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was geschah - TestEpisode 1
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TestEpisode 1:
gestartet: 22.05.2001
abgeschlossen: 24.08.2001
Rollenverteilung:
Colonel Zacharias Luscet: Martin Hoyer
Lt. Colonel Naumann: Markus Axmann
Major Leon Peran: Daniel Erkan
Captain Angela Gacetti: Magdalena Pfaffl
Spielleiter: Andreas Sturm
Zusammenfassung des Spielgeschehens:
Kapitel 1
Colonel Luscet war gerade zur Brücke der CSS Daystorm unterwegs, als er
von dem Piepen seines WatchCom [kleiner PDA in Form einer Uhr, das
Uhrglas ist ein Touchscreen] aus seinen Überlegungen gerissen wurde.
Er drückte die auf dem Uhrglas blau aufleuchtende große Fläche mit der
Aufschrift "Voice Transmission" mit Mittel- und Zeigefinger seiner
rechten Hand zugleich und meldete sich mit "Luscet".
"Colonel," drang es aus der Uhr, "der Präsident möchte sie sehen - so
schnell wie möglich! Scheint ziemlich wichtig zu sein."
Zacharias Luscet drehte vielsagend die Augen zum
Himmel, der hier einen halben Meter über ihm anfing und
aus pastellfarbenen Kunststoffplatten bestand. Die Person
am anderen Ende der Verbindung hatte sich nicht mit
Namen vorgestellt, aber er kannte die Stimme nur zu gut.
"Was ist, Clio", fragte er und gab sich keine Mühe, den
Mißmut aus seiner Stimme zu verbannen. "Hat er wieder
eine Wanze in seiner Unterhose gefunden, oder geht's
diesmal um etwas anderes?"
"Dein vorlautes Mundwerk wird Dich irgendwann noch
mal in die Randsektoren bringen, Zack. Ich weiß nicht,
um was es geht, also wird es schon etwas ernster sein."
"Schon gut, ich bin unterwegs", meinte er, unterbrach
die Verbindung und machte auf dem Absatz kehrt.
Er brauchte präzise sechs Minuten bis zur Schleuse, die das Schiffe mit der Station verband und weitere fünf Minuten, um sich mit
der Röhrenbahn zur Shuttlerampe für Regierungspersonal bringen
zu lassen. Er ging zum Bereich A und gelangte zu den
Sicherheitskontrollen.
Zwei Sicherheitsoffiziere standen an der etwa drei Meter breiten
grauen Tür, durch welche man den vom Rest der Rampe getrennten Bereich
A erreichen konnte.
Als Zack näher kam, salutierten sie. Zack erwiderte den Gruß
und betätigte anschließend einen Knopf, der sich genau im Zentrum der
Türe befand. Es war ein kurzes Summen zu hören und ein Piepston
bestätigte schließlich den positiv abgeschlossenen Scanvorgang. Die
Tür teilte sich und vor sich sah Luscet nun eine Halle mit drei
Shuttles darin, von denen eines gerade im Begriff war abzuheben.
Die Piloten der anderen beiden unterhielten sich. Der eine war an das
näher am Eingang stehende Shuttle mit der Aufschrift "Cfed-TranS-E204"
gelehnt, der andere stand vor ihm und gestikulierte heftig während er
sprach. Keiner von beiden bemerkte den Colonel.
"Warum die Aufregung, meine Herren?", unterbrach Zack das
Gespräch des Lieutenants mit dem Ensign und winkte schnell
ab, als beide die Hand zum Gruß hochreißen wollten. "Was ist
Ihre Aufgabe?"
"Flugbereitschaft, Colonel."
"In Ordnung, dann müssen Sie ihr Gespräch später fortsetzen.
Lieutenant, Sie werden mich nach unten bringen, Ihr genaues
Ziel erhalten Sie, sobald wir den Hangar verlassen haben."
Mit einem kurzen Nicken bestätigte der Lieutenant die Anordnungen von
Zack. Der blonde, etwas blass wirkende Mann ging rasch die Rampe zur
Schleuse seines Shuttles hinauf und bat den Colonel, ihm zu folgen.
Als der Colonel die Schleuse passiert hatte, schloss sie der dort
bereits wartende Lieutenant mit einem Knopfdruck auf das links
neben der Tür angebrachte Bedienfeld.
