Naumann, Leutnant Colonel, Dienstnr. 605-3178-C".
Unmittelbar darauf wurde der Tischbereich vor Naumann transparent und das Logo des Informationsnetzes wurde erkennbar, welches nun holographisch etwa 20 cm über den Tisch projiziert wurde.
"Erbitte Zugang zur Datenbank des Dark Corps " Das Logo verschwand und ein Menü mit diversen Unterpunkten wurde sichtbar.
Naumann berührte mit seinem Zeigefinger kurz einen Punkt und drehte sich zu Captain Gacetti. "Was würde zu uns passen ? Ein Schmugglerpärchen, dessen Schiff in der Nähe von FG17 havariert ?"
Naumann wartete nicht auf eine Antwort Gacettis, sondern verwarf die Idee gleich wieder. 'Eine derartige Identität würde unseren Zugang wohl erheblich einschränken', dachte Naumann, und musste bei dem Gedanken lächeln.
"Ich schlage vor, wir sollte angesichts der baldigen Eröffnung und der Bekanntgabe der Existenz der Station etwas mehr offizielles darstellen. Aber warten Sie mal... " Naumann drehte sich von Gacetti weg und blickte auf den Terminal. "Computer, Besatzungstärke von FG17 und Personalliste auflisten"

Eine kurze Auflistung von Zahlen erschien nun auf dem Holoscreen.
"
Personal der Space Forces: 127 Personen weiteres Baupersonal: 15844 Personen gesamt: 15971 Personen "
"Betreffend der vollständigen Personalliste sind genauere Angaben notwendig.", fügte der Computer mündlich noch hinzu.

***

Zack ignorierte die Blicke der Brückencrew, als er den vom Rest der Brücke getrennten Kommunikationsstand betrat. Trotzdem schloß er schnell die Tür und nahm an der Konsole Platz. Sein Blick flog über die verwirrende Vielzahl von Sensordisplays und normalen Druckschaltern, dann hatte er gefunden, was er suchte. Die Basisstruktur von Kommunikationsanlagen waren im Grunde immer gleich und Angehörige des Dark Corps genossen eine spezielle Ausbildung, was den Aufbau sicherer Verbindungen anging. Während er skrupellos einige der Kommunikationsprotokolle löschte, verschwendete er keinen Gedanken daran, daß der Komm-Offizier, den er nach kurzer Rücksprache mit Captain Roncalli kurzerhand aus seinem Reich vertrieben hatte, diese aufwendigen Programmstrukturen sicherlich mit mehreren Tagen Zeitaufwand wieder herstellen mußte, wenn er ein- und ausgehende Gespräche dokumentieren wollte.
Er war sich auch bewußt darüber, daß er mit dem, was er nun vorhatte, gegen eine ganze reihe Vorschriften und Etikette verstoßen würde, aber das Risiko erschien ihm berechenbar. Entweder hatte er diesen Auftrag bekommen, weil er ohnehin unter Abschreibung lief und hatte somit nichts zu verlieren. Oder aber er hatte diesen Psycho-Auftrag erhalten, weil man ihn für einen der Besten hielt und in diesem fall würde er sich auch etwas herausnehmen können. Sogar gegenüber dem Präsidenten.

Geduldig wartete er ab, bis das Schiffslogo durch das des Präsidialamtes ersetzt wurde. Er war auch nicht überrascht, als nach etwa einer Minute auch dieses ausblendete und der Kopf von Präsident Criani erschien. Zack hatte damit gerechnet, daß der Präsident seine Rufanfrage sofort richtig deuten würde.
Der alte Stimmenjäger ist nicht auf den Kopf gefallen, schmunzelte Zack innerlich, während sein Gesicht eine Maske vorwursvoller Erwartung präsentierte. "Guten Tag Herr Präsident", sagte er gedehnt, "ich nehme an, Sie ahnen bereits, weswegen ich Sie erneut kontaktiere, nicht wahr? Ich erhoffe mir ein paar Fakten, die Sie mir und meinem Team verschwiegen haben. Bei der Gelegenheit könnten Sie auch gleich erklären, warum Sie damit bis jetzt zurückgehalten haben." Crianis Gesichtsausdruck war der des professionellen Politikers, abssolut nichtssagend und gleichzeitig dergestalt, als würde er jeden Moment aufspringen, um irgendwo ein aus öffentlichen Mitteln finanziertes Heim für ausgesetzte Haustiere einzuweihen. Als er bemerkte, das Criani zu einer Entgegnung ansetzte, kam ihm Zack noch einmal zuvor.
"Ich weiß, Sie sind mir keine Rechenschaft schuldig. Aber ich denke, Sie haben ein Interesse daran, daß der FarGate18-Zwischenfall geklärt werden kann." Zacks Stimme wurde etwas leiser und eindringlicher. "Bitte lassen Sie mich und meine Leute nicht im Dunkeln sitzen..."
Criani reagierte nun nicht sofort. Die letzten Worte von Zack schienen ihn nachdenklich gestimmt zu haben. Sein Blickwinkel sagte Zack, dass Criani etwas auf der Konsole, die sich vor ihm befinden musste, eingab. Das Bild flimmerte kurz, ein knackendes Geräusch war zu hören.
Criani erschien wieder. In der oberen rechten Ecke war nun das nona-Wappen. "Ich muss sicher sein, dass die Leitung nicht abgehört wird", begann Criani erklärend. "Die Codes des Dark Corps scheinen in letzter Zeit nicht mehr sicher zu sein."
Falten bildeten sich auf der Stirn des grauhaarigen Mannes. "Es besteht Grund zur Annahme, dass sich ein Teil der gegen die Iuh'na gerichteten Kräfte, welche stärker zu werden beginnen, auf höchster Ebene manifestiert haben - vermutlich im Space Command. Ich wollte es lange Zeit nicht wahr haben, aber von Stunde zu Stunde erhalte ich neue Berichte der nona, die diese Annahme untermauern. Es ist bereits jemand zu Ihnen unterwegs, der Ihnen alle Fakten liefern wird, die Sie benötigen."
Ein tiefer Seufzer war von Criani zu hören. "Zack, ich weiß sehr wohl, dass dies keine einfache Mission ist. Was die ganze Sache ein wenig einfacher werden lässt, ist, dass diesmal die von uns gesuchten Ratten selbst das Licht suchen werden und man einen Verräter stets am Gesichtsausdruck erkennen kann." Bei dem Ausspruch dieses letzten Satzes lächelte Criani müde. "Die Fakten kenne selbst ich nicht alle. Der Iuh'na, der bald eintrifft, ist da mit Sicherheit der bessere Gesprächspartner. Gibt es sonst noch Fragen von ihrer Seite?"

Zack schüttelte kurz den Kopf. "Keine Fragen, Herr Präsident. Und vielen Dank für Ihr Verständnis für meine Situation. Ich denke, wir können jede Hilfe gebrauchen." Er verschwieg, daß er selbst nicht viel davon hielt, einen Iuh'na dabei zu haben, aber er respektierte ihre Rolle beim Aufbau der jetzigen Gesellschaft. Er warf einen reflexartigen Blick durch die transparente Tür des Komm-Standes und überzeugte sich davon, daß auf der Brücke immer noch alles in gewohnten Bahnen verlief. Von der Crew blickte nicht einmal mehr jemand herüber.
"Ich fürchte, wir haben mindestens eine der Ratte hier an Bord", eröffnete er schließlich. "Nach dem, was sie sagen, kann ich nicht glauben, daß sie uns keine Daten haben zukommen lassen. Irgend jemand will Zeit schinden und muß diese Informationen abgefangen haben, unsere Ermittlungen beginnen also bereits hier an Bord der Pride Bird." Er machte eine bedeutungsvolle Pause. "Ich fürchte, meine eigenen Leute sind trotz ihrer Macken die Einzigen, denen ich hier vertrauen kann. Es sind Sonderlinge so wie ich, aber ich nehme an, Sie haben sich dabei etwas gedacht, nicht wahr?" Er grinste. "Krankhafte Individualisten eignen sich nicht zu Verschwörern..."

"Das war unser Gedanke. Sie haben aber mit ihren Leuten nicht nur Individualisten, sondern auch Experten unterstellt bekommen.", bestätigte Criani. "Der Duratak sollte bald eintreffen. Viel Erfolg!"
Mit diesen Worten beendet Criani die Verbindung.

***

Naumann blickte kurz zu Captain Gacetti : "Was glauben Sie ?
Was wäre wohl am unauffälligsten ? Sie haben doch bestimmt auf der Akademie auch die Lehren Sun Tzu's studiert, oder ? " Naumann drehte sich zum Terminal und schränkte die Liste mit einigen Nebenbedingungen ein.
"Denn sehen Sie... ein Sabotageakt auf FG18... was ist der tiefere Beweggrund von Saboteuren ? Das Handlungsmuster lässt nur einen Schluss zu... es war ihnen egal, ob man sie erwischt... man hat sich nicht die Mühe gemacht die Ursache der Explosion als Unfall zu tarnen ",Naumann überlegte kurz, und fuhr dann fort, "der Präsident ließ daran keine Zweifel aufkommen... also, was lässt das für einen Schluss zu ?"
Naumann hatte wohl eher mit sich selbst als mit den Anwesenden als mit dem Zugangsmodul gesprochen... "Wer immer diesen Sabotageakt auch durchgeführt hat, sie sind zu allem bereit... auch unter Einsatz ihres Lebens... doch bei allen Sicherheitsvorkehrungen können wir wohl fürs erste ausschließen, dass eine an Bord der Station gebrachte Vorrichtung zur Explosion gebracht wurde."
"Computer, liste alle Personen mit Zugang zum Hauptreaktor auf... die einfachste Methode... finden Sie nicht auch ? Der Zugang ist am striktesten eingeschränkt und niemand würde dort mit einem Sabotageakt rechnen."
Und während die holografische Projektion kurz ins Dunkel des Raumes abglitt, flüsterte Naumann etwas vor sich hin: "Der beste Angriff erfolgt dort, wo niemand damit rechnet..."

Nach wenigen Sekunden hatte der Computer die Liste parat.
"
Zugang haben alle Personen mit Tech-Sicherheitsstufe 3 und niedriger. Zugang derzeit insgesamt: 72 Personen davon 31 aus den Space Forces, 6 Spezialkräfte und 35 Personen aus dem restlichen Baupersonal. "

Einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis verließ Zack den Komm-Stand und warf dem Lieutenant, der einige Schritte entfernt darauf wartete, sein Reich wieder in Besitz nehmen zu können, einen der Blicke zu, die für gewöhnlich entweder die Bekanntgabe allgemeiner Mobilmachung oder aber zumindest einen Haufen Arbeit ankündigten. "Ich mußte ein paar Geheimhaltungsvorschriften einhalten", meinte er in bedauerndem Tonfall im Vorbeigehen. "Aber ich bin sicher, Sie bekommen das wieder hin, Lieutenant." Er wartete keine Antwort ab und verließ die Brücke, bevor Roncalli vielleicht doch noch auf die Idee kam, ihm Fragen zu stellen.
Als er den Besprechungsraum betrat, schien Naumann gerade ein par Daten vom Computer erhalten zu haben. "Ich hoffe, Sie haben genauso interessante Neuigkeiten wie ich, Naumann", meinte er und grinste breit.
"72 ?", murmelte Naumann vor sich hin. "Das schränkt ja den Kreis der Verdächtigen schon mal ein." Naumann überlegt kurz und wollte gerade die Sicherheitsdateien dieser Personen anfordern, als Col Luscet den Raum betrat. "Ich hoffe, Sie haben genauso interessante Neuigkeiten wie ich, Naumann", meinte er und grinste breit.

"Tja, Sir ich habe mir inzwischen Zugang zu einigen Informationen aus dem Datenbanksystem des Corps verschafft.Knapp 16.000 Personen halten sich im Moment an Bord von FG17 auf. Das wird keine leichte Aufgabe werden " Naumann deaktivierte mit einem Handstreich über die Projektionslinse die holografische Darstellung und stand auf. Er schritt zu Col. Luscet, der noch in der Tür stand und flüsterte ihm leise zu, dass es wohl das beste wäre die Situation etwas abgeschlossener zu besprechen.
Col Luscte setzte sich zurück auf seinen Platz am Kopfende des Konferenztisches und Naumann sicherte den Türöffnungsmechanismus. "Sir, Angriffsziel No.1 für Sabotage stellt meiner Meinung nach der Hauptreaktor der Station dar. Obwohl er noch nicht unter Volllast betrieben wird, könnte seine Deaktivierung die Energieversorgung wichtiger System lahmlegen. Eine Vielzahl von Systemen würde ausfallen, und vor allem der Sicherheitsring um die Station wäre kurzzeitig unterbrochen."
"Mein Kommandocode ermöglicht mir leider keinen Zugang zu den Visionssatteliten rund um die Station... und dabei wäre sicher auch relevant was die von FG18 aufgezeichnet haben. " Naumann stütze sich auf dem Kopfteil des am anderen Ende des Tisches aufgestellten Stuhles und blickt reihum zu den Anwesenden.

"Eine interessante Theorie, Naumann", meinte Luscet. "Ich möchte sie auch nicht ganz ausschließen, obwohl ich der Meinung bin, daß unser Saboteur auf FG18 eher weniger Subtilität bewiesen hat. Aber das ist jetzt eher nebensächlich, denn..." Er warf einen nachdenklichen Blick auf die Diode am Verschlußsystem der Tür, deren rotes Leuchten anzeigte, daß Naumann bei der Verriegelung so gründlich gewesen war wie immer. "Der Präsident wird uns jemanden zur Verstärkung schicken", fuhr er schließlich fort. "Einen Iuh'na."
Bei der Ruhe, die auf seine Eröffnung folgte, hätte man das Fallen einer Nanite hören können. Zack klatschte die Hand auf den Tischplatte. "Aber wenn der Junge auftaucht, wollen wir bereits etwas vorzuweisen haben. Der Präsident wollte uns das Material hier zukommen lassen, aber irgend jemand hier an Bord scheint auf Zeit zu spielen und hat die Daten abgefangen. Im Übrigen wurde Ihre These bezüglich einer möglichen Verschwörung in hohen Kreisen von Criani bestätigt. Nicht nur, daß in diesem Zusammenhang auch das Space Command genannt wurde, mir ist auf dem Weg von der Brücke hierher etwas eingefallen, das wir bisher ganz offensichtlich übersehen haben, eine Verbindung zwischen FG18 und FG17, die wir zu allererst prüfen sollten. Meine Dame, meine Herren, es gibt ein Schiff, welches alle Transporte zu beiden Stationen bzw. deren Baustellen durchführt... Und dieses Schiff ist die Pride Bird selbst."
Zack sah, dass Spanks etwas entgegnen wollte, aber er wehrte ab. "Ich weiß, dafür gibt es keine Beweise, aber angesichts der Sache mit den zurückgehaltenen Daten genügt es mir als Ermittlungsgrund. Außerdem gibt es keinen Grund, hier untätig sitzen zu bleiben. Ihre Aufgabe, Captain Spanks, wird es sein, sich die Logbücher der Pride Bird anzusehen. Major Peran wird das Gleiche tun, im Gegensatz zu Ihnen allerdings sichtbar und somit davon ablenken, daß sie sich über eine Hintertür Zutritt zu den Speicherbänken verschaffen." Er blickte Naumann an, dessen Gesicht davon zeugte, daß er angestrengt überlegte. "Ich sehe, Sie haben meine Gedanken erraten, Naumann. Sie und Gacetti dürfen sich die Crew vorknöpfen. Schöpfen Sie Ihre Befugnisse voll aus, meinetwegen auch Befugnisse, die sie gar nicht haben." Er stand auf, zog seine Dienstwaffe aus der Pistolentasche und prüfte demonstrativ den Ladezustand des Magazins. "Ich möchte, daß Sie alle von jetzt an höchste Vorsicht walten lassen. Die Waffen sind in offener Tasche zu tragen. Wenn der Präsident sich irrt, machen wir uns hier nur ein wenig lächerlich. Wenn nicht, rettet es uns vielleicht das Leben." Er verstaute die Waffe wieder. "Ich nehme an, Sie alle haben Ihre Anweisungen verstanden. Ich erwarte Ihre Bestätigung und eventuelle Fragen." Er blickte auf die Uhr. "Einsatzbeginn ist genau jetzt."

'Ahhh', dachte Naumann, als er erfuhr das die Pride Bird nicht zufällig ausgewählt worden war. 'Tja, inzwischen sollte ich das Corps doch kennen'.
Naumann war nicht gerade begeistert zu erfahren, dass sich nun auch noch ein Iuh'na in die Angelegenheit einmischte. Auf diese Art Überraschung war er noch nie gut zu sprechen gewesen. Beinahe hätte er auch angesichts der Erfahrungen bei seiner letzten Mission Einspruch erhoben, doch im letzten Moment überlegte er es sich anders und er nickte zu Captain Gacetti mit den Worten 'Na dann, lassen Sie uns mal etwas hinter die schöne Fassade blicken'. Col. Luscets Schweigen fasste Naumann als Zustimmung auf und fuhr fort.
"Da wir niemanden an Bord wirklich vertrauen können - die Anwesenden einmal ausgenommen - stellt sich natürlich die Frage wie wir vorgehen werden. Eine Doppelstrategie scheint mir angemessen, denn je lauter wir auf den Busch klopfen, desto eher kommen auch die Ratten aus den letzten Winkeln ans Licht. Die Führungsoffiziere sind zuerst dran." Und Naumann fügt mit einem Lächeln hinzu, 'Sie haben die Wahl. Möchten sie den bösen oder den guten Cop spielen ?'
Noch bevor Gacetti Antworten konnte, wurde das Gespräch vom Colonel unterbrochen...
"..., es sei denn, Lt. Col. Naumann ist geneigt, seine Einstellung diesbezüglich zu überdenken." Der Colonel blickte kurz zu Naumann, der von seiner Absprache mit Cpt. Gacetti aufblickte.
"Solange wir unter uns sind, kein Problem, doch um unserer Untersuchung etwas psychologische Rückendeckung zu geben " - Naumann nickte zu Gacetti - "sollten wir nach aussen etwas auftrumpfen und das volle Gewicht des Dark Corps ausspielen... "
Naumann sah das verdutze Gesicht von Major Peran und fügte hinzu: "Ich klebe nicht stur an den Befehlen... und ich kenne meine Ruf"
Und leise flüsterte er: "Ist der Gegner überlegen, reize ihn... und Einschüchterung kann eine mächtige Waffe sein... Sun Tsu"
Gacetti wusste nicht ob Naumann Peran oder die Offiziere der Bird mit Gegner gemeint hatte, und gerade als sie etwas sagen wollte, stoppte das Schiff.

Leons Blick wendete sich leicht enttäuscht Luscet zu. "Ich hätte eine Frage:
wie kommt es, dass Spanks versuchen soll in das System einzudringen und ich ablenken soll? Ich meine, wäre es nicht sinnvoller gewesen wenn _ich_ versuche die Datenbank zu durchforsten? Ohne Spanks nahe treten zu wollen muss ich nämlich erwähnen, dass ich die besseren Qualifikationen für solch einen Job habe und leichter meine Spuren verwischen kann und womöglich schneller Zugang zu geschützten Systemen erlangen kann. Statt dessen könnte sich Spanks um das "Ablenkungsmanöver" kümmern. Es ist ja nur ein Vorschlag..."
Zack grinste.
"Sie wissen, daß Sie die bessere Qualifikation für den Job hätten und ich weiß es auch." Sein Grinsen brach ab. "Der Punkt ist aber, daß jeder potentielle Verschwörer an Bord der Pride Bird es auch weiß. Während Sie in den Datenbänken des Schiffes herumwühlen, wir jeder ein Auge auf sie haben, der auch nur ein bißchen Dreck am Stecken hat. Spanks ist eine kleines Licht und kann sich freier bewegen. Ihre Komms arbeiten mit Codes des Dark Corps, Sie können Captain Spanks also notfalls unbelauscht anleiten, falls er nicht weiterkommt. Einwände Ihrerseits, Spanks?"
Der Hauptmann schüttelte den Kopf. "Kein Problem. Wir beide gehen rein, holen raus was geht, der Major wird dabei beobachtet und ich nicht." "Sie sagen es." Er wandte sich wieder Peran zu. "Ich hoffe, ich konnte Ihre Bedenken zerstreuen, Major."
"Nun gut, du bist der Organisator. Ich bin schließlich für die Umsetzung zuständig."
Leon grinste wieder: "Und im Chaos anstellen bin ich auch nicht schlecht." Sein grinsen verflog wieder und er lehnte sich leicht zurück: "Aber mal im ernst: ich werde dafür sorgen, dass mir das ganze Schiff auf die Finger schaut. Einmal ganz und gar nicht verdeckt arbeiten ist auch mal etwas anderes. Vielleicht schaffe ich es trotzdem die ein oder andere Info herauszufinden. Und noch etwas von dem ich eigentlich dachte, dass es mittlerweile klar wäre: mein Vorname ist nicht "Major" und ein "Sie" ist erst recht fehl am Platz." Wider erwarten der meisten war auch während des letzten Satzes kein weiteres lächeln zu erkennen. Leon schien dies wirklich ernst zu meinen.
"Nun, Major Peran, das wäre mir auch lieber, aber ich habe dieses Angebot bereits auf Terra gemacht. Da keine Übereinstimmung darin erzielt worden ist, daß einheitlich auf militärische Formen verzichtet wird, muß ich auf deren Einhaltung im weiteren Verlauf bestehen, es sei denn, Lt. Col. Naumann ist geneigt, seine Einstellung diesbezüglich zu überdenken." Er blickte kurz zu Naumann, der von seiner Absprache mit Cpt. Gacetti aufblickte.