Beide Männer standen nun im Passagierraum des Shuttles. Nach Vorne hin
war das Cockpit durch eine Wand mit einer recht schmalen Tür darin
abgetrennt. Nach hinten erstreckten sich die Sitze. Auf der rechten
Seite gab es eine Reihe aus 8 Sitzen direkt neben den Fenstern, links
zwei Gruppen, die aus einem runden Tisch und zwei vor und hinter
diesem angeordneten Bänken bestanden. Die etwas breitere Tür der
hinteren Wand führte zu den sanitären Anlagen, den Maschinen und dem
Frachtraum. Die gesamte Einrichtung war in Grau und ein wenig Rot
gehalten. Einzelne Holzelemente verliehen dem Ganzen einen luxuriös
anmutenden Charakter.
Der Pilot begab sich nun ins Cockpit, ließ die Tür dorthin offenstehen
und setzte sich. Er berührte einige der vor ihm liegenden Kontrollen
und ein leises Surren der Triebwerke war zu hören.
Er drückte einen weiteren Knopf und sprach in leierndem Ton:
"Flugleitzentrale, Cfed-TranS-E204, Hangar G-A, ein Passagier
Priorität 1 - bitte um Starterlaubnis!"
"E204, Ihr Startvektor wurde in Ihren Computer eingegeben. Guten Flug,
Tom!", meldete sich die Zentrale.
Vor dem großen Hangartor aktivierte sich nun ein bläulich schimmerndes
Kraftfeld. Das schwere Tor glitt langsam nach oben und unten
auseinander und gab die Sicht auf den Weltraum frei. Der Lieutenant
ergriff den Steuerknüppel vor ihm, das Shuttle hob ab und glitt
langsam aus dem Hangar heraus. Als sich die Tore hinter dem Shuttle
wieder schlossen, drehte der Pilot ein wenig seinen Kopf nach hinten
und fragte: "Wohin darf ich Sie nun bringen, Colonel?"
"Nehmen Sie Kurs auf Westeuropa, Lieutenant, unser Ziel ist London.
Gehen Sie auf Code DC-013-204-532/a4 und folgen Sie dem Peilstrahl,
den man Ihnen geben wird."
"Verstanden, Colonel", antwortete der Lieutenant und gab die nicht
eben kurze Zeichenfolge ein, ohne noch einmal nachzufragen.
Hat ein gutes Gedächtnis, der Mann, dachte Zack, stand auf und trat
hinter den Piloten. "Ich werde Sie nicht auffordern den Code wieder
zu vergessen, er wird ohnehin nach einmaligem Gebrauch ungültig
werden."
Der Pilot blickte über die Schulter hoch. "Colonel?"
"Was ich möchte ist, daß Sie vergessen, ihn überhaupt erhalten
zu haben."
Der Pilot blickte wieder nach vorne und nickte stumm. Er hatte an
Bord bereits gerüchteweise über die Tätigkeiten des Colonel gehört
und ihm stand nicht der Sinn danach, mehr als nötig damit zu tun
zu haben.
Der Flug dauerte nicht lange und es kam zu keiner Anfrage durch
die offizielle Flugleitzentrale.
Durch die Fenster des Cockpits konnte man den endlos scheinenden
Komplex des Präsidialamtes sehen, neben dem sich die eigentliche
Stadt seltsam klein ausnahm. Die Perspektive verschob sich weiter
und ohne Aufforderung setzte sich Zack wieder auf seinen Platz, als
das Shuttle zur Landung ansetzte. Es dauerte nicht lange, bis die
Maschine sanft auf der Landeplattform aufsetzte.
Zack erhob sich und trat zum Ausstieg. "Bleiben Sie am Steuer,
Lieutenant. Verlassen sie auf keinen Fall das Shuttle. Sie werden
in wenigen Minuten die Freigabe zum Rückflug erhalten. Bewahren
Sie Stillschweigen über den Flug, Sie haben mich auf dem Raum-
landeplatz London abgesetzt, klar?"
"Glasklar, Colonel."
"Sehr schön. Guten Rückflug, Lieutenant."
Ohne eine Antwort abzuwarten, betätigte Zack den Öffnungs-
mechanismus und verließ das Shuttle. Draußen wurde er bereits
von einem formell gekleideten Mann erwartet, der in diesem
Moment den Finger von seinem Ohrstöpsel nahm.
"Einen schönen Tag", meinte er. "Sie werden bereits erwartet."
"Tag", erwiderte Zack salopp. Ihm gefiel die steife Einstellung, die manchen Leuten im Dark Corps
eigen war ebensowenig wie die Geheimniskrämerei, aber er gehörte
zum Verein und mußte damit leben. Mögen mußte er es zum Glück
nicht.