Von einer Sekunde auf die andere wurde das Schiff von einem einzigen großen Lichtblitz umgeben. Direkt darauf waren durch die Fenster des Konferenzraumes nun die Sterne sichtbar, welche sich kaum bewegten - das Schiff war unter Licht gefallen.

"Ich kann mir nur einen Grund für den Halt vorstellen", brummte Zack. "Criani scheint keine Zeit verloren zu haben." Er blickte auf die Uhr und überschlug die Zeit seit ihrem eigenen Abflug. Es gab nicht viele Schiffe, die höhere Werte als ein Schiff der Frontier Class erreichten, aber er konnte sich auch gut vorstellen, daß Criani den Iuh'na bereits vor dem Gespräch losgeschickt hatte. Der Präsident war jemand, der solche Psycho-Spielchen zu schätzen wußte.
"Okay", meinte er. "Kein Grund für eine Planänderung. Wir haben im ungünstigsten Fall nur noch knapp eine Stunde und ich möchte bis dahin einige Ergebnisse haben. Major Peran, Captain Spanks, Sie werden sich den Bordrechner vornehmen." Er blickte zu Gacetti und Naumann. "Roncalli wird vermutlich den Ankömmling empfangen, das ist eine gute Gelegenheit, der restlichen Brückencrew etwas auf den Zahn zu fühlen." Er grinste. "Seinen Sie diskret, aber machen sie die Leute ruhig etwas nervös. Wenn sie sauber sind, wird Ihnen das ohnehin nicht gelingen, falls doch, gibt es dafür auch einen Grund. Ich werde inzwischen dafür sorgen, daß sich Roncalli sich mit dem Duratak nicht so einsam fühlt. Er dürfte uns sowieso gleich offiziell über sein Eintreffen informieren."

"Tja", sagte Naumann, der über diesen unplanmäßigen Stop nicht besonders besorgt zu sein schien. "Wir sollten - da der Captain beschäftigt sein wird - mit dem ersten Offizier beginnen und mir ihrer Erlaubnis Colonel möchte ich gerne diesen Konferenzraum als Verhörraum benutzen. "
Major Peran und Captain Spanks hatte gerade den Raum verlassen, als Captain Roncalli hereingestürzt kam.

Ihm folgte ein durchschnittlich großer Mann, mit dunkelbraunem Haar. Sein schwarzer Umhang war so lang, dass er gerade nicht den Boden berührte. Vorne wurde der Umhang von einem silbernen Verschluss zusammengehalten, der die Form des Wappens der nona hatte. Rangabzeichen oder ähnliches waren nicht erkennbar.
"Colonel, dies ist Luc Bricassart - Duratak der nona.", stellte Roncalli ihn in sachlichem Ton vor.
Der Duratak ging ein paar Schritte auf Zack zu und begrüßte ihn mit einer kurzen Verbeugung. "Guten Abend, Mr. Luscet! Was haben Sie Jeff Stone angetan, dass er Ihnen dieses Team zusammengestellt hat?" Ein leichtes Grinsen war deutlich im Gesicht des Duratak sichtbar.

'Bricassart ?', dachte Naumann, der seine Überraschung gut zu verbergen wusste - jedenfalls hoffte er das. Er hatte nicht erwartet ihn jemals in seinem leben wieder zu sehen.
Der Duratak schien Gacetti und Naumann nicht zu beachten und auch Roncalli wusste nicht recht, wie er sich zu verhalten hatte.

Durch die Offenheit des nona einigermaßen überrascht, brauchte Zack einige Augenblicke, um die Frage des Mannes zu erfassen. Immerhin schaffte er es, die peinliche Pause mit einem ebenso höflichen Nicken zu überbrücken. Dem Duratak die Hand zu schütteln, erschien einerseits unangemessen und andererseits zu gefährlich.
"Herzlich willkommen", meinte er statt dessen und setzte ein professionelles Lächeln auf. "Wie ich sehe, ist mir Cpt. Roncalli zuvor gekommen, ich hätte sie sehr gern ebenfalls im Hangar empfangen." Sein künstliches Lächeln verwandelte sich in ein aufrichtiges Grinsen. "Was die Sache mit General Stone angeht... Ist sein Arm wieder verheilt oder will er mich immer noch wegen Insubordination aus dem Dark Corps werfen? Er behauptet steif und fest, daß es ein unfaires Training war, nur weil er vier Jahre mehr auf dem Buckel hat. Ich glaube aber, das es eher daran liegt, daß er diese vier Jahre überwiegend in einem Chefsessel verbracht hat." Er wandte sich halb um und wies auf die Anderen. "Aber mit meinem Team bin ich gar nicht so sehr gestraft... Ich nehme an, Sie kennen jeden Einzelnen bereits?"

Nun warf der non einen kurzen Blick auf Gacetti, dann, von einem anerkennenden Nicken gefolgt, auf Naumann. "Ja, Mr. Naumann dürfte allerdings der einzige sein, der auch mich persönlich kennt." "Ich hoffe, Sie haben Ihre individuelle Einstellung gegenüber ihren Vorgesetzten beibehalten!", meinte er zu Naumann.
Dann wandte er sich wieder Zack zu. "Ich hatte Stone schon seit langem darauf hingewiesen, dass seine Haltung nicht nur was Disziplin angeht viel zu unflexibel ist. Inzwischen kann er aber schon wieder kräftig auf den Tisch hauen." Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er diese auf Disziplin ausgerichtete Haltung wenig befürwortete. Auch ein gewisses Amüsement klang bei seinen Worten mit. Luc Bricassart griff sich den nächststehenden Stuhl und setzte sich - betont langsam.
"Captain, ich bedanke mich für den freundlichen Empfang auf ihrem Schiff. Könnten Sie uns nun bitte alleine lassen." Der Ton des Duratak war freundlich, aber dennoch bestimmt. "Selbstverständlich Duratak!" Ohne erkennbare Emotion verließ Roncalli den Raum. "Also Dark, wie ist Ihr aktueller Status und was wollen Sie von mir wissen?"

Naumann war einigermaßen überrascht, dass sich Bricassart noch an ihn erinnern konnte... "aber was vergißt ein Non denn schon", dachte er und musste über diesen Gedanken leicht schmunzeln... Es mussten nun bestimmt schon 12 Jahre her sein, dass Naumann damals Bricassart persönlich...

"Also Dark, wie ist Ihr aktueller Status und was wollen Sie von mir wissen?" Naumann wurde jäh aus einen Erinnerung gerissen, als er erst bemerkt das der Duratak inzwischen schon Platz genommen hatte.

"Wenn Sie mich so fragen, hätte ich zwei Versionen für Sie. Formell kann ich sagen, wir befinden uns im Anflug auf den Erfüllungsort unseres Auftrags, die Auftragslage ist inzwischen klar, der Erfüllungstand ist derzeit nicht abschätzbar, wir haben keine Verluste. Aufgrund berechtigter Verdachtsmomente sollte die Untersuchung bereits hier an Bord beginnen. Wenn Sie aber meine persönliche Meinung hören wollen: Wir befinden uns auf einen Schiff, auf dem es mindestens einen, vermutlich aber mehrere Verschwörer gibt. Die Geheimhaltung unseres Auftrags ist geplatzt und wenn sich jemand von uns allein durch das Schiff bewegen würde, hätten wir kurz darauf garantiert einen bedauerlichen Unfall mit Todesfolge zu verzeichnen. Wenn ich die Zusatzinfos von President Criani richtig deute, betrifft der letzte Umstand besonders Ihre Person."
Zack räusperte sich.
"Ich hatte bereits Aufgaben verteilt, um uns Schiff und Besatzung in der verbleibenden Reisezeit etwas zur Brust zu nehmen, wenn aus Ihrer Warte nichts dagegen spricht, würde ich dies gerne beibehalten. Ach ja... Was ist in dieser Sache Ihr konkreter Auftrag?"

"Ich bin nicht hier, um ein Kommando zu führen. Man hat mich gebeten, ihnen sowohl als Berater, wie auch als Informant, Druck- und Ablenkungsmittel zur Verfügung zu stehen." Der Duratak legte eine kurze Pause ein.
"Bedenken Sie jedoch stets, dass ich nicht zu aktiv werden kann, da ganz bewusst nicht die nona sondern das Dark Corps für diese Mission ausgewählt wurde. Wird bekannt, dass die nona offiziell in diesem Fall mit tausenden von Toten und geheimgehaltenen Bauprojekten ermittelt, würde das die Hetzkampagnen unserer Gegner nur weiter schüren. Ich bin also eine Art 'Kompromiss'."
Nachdem er bei keinem seiner Worte eine Miene verzogen hatte, fuhr er nun in leicht verändertem Tonfall fort: "Dafür, dass Sie auf diesem Schiff reisen und nicht auf einem kleinem Frachter oder ähnlichem, bin ich verantwortlich. Die Idee, an Bord mit den Ermittlungen zu beginnen, finde ich ausgezeichnet. Vor allem auf Commander West sollten Sie ein Augenmerk haben."

"Ich hätte mir denken können, daß dieses ganze Chaos seinen Sinn hatte", brummte er und wandte sich wieder seinem Team zu.
"Was Commander West im Speziellen angeht... Lt. Col. Naumann, Cpt. Gacetti, ich nehme an, Sie Beide haben mitgehört? Beziehen Sie bitte diesen Punkt mit in Ihre Vorgehensweise ein. Ansonsten..." Er blickte fragend zum Duratak, der nicht den Eindruck machte, als wolle er etwas ergänzen. "... ansonsten wissen Sie alle, was Sie zu tun haben. Ausführung."

"Entschuldigen Sie uns bitte, Captain Gacetti und ich werden mit den Verhören beginnen." Ohne eine Antwort abzuwarten schob Naumann Gacetti mehr oder weniger sanft aus dem Raum und sicherte die Tür ab.

Als die beiden alleine waren, blickt sich Bricassart im Raum um, atmete entspannt durch, wandte sich dem vor ihm stehenden Dark wieder zu und meinte zu ihm: "Also gut, Mr. Luscet, wie kann ich ihnen behilflich sein?"



Kapitel 4

Nachdem Spanks und Peran den Raum verlassen hatten, trennten sich sofort ihre Wege.

Spanks ging zum nächsten Aufzug, fuhr acht Stockwerke nach unten und kam so in einen menschenleeren Korridor. Er suchte den nächsten Eingang zu einem der Wartungstunnel, kroch diesen ein Stück entlang, bog dann rechts ab und gelangte schließlich zu einer kleinen Kammer, deren Wände großenteils mit TScreens tapeziert waren. "Na also!" stieß er erleichtert aus und machte sich an die Arbeit.

Peran begab sich auf die Brücke, wo er den Captain direkt vor versammelter Mannschaft nach dem nächstbesten Ort fragte, an dem er möglichst unkompliziert einige Daten durchsehen könnte. Der Captain verwies ihn (ein wenig erstaunt über die Offenheit des Dark) auf einen durch eine Glastür abtrennbaren Terminal-Bereich, der gerade von zwei Leuten besetzt war. Auf die Anweisung des Captains hin, ließen diese Peran alleine in dem Raum zurück.
Ohne die Glastüren wieder zu schließen, begann Peran, die Com-Logs der letzten Zeit auf die eine große Display-Fläche zu legen, eine Übersicht der Sicherheitsberichte auf eine zweite und auf eine dritte die Daten über die letzten Flüge der Pride Bird. In mehreren kleinen Fenstern öffnete er unwichtige Info-Seiten des Dark Corps. Es kam ihm hier auch mehr darauf an, dass möglichst oft und gut sichtbar das Dark Corps-Logo zu erkennen war.
Froh betrachtete er sein Werk, rieb sich die Hände (was durch seinen Körper verdeckt kein anderer sehen konnte) und machte sich daran, Com-Logs, Flugaufzeichnungen und Sicherheitsberichte zu studieren.

***

"Die sind jetzt besser unter sich... ich kenne den non schon von früher", grinste Naumann, um den fragende Gesichtsausdruck Gacettis zu beantworten.
"Wir müssen uns wohl einen anderen Raum suchen..."

Naumann ging schnurstracks auf den XO Commander West zu: "Wir benötigen einen sicheren Raum für unsere Untersuchungen !"
Anscheinend hatte der Commander bereits eine derartige Forderung erwartet, denn ohne lang zu überlegen antwortete er: "Gleich auf Deck 4 gibt es einen weiteren, etwas kleineren Konferenzraum. Momentan wird er nicht gebraucht. Würde das in etwa ihren Erwartungen entsprechen?"
"In etwa.", antwortete Naumann kurz.

Commander West wies einen ihm nahestehenden Ensign an, die beiden persönlich zu diesem Konferenzraum zu führen, auf den eher die Bezeichnung Besprechungszimmer gepasst hätte. Etwa in der Mitte des Raumes stand ein quadratischer Tisch, an jeder Kante von diesem zwei Stühle, wobei eine Kante nicht länger als ca. 1,5 bis 2 Meter war. Im vorderen und hinteren Teil des Raumes war symmetrisch je ein Tisch aufgestellt, der die gleiche Länge hatte wie der Tisch in der Mitte, jedoch nur etwa die Hälfte von dessen Tiefe. Hinter jedem dieser beiden Tische stand je ein Stuhl, hinter diesem Stuhl war ein großer TScreen in die Wand eingelassen, der momentan deaktiviert war. Es gab nur eine Tür.
Naumann ließ kurz seinen Blick schweifen und meinte dann zu dem Ensign "Gut,... das wird für das was wir vor haben schon reichen"
Er hatte die Worte genau ausgewählt... Es genügte, um einige Gerüchte loszutreten und war doch unverfänglich.
"Danke.", und gerade als West sich umgedreht hatte und die Tür sich geöffnet hatte fügte Naumann hinzu:" Achja, sagen sie doch dem ersten Offizier, dass er sich unverzüglich hier melden soll."
Der Ensign zuckte fast sichtbar zurück, nickte nur und verschwand rücklings durch die Tür.
"Nun gut, Angela... es ist lange her... aber wir werden schon wieder gut zusammenarbeiten. Leider haben wir nicht viel Zeit." Naumann drehte sich kurz um, aktivierte mit einem Handstreich über den TScreen das Display und erbat die Personalakte des 1. Offiziers.
"Nun, welche Strategie wenden wir an ?"

Gacetti überlegte eine Weile. "Die gute alte Guter-Cop-Böser-Cop Strategie!?" schlug sie vor und versuchte, sich selbst in der Rolle des 'Guten Cops' vorzustellen, was sie fast zu einem Lachanfall brachte. Die Gute war sie nicht wirklich, dessen war sich Angela schon bewusst. "Ich überlasse dir gerne die Rolle des 'Guten Cops' fügte sie deswegen noch schnell hinzu und wartete leicht amüsiert auf die Reaktion ihres Gegenübers.

"Tja, wir sollten uns da ganz an unseren 'Gegner' anpassen..." Naumann unterbrach die immer noch unvollständige Darstellung der Personalakte Wests. "Computer, die sexuelle Ausrichtung von Commander West, gegenwärtig 1. Offizier der CSS Pride..."
"Kein Eintrag gefunden." meldete der Computer kurz.
"Tja, man sollte meinen die Akten des Dark Corps wären umfassender", kommentierte Naumann mehr zu sich selbst als zu Gacetti. Und insgeheim war sich Naumann sicher, dass es über jeden eine Akte in den tiefen Katakomben des Dark Corps im Archiv nahe des Südpols des Erdmondes gab. 'Doch daran zu kommen', dachte er, 'würde bestimmt schwieriger sein als hier die Schabe im Speck zu finden...'
Er drehte sich auf seinem Stuhl zu Gacetti, und warf ihr über die Schulter ein paar Wortbrocken zu: "...dann sind sie wohl dran... versuchen wirës mit der höheren Wahrscheinlichkeit...."
Er drehte sich wieder zum Terminal und wies den Computer an, mit der Auflistung von Wests Personalakte fortzufahren.

"
Besondere Belobigung an der Akademie von Captain Artemus Acin für überdurchschnittliches Abschneiden bei den abschließenden praktischen Tests.
Nach der Akademie auf dem leichten Kreuzer CSS Berlin unter Commander Planck stationiert, wo er zur Sicherheit gehörte. Nach zwei Jahren erfolgte die Versetzung auf den Kreuzer CSS Nightstar unter Captain Acin. Dort wurde er aufgrund hervorragender Leistungen zum Lt. jg, Lt. und schließlich Lt. Cmdr. befördert. Vor fünf Monaten wurde er auf eine persönliche Empfehlung von Admiral Acin hin XO auf dem Kreuzer CSS Pride Bird unter Captain Roncalli, womit eine Beförderung zum Commander einher ging.

Seither keine weiteren Eintragungen.

Kurzzusammenfassung Personalakte Tom West - Ende des zweiten Teils.
"

Angela Gacetti war nie wirklich eine Theoretikerin gewesen. Sie hasste dieses endlose besprechen von Einsätzen bevor sie wirklich begannen. Eher war sie der Typ der einfach rein ging und loslegte. Sich dabei von seinem gesunden Menschenverstand leiten ließ. Sie hielt auch nicht viel von Personalakten 'Das sind leere Worte!' war sie der festen Überzeugung, 'Was wirklich in einem Menschen steht merkt man erst wenn man vor ihm steht!' Es war ein altes Streitthema, aber auch diesmal hörte Angela kaum hin. Wie ein Schüler in der 6ten Klasse dachte sie lieber an andere Dinge als sich die Worte die der Computer ausspuckte anzuhören.

Naumann ließ sich auf seinem Stuhl zurückfallen. "Hmmm... Acin.... Acin.... ich kenne diesen Namen... wo hab ich ihn schon mal gehört ?", summte er mehr vor sich hin als wirklich zu Gacetti zu sprechen.
"Nun, gut... also so machen wir es... ich werde mit im Hintergrund halten und du übernimmst die Initiative beim Verhör... und ich werde im richtigen Moment eingreifen, und versuchen ihn aus der Reserve zu locken... du kennst ja deine Aufgaben, nicht wahr... schließlich wird das nicht unser erstes Mal sein."
Naumann lächelte Gacetti zu - diese kleine Anspielung war nicht böse gemeint; Gacetti und er hatten zwar nie etwas miteinander gehabt, doch lies sich eine gewisse Sympathie zwischen den beiden nicht abstreiten... und keiner von beiden würde dies auch je tun... zumindest wenn sie unter sich waren.
"Computer, den Raum abdunkeln... 65 % der Standardbeleuchtung...
Temperatur um 3 Grad senken", wies Naumann an.
"Personalakte von Commander West als Standbild darstellen.... achja, Computer...
Nachricht an die Küche... Bestellung von Standardmenü No. 83.... Möchten sie auch was ?"

"Hm gerne!" meinte Angela und fügte nach kurzem Überlegen hinzu: "Ich nehme dann dasselbe!"
Danach blieb ihnen nicht mehr viel mehr als auf den "Angeklagten" (Natürlich, im Sinne der Rechtsprechung war er das gar nicht, aber für Angela Gacetti machte das zumindest was ihre Verhörmethoden anging keinen wirklichen Unterschied) zu warten.

Allzu lange mussten sie jedoch gar nicht warten. Bereits etwa zwei Minuten nachdem die Bestellung aufgegeben worden war, öffnete sich die Tür und Commander West trat ein. Überrascht, von der düsteren und kühlen Atmosphäre des Raumes, blieb er abrupt stehen. Die Tür schloss sich wieder woraufhin der Raum noch dunkler wurde.
Fragend blickte West zu Naumann und Gacetti hinüber und meinte: "Sie wollten mich sprechen?"
Naumann blickte zu West und dann zu Gacettei. Überdeutlich nickte er ihr zu und drehte sich auf seinem Stuhl Richtung Holoscreen um.
Er sagte kein einziges Wort; Gacetti kannte ihre Aufgaben...

Verwirrt setzte West sich auf den Stuhl und starrte abwechselnd Gacetti und Naumann an. Gacetti machte eine Kunstpause bevor sie begann. "Nun Mr.West sie können sich ruhig etwas entspannen. Das ganze hier ist eine Routinebefragung. Ich meine ... sie sind der erste Offizier des Schiffes, also stehen sie auch ganz oben auf der Liste." Angela machte wieder eine Kunstpause und seufzte dabei: "Sie sollten das am besten wissen: Pflicht ist eben Pflicht. Also lassen sie uns keine Zeit verlieren und wenn sie mitarbeiten dann sind wir schnell fertig und sie können weiterarbeiten." Angela verlor keine Zeit und begann mit dem Verhör. "Nun Mr. West können sie uns die Umstände erklären, die sie dazu brachten
zum Militär zu gehen und in weiterer Folge eine Offizierslaufbahn einzuschlagen?" Die Frage klang nicht nur nach einer eindeutigen Standardfrage - und Gacetti hatte auch den entsprechend gelangweilt-herunterlesenden Klang in ihrer stimme - sie war es eigentlich auch aber die Erfahrung hatte gezeigt, dass sich manchmal hier ein Motiv finden ließ ... auch wenn ein Großteil der Antworten das 'Ich-wollte-das-schon-als-Kind-Schema' enthielt und der Rest wohl 'Papa/Mama-wollte-das-so' aber nunja ... Ausnahmen bestätigten nun mal die Regel und so hoffte Angela auf eine etwas nützlichere Antwort.
Als sie die Frage stellte, musterten die Augen des Commanders Angela für eine Sekunde von oben bis unten. Dann jedoch blickte West ihr ruhig in die Augen und erklärte:
"Mir wurde schon recht bald klar, dass der Weltraum das Medium für alles sein würde, was in Zukunft Anspruch darauf erheben würde, etwas Großes und Wichtiges zu sein. Ich wollte dabei sein, wenn dies geschah - mitmischen und nicht einfach andere Leute das machen lassen."
Ein fragender Blick und eine leichte Schrägstellung des Kopfes machten unmissverständlich klar, dass der Commander die nächste Frage Gacettis erwartete.
Gacetti machte sich ein paar Gedankliche Notizen zu dem Übereifer des jungen Mannes. Er schien ihr etwas zu eifrig zu sein und etwas zu begeistert von seinen Ideen. Sie sah ihn wieder an und fuhr fort als würde sie Standardfragen vortragen die sie schon tausendmal zuvor tausende Männer und Frauen gefragt hatte: "Nun, sie waren ja erfolgreich und haben Karriere gemacht. Wie würden sie ihre Momentane Arbeit am besten beschreiben, Commander?"