Zack warf noch einen raschen Blick über die Stadt, auf die er
von dem Landeteller auf dem Dach einen grandiosen Blick hatte.
Wie lange bin ich schon nicht mehr außerdienstlich in London
gewesen?, dachte er und trat in den Lift, der sich gleich darauf
nach unten in Bewegung setzte.
Nur vier Stockwerke war der Lift nach unten gefahren, als sich eine
zweite, kaum erkennbare Tür öffnete, welche der ersten gegenüber lag.
Da Zack nicht zum ersten Mal auf dem Weg zum Präsidenten war, kannte
er dieses kleine Spielchen bereits und drehte sich, wie auch sein
Kollege, noch vor dem Öffnen der Tür um.
Vor Zack erstreckte sich nun ein langer und breiter Korridor. Die
beiden verließen den Lift und als sie einige Schritte gegangen waren,
schloss sich nicht nur die Lifttür, sondern auch die Wandstücke davor
glitten zusammen, so dass bald nichts mehr auf einen Lift an diesem
Gangende schließen ließ. "Ja, diese Woche haben sie endlich die neuen
Sicherheitsvorkehrungen installiert.", meinte der Dark zu Zack, als er
den fragenden Blick von diesem bemerkte.
Sie schritten den lichtdurchfluteten Korridor mit den großen, mehrfach
gepanzerten Fensterscheiben entlang, passierten mehrere teils
offenstehende, teils geschlossene Bürotüren und gelangten schließlich
zu einer Einbuchtung. Sie war gute 10 Meter breit, rundlich geformt
und führte zu der großen Doppeltür, hinter der das Hauptbüro des
Präsidenten lag.
Der Dark, der sich bis zu diesem Zeitpunkt immer noch
nicht vorgestellt hatte, nickte Zack noch einmal zu und ging dann den
Korridor alleine weiter. Zack, der das Prozedere bereits kannte, trat
vor die hoch aufragende Tür.
Zu beiden Seiten der Tür standen bis zur Decke reichende Statuen. Die
linke stellte Thomas Doyle, einen der Gründer und der erste
Vorsitzende der nona dar. Die rechte eine Frau, die zu
identifizieren Zack bis jetzt noch nicht geglückt war. Die
Doyle-Statue blickte nach oben und auch die rechte Hand war mit der
Handfläche nach oben zur Decke gerichtet, als wolle er nach etwas
greifen. Die Frau blickte dagegen nach unten, in etwa auf die Stelle,
an der Zack nun stand und streckte dem Colonel die linke Hand hin, als
wolle sie seine ergreifen.
Nach etwa einer Minuten des Wartens öffnete sich die Tür. Das äußerst
geräumige Büro des Präsidenten wurde sichtbar. Der große Raum verlief
gerade auf eine runde Fensterfront zu. Vor dieser Fensterfront stand
der Schreibtisch des Präsidenten, der beinahe von einer Seite des
Zimmers zur anderen reichte. Vor dem Schreibtisch standen zwei Stühle
für Besucher. Hinter dem Schreibtisch, etwa im Zentrum, saß
Präsident Criani, das Licht im Rücken. Unter diesen Lichtverhältnissen
und angesichts der recht großen Entfernung, die zwischen ihm und dem
Präsidenten lag, konnte Zack den alten, grauhaarigen, etwas
untersetzten Mann kaum erkennen, der da in seinem schweren Sessel saß
und über seinen Schreibtisch gebeugt scheinbar keine Notiz vom
Eintreten des Colonels genommen hatte.
Zack stand eine Weile stumm im Raum und wartete auf eine
Reaktion. Da diese ausblieb, räusperte er sich vernehmlich.
"Sie haben einen Auftrag für mich, Präsident?"
Der Angesprochene blickte auf und schob betont langsam die
Unterlagen zur Seite, auf die er sich bis zu diesem Augenblick
konzentriert hatte.
"Ah, Colonel Luscet", meinter er gedehnt, stand langsam auf
und stützte sich auf die Platte des Schreibtisches. "Ich denke,
ich kenne Sie bereits soweit um sagen zu können, daß lange
Gespräche nicht Ihre Zustimmung finden, daher will ich ohne
Umschweife zur Sache kommen. Daraus, daß ich Sie persönlich
beauftrage können Sie ersehen, daß es etwas Wichtiges ist."
Er betätigte einen Sensorpunkt des in die Tischplatte einge-
lassenen Terminals und sprach in ein irgendwo eingebautes
Mikrofon. "Bitte schicken Sie doch auch die anderen herein."
Er unterbrach die Verbindung wieder und ging gemessenen
Schrittes um den Schreibtisch herum. Kurz vor Zack blieb er
stehen.
"Sehen Sie, Colonel, es geht um Folgendes...", begann Criani.
"Die FarGate-Stationen 1 bis 4 haben bereits ihren regulären Betrieb
aufgenommen - das wissen Sie, wie alle anderen. Auch wissen Sie, dass
bis zur Nummer 12 die Stationen kurz vor der Fertigstellung stehen.
Was Sie nicht wissen und über was nur die wenigsten Leute informiert
wurden, ist, dass der Bau einer Station - FarGate 17 - außerplanmäßig
vorgeschoben wurde und diese nun ebenfalls kurz vor der Fertigstellung
steht."
Als Zack, der es gewohnt war, in geheime Angelegenheiten eingeweiht zu
werden, keine nennenswerte Reaktion zeigte, fuhr der Präsident fort.
"FarGate 17 ist jedoch nicht unsere einzige "Frühgeburt". Auf FG 18,
welche ebenfalls vorgezogen worden war und deren Bau noch vor FG 17
abgeschlossen sein sollte, gab es gestern eine Explosion. Dadurch
wurde die Fertigstellung um Monate verzögert, fast der gesamte
Kernbereich wurde zerstört. Sabotage im großen Stil - kein Zweifel.
Uns liegen Hinweise darauf vor, dass sich dieser Vorfall auf FG 17
wiederholen könnte."
Criani ging ein paar Schritte an seinem Schreibtisch entlang, die
Finger seiner rechten Hand über die glatte Tischplatte streifen
lassend, und drehte sich dann wieder zu Zack um.
"Ihre Aufgabe und die ihrer Männer wird es nun sein, die Station, die
Bauarbeiten und das Kommandopersonal von FG 17 so diskret wie nur
möglich unter die Lupe zu nehmen. Spüren Sie Verräter auf, die sich
auf FG 17 befinden und verhindern Sie einen weiteren Sabotageakt! An
ihrem Geschick wird es liegen, ob sich das Baupersonal kooperativ
verhält, oder Sie als unwillkommene Ermittler abblitzen lässt, wo es
nur geht. Man wird in jedem Fall wenig erfreut über ihre Ankunft sein.
Sie werden in drei Stunden auf dem Zerstörer CSS Pride Bird erwartet.
Er wird Sie im Zuge einer Versorgungslieferung zu FG 17 bringen und
anschließend auf Patrouille im angrenzen Sektor gehen. Sollten Sie
Unterstützung brauchen oder abreisen wollen, hat der Captain der Pride
Bird die Anweisung, ihnen behilflich zu sein. Zeit ist ein wichtiger
Faktor in dieser Mission. Sie müssen nicht nur schneller als die
Saboteure, sondern auch als die Presse sein. Ich weiß nicht, wie lange
wir die Informationen über den Zwischenfall auf FG 18 und über die
Existenz der beiden Stationen noch geheim halten können.
Die rechtzeitige Fertigstellung dieser Station ist von enormer
Bedeutung für die gesamte Konföderation, Colonel! Sie haben gar keine
Ahnung davon, was von ihrem Erfolg alles abhängt."
"Haben Sie noch Fragen, Colonel Luscet?", schloss Criani seinen
Vortrag endlich ab.
Bevor Zack jedoch auch nur ein Wort gesagt hatte, erklang ein aus
drei kurz aufeinanderfolgenden Tönen bestehendes Signal. Der Präsident
zog die Augenbrauen hoch. "Öffnen!", befahl er kurz.
Mit einem Surren öffnete sich die Wand an einer Stelle der linken
Seite des Raumes. Zack kannte auch die Vorliebe des Präsidenten dafür,
Türen so in Wände zu integrieren, dass sie erst beim Öffnen sichtbar
wurden. Er selbst hatte das allein im Büro des Präsidenten schon
zweimal gesehen, ihm war allerdings gesagt worden, dass es noch
mindestens zwei weitere verborgene Türen gab. Das konnte ihm, der nur
äußerst selten im Präsidialamt zu tun hatte, jedoch egal sein.