Der Blick des Commanders schweifte kurz auf Naumanns Rücken und die Darstellung seiner Personalakte auf dem Holoscreen dahinter ab.
In leicht genervtem Tonfall antwortete er schließlich.
"Ich würde sie als nötiges Übel bezeichnen. Roncalli ist ein zu aktiver Captain um den Posten eines ausführenden Offiziers interessant zu machen. Dieser Posten ist jedoch ein großer Schritt vorwärts auf ein eigenes Kommando hin und - wer weiß - vielleicht scheidet Roncalli ja früher als geplant aus den Space Forces aus oder er erhält einen anderen Posten und dann wäre ich derjenige, dem das Kommando auf diesem mächtigen Schiff hier zugetragen würde.
Basteln Sie sich daraus jetzt aber bitte keine Animositäten gegen ihn zusammen. Roncalli ist ein sehr fähiger Mann und es gibt keine Spannungen zwischen uns."

Erst als er diesen Satz beendet hatte, merkte West, dass er irgendwie wie das genaue Gegenteil seiner Darstellungen zuvor klang.
Gacetti bemerkte dies natürlich auch und man kann nicht leugnen dass sie mit der Antwort zu Frieden war. Schon jetzt begann der Commander sich in Widersprüche zu verwickeln also konnte es ja dann bald einmal interessant werden.
Angela formulierte die nächste Frage sehr bedacht: "Sie streben also ein eigenes Kommando an, Mr. West und Roncalli ist ihnen im Weg. Wie weit würden sie gehen um ihn aus dem Weg zu bekommen?" Sie genoss den provozierenden Effekt der Frage einen Moment lang fuhr dann allerdings fort ohne dem Commander eine Chance für eine Antwort zu geben. "Sie sind Offizier, West, und damit der Space Force zu absoluter Treue verbunden. Würden sie die Space Force unter allen Umständen verteidigen?"
Wie schon bei der vorhergegangenen Frage ging es auch diesmal weniger um die eigentliche Antwort als um die Reaktion auf die Frage. Gacetti hatte gelernt dass Antworten meist nicht einmal einen Bruchteil dessen verrieten, was die Reaktion ihres Gegenübers aussagte.

Naumann konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen... "Solche Aussagen sind nur dann nötig, wenn sie nicht wahr sind", dachte er und brachte mit einigen schnellen Handbewegungen auch Roncallis Personalakte auf den Screen.

"JA!!" brüllte West heraus, nun sichtlich in Rage gebracht. "Die Space Forces haben den Auftrag die Menschheit zu schützen und ich bin gewillt mein Leben zu geben, um diesen Auftrag auszuführen. Dazu müssen die Space Forces unter allen Umständen intakt bleiben."
Nach diesem kurzen Ausbruch, kehrte Kontrolle in das Gesicht des Commanders zurück. Verächtlich blickte er auf das Bild Crianis, das dessen Personalakte voranstand.
Langsam stand er auf, ging ein paar Schritte, blieb etwa zwei Schritte schräg rechts von Gacetti stehen und sagte:
"Von ihnen kann man das ja bekanntlich nicht behaupten. Ihre Truppe überprivilegierter Leibwächter ist schließlich bei weitem mehr um das Wohl eines einzigen unfähigen Mannes bemüht, der nur deshalb die Menschheit in den Ruin führen darf, weil er in diesem nona-Geheimbund sitzt."
West wusste, dass er damit nicht gerade die Sympathie der Dark gewinnen würde, aber es war seine Überzeugung und jeder in diesem Staat durfte schließlich seine Meinung sagen, ohne dass man ihm daraus einen Strick drehen konnte.
Spöttisch fragte er: "Weitere Fragen, DARK?"

Gacetti hatte nun wirklich nicht damit gerechnet, dass sie den Commander so schnell auf dieses emotionale Level treiben könnte. Irgendetwas musste seit ihrem Eintreffen an Bord geschehen sein, das den einst höflichen Offizier, der sie an Bord begrüßt hatte, nun derart emotional werden ließ. War der Sabotageakt auf FG17 nun doch schon durchgeführt worden? Eigentlich unwahrscheinlich, wenn der Duratak die Verschwörer an Bord vermuten ließ. Oder war vielleicht inzwischen an Bord etwas geschehen?

Während Gacetti mit West sprach, überflog Naumann kurz die Personalakte des Captains:
Roncalli hatte auf der Akademie gut abgeschnitten, jedoch keine Auszeichnungen erhalten. Auf mehreren Schiffen hatte er bereits gedient, die Pride Bird war sein zweites Kommando, das er vor 2 Jahren erhalten hatte, nachdem sein altes Schiffe außer Dienst gestellt worden war. Und...hoppla... Präsident Criani persönlich hatte ihn für seine wertvollen Dienste auf der Feier zur Kommandoübergabe gedankt?
Noch einmal ging er die Daten durch und bemerkte, dass es einige Anlässe gegeben hatte, zu denen Criani selbst Roncalli gelobt hatte. Der erste war kurz nach Roncallis Versetzung als Ensign auf ein neues Schiff. Dort hatte Roncalli eine sehr ungewöhnliche Lösung für ein Problem Crianis, das während eines Gesprächs deutlich wurde. Das Lob des Präsidenten schien Roncalli verändert zu haben, denn von diesem Augenblick an wurde seine Leistung von den Vorgesetzten um einiges besser dargestellt als zuvor.
Als Lieutenant war er das erste mal versetzt worden, wurde dann XO als Lt. Commander und auf diesem Posten zum Commander befördert. Sein erstes Kommandoangebot hatte er abgelehnt. Erst das zweite schien seine Zustimmung gefunden zu haben. Dann schließlich hatte sein XO vor ca. 6 Monaten das Kommando auf einem anderen Schiff erhalten und West übernahm den Posten.
Einmal war noch ein besonderes Lob von Admiral Acin vermerkt, sonst gab es jedoch keinen weiteren Eintrag hierzu. Wie sich die Akte las, war Roncalli nicht mehr sehr weit von einer Beförderung zum Admiral entfernt.

Naumann war überrascht zu lesen, dass es wiederum Admiral Acin war, der Roncalli diesen Posten beschafft hatte. Zumindest lief es wohl darauf hinaus....
Eine kleine Gefälligkeit und Roncalli würde West übernehmen, Roncalli würde befördert und West würde das Kommando über die Pride erhalten... Naumanns misstrauische Natur roch ja praktisch schon die Lunte, die da schön langsam aber doch stetig vor sich hin brannte.

Gacetti war ruhig geblieben, während des emotionalen Ausbruchs Wests und blickte ihn an. Naumann schien nun der richtige Moment gekommen zu sein und er stand auf, legte Gacetti die Hand auf die Schulter und blickte West schweigend an.
Es dauerte ziemlich lange, bis er begann in einem lesiem Ton zu sprechen: "Ja, wir haben noch weitere Fragen, Commander... viele Fragen... doch in ihrem eigenen Interesse und um die Protokolle zu wahren, muss ich sie daraufhin weisen, dass sich natürlich das Recht auf einen gesetzlichen Beistand haben... Dies hier ist zwar nur ein informelles Gespräch - " Naumann zuckte mit den Achseln, blickte zu Gacetti und wartete auf die Reaktion Wests.

'Höchste Zeit!' sagte sich Angela und wünschte, Naumann könnte sie hören, doch mit der Segnung der Telepathie waren beide nicht ausgestattet. Naumann versuchte den guten Jungen zu spielen der seine Übereifrige Kollegin beruhigte also hatte Angela jetzt die 'Böse Dark' zu spielen.
Auch wenn sie eigentlich innerlich ruhig war, ja sich fast freute West so schnell auf 300 gebracht zu haben so setzte sie nun doch ein wütendes Gesicht auf. "Mister West, sie mögen vom Präsidenten und dem Dark-Corps denken was sie wollen, doch denken sie nicht wir währen dumm und hätten ihr kleines Spielchen nicht mitbekommen." Sie blöffte aber sie behauptete von sich die Übung zu haben um dies ziemlich erfolgreich zu tun. "Und glauben sie nicht, sie würden damit durchkommen..." mit diesen Worten wurde sie auch äußerlich wieder ruhig und sah West eindringlich an "... früher oder später gehen uns alle Fische ins Netz ... auch ihr ... Freund." Dann wurde ihre Stimme bedrohlich "Und zwar so wie es aussieht eher früher als später."
Naumann war einigermaßen überrascht. Da hatte doch Gacetti entweder ihre professionelle Gelassenheit verloren, oder sie spielte hier ein anderes Spiel als er. Nichtsdestotrotz sah er zu West und wartete auf eine Reaktion.
Gerade wollte West "Ich SPIELE nicht" entgegnen, als Angela das Wort "Freund" erwähnte. Konnte es wirklich sein, dass sie etwas wussten?

Zunächst wandte er sich jedoch an Naumann. "Beistand brauchen nur Angeklagte. Ich bin ein Commander der Space Forces und es dürfte noch einige Zeit dauern, bis sie mich einer Sache erfolgreich anklagen dürfen."
"Und was sie anbetrifft, Captain, ich habe nicht die geringste Ahnung, von welchem "Freund" Sie sprechen."

Angela merkte, nein fast spürte sie eine gewisse Unsicherheit und blieb hart. Es konnte funktionieren. Sie funkelte West an: "Überlegen Sie es sich Commander. Wenn sie noch lange weiterlügen dann wird ihnen nämlich auch der beste Rechtsbeistand nicht mehr helfen. Ich nehme an sie wissen wie man das nennt was sie und ihr Freund dort draußen aufführen. Wissen sie Commander, ich habe heute meinen großzügigen Tag und deswegen will ich ihnen ein Angebot machen: sie sagen mir was ich wissen will und ihr Freund kommt hier ungenannt davon. Ansonsten werde ich dessen Namen jetzt an meinen Kollegen weitergeben und im Vergleich zu mir ist er nicht offen für Angebote."
West blieb stur. "Nein! Sie haben doch gar nichts in der Hand!"

"Nun, gut Commander... ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass es ihnen angeboten wurde... und wie gesagt, dies hier ist nur eine informelle Befragung... Sie werden doch sicherlich verstehen"-
Naumann pausierte kurz und deaktivierte mit einem Handstreich durch den Holoscreen diesen. Er nahm neben Gacetti Platz und fuhr fort. "Commander West, bitte setzen sie sich !"
Naumann wartete bis West seiner Aufforderung nachgekommen war und blickte zu Gacetti. "Captain Gacetti hier", Naumann nickte zu Angela ,"hat sich ihren Flugplan der letzten 3 Monate durchgenommen." "Neben diversen Missionen führt die CSS Pride Bird doch auch Standard- Versorgungsflüge durch, oder ? Und soviel ich weiß, ist es ihre Pflicht als XO den Flugplan, Ladung und Passagiere zu koordinieren... Es hat da Unstimmigkeiten gegeben..."
Naumann blickt zu West und erblickte leider keine eindeutig zuzuordnende Regung. "Sie besitzen die übliche Sicherheitsstufe ?" Naumann stand auf, und ging zum Holoscrenn zurück, um diesen zu aktivieren.
West war nun wieder ganz sachlich geworden.
"Nein," antwortete West, "ich bin etwas höher als gewöhnlich eingestuft, da es die Admiralität für nötig gehalten hat, dass ich gewisse geheime Akten bezüglich den FarGate-Stationen einsehen darf."
"Na das, dürft sich ja kaum negativ auswirken..."
Naumann konnte sich schon denken, wem er diese erhöhte Sicherheitsstufe zu verdanken hatte.

"Computer, identifiziere Naumann, Leutnant Colonel, Dienstnr. 605-3178-C" Als das Emblem des Dark Corps schemenhaft zu erkennen war, fuhr Naumann fort. "Opferliste der Explosion auf FarGate 18 auflisten..." Naumann war auf Wests Reaktion gespannt.
Auf Naumanns Kommando hin wurde der Holoscreen regelrecht von Namen überflutet. Am rechten Bildrand war zu erkennen, dass nicht alle Namen auf eine Seite gepasst hatten und noch weitere abrufbar waren. Naumann berührte eine Knopf auf der Kontrollfläche und der Computer schaltete die einzelnen Seiten langsam durch, bis schließlich die erste wieder erschien.

West, dessen Gesichtsausdruck sich bereits beim ersten Anblick der Liste verkrampft hatte, konnte seine Augen nicht davon abhalten, auf der Liste umherzuwandern. Hin und wieder erkannte er Namen, die er kannte oder zumindest zu kennen glaubte. Seine Atemfrequenz erhöhte sich.
"Das... das hab ich nicht gemacht! Ich bin nicht verantwortlich, ich hab den Computer nicht manipuliert!"
Unkontrolliert schossen die Worte aus ihm heraus. Seine eigene Stimme klang für ihn fremdartig, aber momentan war ihm das egal. Er hatte sich nie mit den Folgen seiner Mittäterschaft konfrontiert und nun erschlugen sie ihn praktisch.

'Ahhh', dachte Naumann, der äußerlich ganz ruhig blieb und mit dem Rücken an der Wand lehnte. 'Eine Computermanipulation ?' Auf ein leichtes Kopfnicken Naumanns hin, stand Gacetti auf und begann einige Kommandos in den Terminal einzugeben. Ohne das es für irgendwen ersichtlich gewesen wäre, sandte sie Luscet eine Nachricht und sicherte den Raum ab.
Naumann nahm währenddessen gegenüber West Platz und blickt ihn an. "Commander, an Bord von FarGate 17 befinden sich zur Zeit 15791 Personen. Männer, Frauen und Kinder... und wir sind hier um ein derartiges Desaster wie bei No. 18 zu verhindern... wenn sie eine Aussage machen möchten, wäre jetzt die passende Gelegenheit."

Wests Blick wandelte von Naumann zu Gacetti und wieder zu Naumann zurück, bis er sich senkte. Mit Daumen und Zeigefinger rieb sich West die Augen. Endlich begann er wieder mit niedergeschlagenem Ton zu reden.
"Es ist Lt. Lara Austin. Sie bekam von Admiral Acin den Auftrag, dem Computer von FG 17 wie zuvor dem von FG 18 ein Programm einzupflanzen, das mit einer gewissen Zeitverzögerung die Selbstzerstörung aktiviert."
Der Kopf des Commanders hob sich wieder und seine Augen blickten nun direkt in die Naumanns. Verzweiflung spiegelte sich im Gesicht Wests wieder.
"Ich schwöre bei Gott, dass ich nichts von diesem Plan wusste. Ich sollte nur Informationen beschaffen und uns die Sicherheit vom Hals halten. Dafür sollte ich bald das Kommando über die Pride Bird erhalten. Als ich die Nachricht von der Explosion erhielt, redete ich mir ein, dass ich nicht schuld war, dass unser Besuch bei der Station zuvor ohnehin zeitlich zu weit von der Katastrophe entfernt lag. Als sie nun an Bord zu ermitteln begannen, stellte ich Lara zur Rede und sie erzählte mir alles. Sie scheint vollkommen wahnsinnig geworden zu sein. Stolz ist sie auf ihre Morde. STOLZ!"

Der Commander schien sich mit dem letzten Wort den Frust von der Seele gebrüllt zu haben. Er sank in sich zusammen und machte keine Anstalten fortzufahren.





Kapitel 5

Luscet räusperte sich. "Sie könnten damit anfangen, mir die Daten zu geben, die Sie bereits haben, mein Team und ich aber noch nicht. Nachdem die erste Sendung abgefangen wurde, hat vermutlich niemand einen Sinn darin gesehen, es erneut auf diesem Wege zu versuchen... Schon allein, um die Leute auf diesem Schiff über den Stand der Ermittlungen in Unkenntnis zu lassen. Naumann und Gacetti sind Experten, wenn es hier einen Verräter gibt, werden Sie ihn ausfindig machen und geistig weichklopfen...
Wobei die Reihenfolge auch unterschiedlich sein kann. Wobei sich für mich die Frage stellt..." Er blickte erneut zur Tür, wie um sich zu vergewissern, daß sie noch verschlossen war. Ein sinnloser Reflex, wie ihm im selben Augenblick bewußt wurde. "Was meint die nona", fuhr er fort, bevor sein Zögern allzu auffällig wurde, "wie viele Leute sind in die Sache verstrickt? Ich meine die hohen Tiere, keine niederen Chargen, es sei denn, es sind auch Angehörige des Dark Corps darunter."

Bricassart hatte den Colonel die ganze Zeit über angeblickt. Nun stand er auf, ging ein paar Schritte von Luscet weg, drehte sich und ging dann wieder auf ihn zu. Genügend Zeit für ihn, um zu entscheiden, was er Zack alles anvertrauen würde.
Sich auf die Tischplatte setzend begann er mit gedämpfter Stimme:
"Zu viele sind in die Sache verstrickt. Bei der nona war man lange Zeit davon ausgegangen, dass man dieses Problem durch das 'Akzeptieren' dieser Leute lösen könnte. Man vergaß dabei jedoch, dass Akzeptanz in solchen Situationen sehr leicht in Ignoranz umschlagen kann." Bricassart schluckte einmal und fuhr fort.
"Wenn Sie in dieser Mission Erfolg haben - woran ich nicht zweifle -, dann werden Sie damit bedeutende Leute der Verschwörung ins Wanken und vielleicht sogar vor den Richter bringen. Das Problem ist jedoch, dass aus Reden haltenden politischen Gegnern der Iuh'na sehr schnell Verschwörer werden können.
Wissen Sie, Mr. Luscet, die Gefahr bei Verschwörungen ist das Puzzle-Prinzip. Es muss gar nicht so viele Leute geben, die gewaltbereit sind. Ins Gewicht fallen die, die nur ihren kleinen, scheinbar unbedeutenden Teil beitragen. West dürfte in diese letzte Kategorie fallen, sicher bin ich mir jedoch da nicht."

Der Duratak klopfte mit seiner rechten Hand auf die Tisch, womit diese Thematik offenbar für ihn beendet war. Mit sachlichem Ton fuhr er unvermittelt fort:
"Nun aber zu ihren Daten: Es war die Selbstzerstörungssequenz. Da man bei FarGate-Stationen nicht einfach wie bei manchen Schiffen den Reaktor überladen kann, läuft sie hier mit einer Mischung aus Plasmaentladungen und Sprengstoff ab. Da sich der Computer noch im Edit-Modus befand, konnte die Sprengung überhaupt ohne Zustimmung des Kommandanten durchgeführt werden. Trotzdem war dafür die Autorisation eines Admirals und einige Hacker-Arbeit nötig.
Die Sprengung verlief jedoch nicht vollständig. Ein Teil der Station war zum Zeitpunkt, als der Computer den Befehl erhielt, nicht an das Zentrale Computersystem angeschlossen gewesen. Auch die Sprengladungen waren teils noch nicht angeschlossen, teils noch gar nicht installiert. Aus diesem Grund überstand auch ein Teil der Station die Explosion. Ob das Absicht war oder ob man bei der Planung einfach geschlampt hat, wissen wir nicht."

Luscet und Bricassart unterhielten sich noch eine Weile über gewisse Einzelheiten, bis Luscets WatchCom durch ein Piepsen eine Mitteilung signalisierte. Nicht lange weilte sein Blick auf der Anzeige, dann schnellte sein Kopf geradezu auf und er sagte in routiniertem Tonfall: "Der Commander packt aus. Konferenzraum Deck 4"

Ein Blick hatte genügt, jedes weitere Wort war überflüssig. Der Colonel und der Duratak verließen schnell aber keinesfalls überhastet den Raum durch die zum Gang führende Tür.
Im Aufzug öffnete der Duratak seinen Mund erst wieder.
"Computer, Deck 4."
Der Aufzug setzte sich in Bewegung.
"Computer, nona-Overwrite! Iuh'na ques in s'fha. Alle Shuttle-Starts sind bis auf meinen Widerruf untersagt. - Ausführen!"
"Bestätigt," meldete der Computer.

Luscet nahm die Override-Befugnis des Duratak ohne Kommentar zur Kenntnis. Er hatte bereits geahnt, daß die nona über Codes verfügte, die in der Hardware der militärischen Schiffe verankert waren, auch wenn er es jetzt die Bestätigung bekam. Er zog seine Waffe aus der Pistolentasche, die er bereits beim Verlassen des Konferenzraums geöffnet hatte, entnahm die Waffe, löste das Magazin, prüfte es kurz und schob es wieder in den Griff der Waffe. "Wußten Sie, daß ich über das statistische Höchstalter eines Dark hinaus bin?", fragte er, als er den irgendwie vorwurfsvollen Blick von Bricassart bemerkte. Langsam schob er die Waffe zurück, gerade noch rechtzeitig, bevor sich die Tür des Lifts öffnete und sie auf den Gang traten. "Der Grund dafür ist Vorsicht."

Der Konferenzraum von Deck 4 lag nur wenige Türen vom Lift entfernt und Bricassart öffnete sie ohne Zögern. Zack hätte gern etwas mehr Vorsicht walten lassen, aber der Duratak schien sich auf seine Sinne zu verlassen.
Zack aus aus dem Augenwinkel, wie eine zweite Liftkabine das Deck erreichte, aber er beschloß, sich auf den Duratak zu verlassen, der dies nicht zur Kenntnis zu nehmen schien. Das ungute Gefühl im Hinterkopf blieb.
"... wahnsinnig geworden zu sein. Stolz ist sie auf ihre Morde. STOLZ!", stieß jemand in dem Raum hervor und das Erste, was Luscet erblickte, war ein Commander West am Rande des Zusammenbruchs. Naumann und Gacetti saßen auf ihren Plätzen und blickten mit einer irritierenden Mischung aus Triumph und Betroffenheit auf den Commander.
Er hatte keine Gelegenheit, sich über die Verhörmethoden der Beiden Gedanken zu machen. Hinter ihm klapperten kurz die Sohlen von Flottenstiefeln und er fuhr herum, während seine Hand reflexartig zur Waffe glitt. Noch in der Bewegung bemerkte er, wie Naumann und Gacetti alarmiert aufsprangen.
Schließlich hatte er die Drehung beendet und
sah fünf Personen im Gang stehen. Vier davon, drei Ensigns und ein Lieutenant, alle von der Sicherheit, trugen Gewehre. Die waren auf ihn und den Duratak gerichtet. Die fünfte Person war eine Frau, die ihrer Uniform nach zur Technik gehörte und den Rang eines Lieutenants besaß. Sie trug eine Pistole, die auf Zack gerichtet war.

Selbstsicher und herablassend begann die Frau zu sprechen:
"Wenn Sie schießen, Colonel Luscet, können Sie maximal einen von uns töten. Sie sterben dann jedoch alle."
Ihr Blick wanderte zu Gacetti und Naumann.
"Das gleiche gilt für Sie beide!"
Einem der Ensigns befahl Sie mit ihrer Waffe auf Luscet deutend: "Seine Waffe!"
Der Ensign ging mit hastigen Schritten auf Zack zu und nahm ihm in einer nicht minder hastigen Bewegung seine Pistole ab. Das Gewehr des zweiten Ensigns war dabei stets auf Zack gerichtet. Kaum hatte er die Waffen des Colonels, eilte er wieder hinter die Frau zurück.
"Ist der da auch bewaffnet?" Die Frage ging an Luscet, obwohl offensichtlich Bricassart gemeint war, den die Frau jedoch keines Blickes würdigte.
"Auf einem Schiff meines Staates hielt ich es nicht für nötig, Waffen anzulegen." Die Stimme des Duratak war monoton, sein Gesicht ausdruckslos. Lustlos hob er seinen Umhang zu beiden Seiten von sich weg um zu zeigen, dass er die Wahrheit sagte.

Mehr als zwei Sekunden weilte der Verachtung ausdrückende Blick der Technikerin nicht auf Luc.
"Reingehen!"
Sie winkte mit ihrer Pistole in die Richtung der offenstehenden Tür.
Luscet gehorchte zögernd und erst nach einem Blickwechsel mit dem Duratak, in dessen Gesicht er gar nichts lesen konnte.

Luc und Zack wurden zu Naumann und Gacetti gestoßen, die nun beide rechts neben dem Tisch in der Mitte standen, den Holoscreen mit der Personalakte Roncallis hinter sich.
"Nimm Ihnen die Waffen ab, Tom!"
Commander West, der während der ganzen Zeit wie versteinert auf seinem Platz gesessen war, schien sich erst gar nicht angesprochen zu fühlen. Von Unbehagen gezeichnet stand er jedoch auf, nahm Gacetti und Naumann ihre Pistolen ab und überreichte sie den Sicherheitsoffizieren, die diese in ihre Halfter steckten.
"Also, hast du uns verraten?" Der Ton der Frau war herrschsüchtiger denn je zuvor.
"S-so viele Menschenleben, Lara," stammelte der Commander, brach jedoch gleich nach dem Namen ab.

"Stell dich zu ihnen!" West gehorchte und schlich zu den anderen vier hinüber auf die andere Seite des Tischs.
"Also, was soll ich jetzt mit euch machen?", fragte Lara Austin zynisch die auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches stehende Gruppe.
Zack ergriff als Erster das Wort.

"Sie könnten uns die Waffen zurückgeben, sich ergeben und vielleicht lebend aus der Sache herauskommen", knurrte Zack. "Glauben Sie mir, selbst die mieseste Strafkolonie ist angenehmer als alles, was Ihnen zustoßen kann, wenn Sie weitermachen."
"Ganz das Frontschwein", meinte Austin und pflegelte sich in einen der Sessel. "Und wie wollen Sie mir gefährlich werden? Ich habe genug Leute auf dem Schiff auf meiner Seite."
Zack antworte nicht und blickte zu Naumann und Gacetti. Die Beiden waren die Ruhe selbst und vermutlich spielten sie wie er selbst gerade alle Möglichkeiten durch. Agenten des Dark Corps hatten normalerweise bereits mehrere direkte Kampfeinsätze hinter sich, bevor sie das Vergnügen hatten, an der schwarzen Uniform auch nur zu schnuppern. Er sah genug Möglichkeiten, daß drei Darks die Besatzung der Pride Bird binnen Sekunden um vier Leute zu reduzieren konnten und er bezweifelte, daß die Lieutenants und Ensigns für den waffenlosen Kampf ausgebildet waren. Dummerweise sah jede erdenkliche Szenario mindestens ein Opfer vor... Inakzeptabel, wenn man bedachte, daß darunter auch ein nona fallen konnte. Ihm fiel beim besten Willen keine Erklärung ein, die er dem Präsidenten beim Tod des Duratak hätte präsentieren können.
Er kannte Naumann und wußte, daß dieser ihre Widersacher nicht nur verächtlich, sondern vor allem aufmerksam musterte. Naumann war der Typ von Soldat, mit dem sich auch Zack nicht auf einen ernstgemeinten Nahkampf einlassen würde. Eine Ablenkung würde im Zweifelsfall genügen, aber erst einmal hieß es abwarten und Zeit schinden...
"Wer von der Führungscrew außer Commander West steckt noch in der Sache drin?", beantwortete er Austins Frage etwas verspätet mit einer Gegenfrage. "Captain Roncalli?"

Naumann hätte sich selbst ohrfeigen können... wie nachlässig von ihm...
Doch jetzt war keine Zeit für Selbstmitleid. In Gedanken ging er bereits alle Möglichkeiten durch...
Zuerst die Personen:
Da war zunächst der Duratak, um den sich Naumann keine Sorgen zu machen brauchte...  er war sich sicher, dass er bestimmt heil aus dieser Sache hier rauskommen würde.
Der Colonel und Gacetti würden sich schon um sich selbst kümmern - Naumann kannte ihre Fähigkeiten... West würde nicht aktiv eingreifen - was auch immer passieren würde...
Doch den Lt. konnte er noch nicht einschätzen... nur auf Grund ihrer Taten wusste er, dass sie nicht zögern würde sie alle zu beseitigen, wenn das ihren Plänen dienlich sein würde.
Dann begann Naumann die verschiedenen Taktiken eine nach der anderem durchzugehen... Bei einem frontalem Angriff hatte sie keine große Chance ohne Verluste durchzukommen.

".... Captain Roncalli...", hörte er plötzlich den Colonel sagen. 'Ahhh', dachte Naumann, denn auch er wusste nach der Aussage Wests, dass dieser wohl zum Captain befördert werden würde, dass auch Roncalli zum Kreis der Verdächtigen zu zählen wäre.
'Ich habe doch da noch jemanden vergessen', schoss es Naumann plötzlich durch den Kopf.
Er hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt, Gacetti stand hinter ihm vor der Computerkonsole, auf der im Standbild immer noch die Personalakte Roncallis dargestellt wurde. Ohne auch nur einen Muskel zu viel zu bewegen, formte er mit seinen Fingern den Buchstaben 'P'.
Er hoffte Gacetti würde es sehen, doch er konnte sich sicher auf sie verlassen. Nach einer Weile formte er ein 'S' und deutete hinter Gacetti. Sie würde bestimmt verstehen, was Naumann ihr sagen wollte.
Naumann wusste sie brauchten ein Ablenkungsmanöver, doch jetzt war der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen.

Im ersten Moment wäre Angela Gacetti am liebsten einfach aufgesprungen und hätte der Technikerin eine schallende Ohrfeige verpasst - ungeachtet der Tatsache dass dies wohl die letzte Ohrfeige ihres Lebens gewesen wäre - doch es gelang ihr sich zu beherrschen. Der Zeitpunkt würde kommen, das wusste sie. Äußerlich vollkommen ruhig doch innerlich bis zum zerreißen gespannt starrte sie auf Naumanns Rücken und bemerkte wie dieser seine Finger zu einem "S" und wenig später einem "P" formte. 'Dafür geb' ich dir nachher mal nen Drink aus!' meinte sie als sie verstand. Natürlich! Es gab da ja eigentlich noch jemanden auf diesem Schiff der eigentlich immer noch zur Mannschaft gehörte, auch wenn er etwas still geworden war. Aber wie immer, früher oder später würde er hier auftauchen. Eines war Angela klar: was sie jetzt brauchten war Zeit! Und davon so viel wie irgendwie möglich.
Zack Luscet begann unterdessen den versuch die Technikerin in ein Gespräch zu verwickeln 'Bitte bitte bitte steig drauf ein!' bat Angela im stillen und starrte ohne eine einzige Gefühlsregung zu zeigen weiter auf Naumann's Rücken.

Während der Colonel mit dem Leutnant sprach, deutete Naumann weiterhin auf die Konsole hinter Gacettis Rücken...
Jetzt war der richtige Moment gekommen und Naumann bewegte sich langsam Richtung Tisch, um Gacetti etwas Deckung zu geben...

"Roncalli ist ein fähiger Captain und ein würdevoller Mann. Er würde niemals die Iuh'na-Plage untätig über sich ergehen lassen." Zum ersten Mal seit der Begegnung mit Austin war eine Gefühlsregung im Gesicht des Duratak zu erkennen. Es war ein leichtes, beinahe nicht vorhandenes Lächeln.
Luscet fiel dies sofort auf und er wunderte sich über den Zeitpunkt. Austin hingegen vermied es weiterhin ins Gesicht des Duratak zu blicken.
"Und die Pride Bird wird nicht das einzige Schiff bleiben, auf dem das so ist. Schon bald werden wir eine ganze Flotte auf unserer Seite haben und dann werden wir nicht mehr darauf warten müssen, dass die politische Führung von den Iuh'na gesäubert wird."
Austin zelebrierte diese Worte geradezu.
"Nur Sie, Colonel, und ihre Leute sind noch im Weg. Aber ich bin sicher, dass das Schicksal mit einem äußerst tragischen Unfall auch dieses kleine Problem für uns lösen wird."

Zum ersten Mal blickte sie dem Duratak direkt in die Augen.
"Das gleiche Schicksal, das Sie immer so verehren, Iuh'na!"
Das Lächeln von Bricassart wurde nun noch ein wenig breiter.
"Ist ja schon witzig, was Sie hier abziehen, Lara!"
Der Tonfall des Duratak war locker, beinahe amüsiert. Es klang, als wollte er ein kleines Kind korrigieren, das gerade behauptet hatte, zehn Meter weit springen zu können. Luscet, der von den Anwesenden die längste Zeit mit ihm zusammengewesen war, konnte dennoch eine gewisse Anspannung in seiner Haltung bemerken.
"Als ich diesen Auftrag erhielt, rechnete ich mit ernstzunehmenden Gegnern. Wenn ihre Selbstherrlichkeit jedoch nicht nur gespielt ist, bin ich wohl unter einer falschen Annahme abgereist."
Austins Gesichtsausdruck wurde noch hasserfüllter. Auch das Lächeln des Duratak war einer vollkommen ernsten Miene gewichen. Luscet war nun klar, dass Luc einen Plan hatte und war sich auch sicher, dass ihm der Duratak früher oder später andeuten würde, wie dieser aussah.

"Zwei Dinge möchte ich hier einmal klarstellen:
Zum einen hat es bis jetzt noch kein normaler Mensch geschafft, einen Duratak zu töten."
Sein Blick schweifte kurz zu Luscet ab und kehrte dann wieder zu Austin zurück.
"Zum anderen wäre es doch ein überaus reizvoller Gedanke, wenn es das Schicksal so eingerichtet hätte, dass vor dieser Tür dort" - Luc neigte seinen Kopf zur einzigen Tür im Raum - "Verstärkung für uns stehen würde."

Austin blickte irritiert drein und wusste nicht so recht, wie sie reagieren sollte.
Wenn sich der Duratak selbst als ungefährdet darstellte und er die zweite Andeutung richtig - und zwar nicht als leere Floskel - interpretierte, schien Zack nun langsam der Augenblick gekommen, zu handeln.
"Sieh nach!" befahl Austin dem Offizier, der bisher stets mit seiner Waffe auf Luscet gezielt hatte.

Unsicher ging er auf die Tür zu, seine Waffe nie von der Gruppe abwendend. Er lehnte sich gegen die Wand und betätigte den Türöffner.
Die Tür glitt auf - nichts geschah, niemand war zu sehen. Er rutschte etwas weiter vor, ein kurzes Zischen war zu hören und er blieb wie versteinert stehen. Kraftlos sank er zu Boden und ein kleiner Pfeil wurde sichtbar, der in seiner Schulter steckte. Austin, die vermutlich den in der Uniformfarbe des Offiziers gehaltenen, kleinen Pfeil noch nicht entdeckt hatte, starrte verwirrt zur offenen Tür, durch die immer noch niemand zu sehen war.

Luscet wusste, nun war der Augenblick des Handelns gekommen, seine Leute würden nur auf ein Signal warten und um den Duratak brauchte er sich - sofern er die Anspielung richtig gedeutet hatte - keine Sorgen zu machen.
"Tun Sie das nicht, Naumann", murmelte Luscet, viel zu leise, als daß dieser es hören konnte. Aber der Luscet am nächsten stehende Lieutenant hörte es und reagierte wie beabsichtigt: Er trat einen Schritt vor und hob seine Waffe gegen Naumann. Das genügte Zack.
Mit der Rechten griff er nach der Waffe und drückte sie, eng an seinen Unterarm gepreßt, beiseite. Gleichzeitig schoß seine halb zur Faust geballte Linke nach oben und traf den Lieutenant an der Kehle. Mit einem glucksenden Keuchen brach der Mann zusammen und ließ seine Waffe los.
Luscet fanden den Abzug des erbeuteten Gewehrs, während er herumfuhr. Die ganze Aktion hatte nur Bruchteile einer Sekunde gedauert, dennoch hatte einer der Ensigns seine Waffe in Anschlag gebracht. Luscet drückte zweimal ab und die Plasmaladungen trafen den Crewman in Brust und Schulter.
Zack ließ die Waffe sinken, froh, sie nicht weiter benutzen zu müssen, denn Naumann und Gacetti waren längst aktiv geworden.

Nur einen Sekundenbruchteil später als Luscet schritt auch Angela Gacetti zur längst überfälligen Tat und verpasste einem sehr überraschten Ensign einen Kinharken gefolgt von noch einigen gezielten Schlägen, die ihn bevor er irgendeine Chance hatte zu handeln in eine tiefe Ohnmacht schickte. Doch kaum war das "erledigt" da merkte sie, dass der Rest des Teams die Arbeit schon so gut wie erledigt hatte.

Weder Luscet noch Gacetti hatten bemerkt, dass bevor es Luscet gelang den Leutnant zu entwaffnen, dieser abgedrückt hatte. Naumann wurde in die Brust getroffen und sank zu Boden. Und eigenartiger Weise erinnerte ihn der Geruch seines eigenen verbrannten Fleisches an das Menü, das sie scheinbar vor einer Ewigkeit bestellt hatten... Er konnte gerade noch sehen, wie Bricassart Austin mit einem Fußkick entwaffnete, bevor er das Bewusstsein verlor.
Was die anderen sahen, ließ ihnen zum ersten mal wirklich bewusst werden, dass ein Duratak anwesend war.

Nachdem Austin ihre Waffe verloren hatte, ging sie auf den Duratak los. Oder besser gesagt: wollte es zumindest. Sie hatte ein Messer hervorgezogen, hielt dies nun mit der Spitze auf Luc deutend in der erhobenen linken Hand. Noch einen Schritt vom Duratak entfernt, hob dieser seine rechte Hand, ballte sie zur Faust und Austin blieb, scheinbar jedes weiteren Schrittes unfähig, stehen. Von einem Wutschrei begleitet setzte sie zum Wurf des Messers an. Blitzartig öffnete der Duratak seine Faust, als wolle er eine Fliege vertreiben. Noch im Ausklingen der Bewegung und bevor die Finger seiner geschlossenen Handfläche alle auf die vor ihm liegende Wand deuteten, wurde Austin gegen diese geschleudert. Ein Dumpfer Schlag begleitete ihren Aufprall, gefolgt von dem Herabfallen des Messers aus ihrer leblosen Hand. Kurz darauf sackte die nun bewusstlose Austin in sich zusammen.
Langsam senkte Luc seine Hand wieder. Sein Blick schweifte kurz im Raum umher, streifte die zu ihm blickenden Personen in der schwarzen Uniform, einen völlig aufgelösten Commander West, Naumann mit dem Loch in seiner Uniform, die am Boden liegenden Sicherheitsoffiziere und kehrte schließlich wieder zu der in sich zusammengefallenen Gestalt Austins zurück. Er schien alles andere als zufrieden.

"Sie können reinkommen," rief er in Richtung der Tür.
Peran und Spanks traten ein, gefolgt von Captain Roncalli, zwei Sicherheitsoffizieren, dem Schiffsarzt und einem Pfleger. Letztere gingen sofort auf Naumann zu und brachten in wenig später auf einer Bare aus dem Raum.
Abgespannt sah Bricassart zu Roncalli, der auf ihn zukam.
"Es ist vorbei, Giuseppe. Dein Schiff gehört nun wieder dir. Du kannst damit beginnen, die übrigen Mitläufer an Bord zu verhaften."
Er tippte kurz etwas in sein WatchCom ein.
"Welch großes Opfer es war, für ein halbes Jahr den Verräter zu spielen, habe ich schon in wenigen Minuten mit diesen Leuten erfahren müssen." Am Klang von Bricassarts Stimme merkte man deutlich, dass dies nicht nur eine Floskel war.
Roncalli ging zu Austin hinüber. Noch seinen Kopf zu ihr herunter gebeugt antwortete er. "Es war mir eine Ehre, Luc, etwas gegen diese Bande unternehmen zu können. Eines möchte ich nur noch wissen: Hat es etwas gebracht? Ich meine, im Großen gesehen."
"Mehr als du dir auch nur im Entferntesten vorstellen kannst." "Dann," mit schnellen Schritten ging er Richtung Tür, "freue ich mich auf die Zukunft."
"Aber weder auf morgen, noch auf die Tage darauf." murmelte Bricassart kaum hörbar in sich hinein."

***

Obwohl Naumanns Verletzung schwer war, überlebt er. Er konnte jedoch nicht der kleinen Feier im Präsidialamt beiwohnen. Es waren nicht viele geladen. Die Mitglieder des Teams natürlich, Bricassart, Roncalli und auch Chief General Stone, der allen Beteiligten seine Anerkennung aussprach. Präsident Roncalli ließ es sich nicht nehmen, die Orden an seine Leute persönlich zu verteilen.

***

Da die nona sämtliche Übertragungen von der Pride Bird abgefangen hatte, erfuhr Admiral Acin von all dem erst bei dem Zeitpunkt seiner Verhaftung: Eine Gruppe von deplaziert wirkenden Personen überraschten ihn während einer geheimen Sitzung. Stolz, da in vollem Wissen darüber, was nötig gewesen war um diese Sätze möglich zu machen, brachte einer hervor: "nona, Abteilung für Verschwörung und Intrigen im Inneren. Admiral Artemus Acin, Sie sind hiermit verhaftet. Die Anklage lautet auf Verschwörung mit Todesfolge für viele tausend Menschen. Für alle übrigen Anwesenden liegen mir ebenfalls Haftbefehle vor. Ich muss Sie alle bitten, mit uns zu kommen. Sollten Sie mir den Gefallen machen und sich zur Wehr setzten, werden wir ohne zu zögern Gewalt anwenden."

***

Irgendetwas an dem vergangenen Einsatz war anders gewesen, das spürte Angela Gacetti eindeutig. Vielleicht hatte er sogar die Macht jemanden wie sie wirklich zu verändern doch ihr blieb nicht die Zeit. Nur zwei Tage nach der Feier musste sie wieder abreisen. Ein neuer (Undercover-) Einsatz wartete auf sie und ihr blieb gerade noch genug Zeit für einen Besuch bei Naumann im Krankenhaus. Trotz ihrer professionellen Ausbildung fühlte sie sich irgendwie schuldig für seine starke Verletzung, was sie jedoch niemals zugegeben hatte.
'Ob ich die Station die wir gerettet haben eines Tages selbst sehen werde?' Dachte sie sich als sie in den Transporter stieg der sie zu ihrem nächsten Einsatzort brachte. Irgendetwas sagte ihr dass sie die Station eines Tages sehen würde. Vielleicht öfter als ihr lieb war, aber das war nur irgendetwas. Vielleicht die Atmosphäre die während der Feier geherrscht hatte. Diese Zukunftsstimmung. Es waren einige luh'na anwesend gewesen und was sie konnten wusste man nie. Auf jeden Fall hatten sie mehr gewusst und diese Stimmung hatten wohl alle Anwesenden mitbekommen. However. Für Angela Gacetti ging der "Alltag" weiter auch wenn sie diese Mission wahrscheinlich ewig in einer ganz besonderen Erinnerung behalten würde.

Naumann erwachte einige Tage später auf der Krankenstation der FarGate-Station. Seine Verletzungen waren zwar erheblich, doch würde es gewiss nicht lange dauern, bis er wieder auf dem Damm sein würde. Zumindest hoffte er das... Die anderem Mitglieder seines Teams - so erfuhr er von einem Pfleger - waren inzwischen auf der Erde zu einer Ehrung durch den Präsidenten. Und Naumann nahm nach seiner Genesung eine Woche später den regulären Flug zur Fortress zurück.



 

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