Aus der Öffnung in der Wand traten nun vier weitere Dark. Drei von
ihnen kannte Zack bereits: Mit Major Peran und Lt. Col. Naumann hatte
er bereits zusammengearbeitet - fähige Leute, wenn auch hin und wieder
ein wenig umständlich. Captain Gacetti hatte früher schon mehrmals
unter ihm gedient, war jedoch nun schon längere Zeit nie bei einem der
Teams dabeigewesen, die er anführte. Den vierten, seinen Rangabzeichen
nach ebenfalls ein Captain, kannte er nur vom Sehen.
"Bis auf Captain Spanks dürften Sie bereits jeden kennen, Colonel. Das
wird ihr Team für die bevorstehende Mission werden. Der Chief General
persönlich hat es zusammengestellt und meinte, dass diese
Konstellation am effektivsten wäre.", nahm der Präsident das Wort
wieder auf und wartete dann die Reaktionen der Anwesenden ab.
Kapitel 2
Captain Angela Gacetti war mindestens ebenso intelligent, hinterlistig und
gefährlich wie sie harmlos aussah. Sie bevorzugte Undercover-arbeit, worüber
es unter ihren vorwiegend männlichen Kollegen eine Menge Gerüchte gab, die
Angela allerdings nicht zu kommentieren gedachte.
Nun - sie war erst vor kurzem von einer Geheimmission zurück gekehrt - hatte
man sie aus ihrem wohlverdienten Urlaub ins Präsidialamt geholt, wo sie
als erste Person - noch bevor sie den Präsidenten wirklich wahrnahm - ihren
ehemaligen Chef Zack Luscet sehen musste. Kein wirklich erfreulicher Anblick
für die junge Frau, doch solche Anblicke gehörten nun einmal zu ihrem Beruf
und so verbiss sie sich ein Kommentar und grüßte stattdessen förmlich.
Dann sah sie sich die drei anderen Anwesenden an. Sie kannte nur den einen -
Lt.Col. Naumann - wenigstens ein bekanntes Gesicht, das zu sehen sie sich
freute. Die anderen beiden waren ein vollkommen unbeschriebenes Blatt
Papier.
Angela mochte die bevorstehende Mission nicht kennen, doch die Worte des
Präsidenten reichten, um gleich in ihre Lieblingsposition zu gehen: die der
abwartenden Zuhörerin. Sie wusste, was gesagt werden musste würde gesagt
werden, wozu also Fragen stellen? Ihre Begleiter würden ihr diese Aufgabe
gewiss abnehmen.
Mit den Worten "Lt. Colonel Naumann, Dark Corps, meldet sich zu Stelle,
Mr. Präsident."
salutierte der zu erst eingetretene, hochgewachsene Mann und stand
stramm.
Obwohl schon seit langer Zeit Mitglied beim Dark Corps war er eine
derartige
Eile und Geheimhaltung nicht gewohnt. Überraschend war er nämlich von
seinen
momentanen Pflichten befreit und angewiesen worden, sich innerhalb
weniger Stunden
bereit zur Abreise zu machen. Erst unterwegs hatte er etwas über seinen
Auftrag erfahren,
nicht viel, nur dass er einem Spezialteam zugewiesen worden sei.
Und etwas überrascht - was ihm aber nicht anzumerken war - erfuhr er
erst beim Betreten des
Raumes, dass wohl Colonel Luscet die Mission leiten würde.
Von den anderen Mitglieder kannte er nur Major Peran. Sowohl mit Colonel
Luscet als auch
mit Major Peran hatte er schon zusammengearbeitet, doch die beiden
Captains waren ihm unbekannt.
Als der Präsident ihm zugenickt hatte - keine militärische Begrüssung,
aber ein Präsident konnte sich das
wohl erlauben, drehte sich Lt. Col. Nauman zu Col. Luscet mit den Worten
"Colonel Luscet, eine Freude sie wieder zu sehen... "
David Spanks salutierte dem Präsidenten und Colonel zu, und blieb mit hinter
dem Körper verschränkten Armen stehen. Er schaute sich den Colonel sowie
seine Mitarbeiter genaustens an. Dies war nicht seine erste Geheimmission
und würde auch nicht seine letzte sein. Er hatte schon lange Zeit für das
Dark Korps gearbeitet, jedoch waren seine Missionen bis jetzt alle
Undercover Missionen, sodaß keiner der Anwesenden hier ihn näher kannte.
Leon Peran schien mit seinem breiten Grinsen, welches ihm kaum zu unterdrücken
möglich war, die einzige Person in diesem Raum zu sein, die sich wirklich
freute.
Er erinnert sich noch sehr genau daran, wie zwei dunkel gekleidete Männer
mit
dem Zeichen des Dark Corps auf der Schulter ohne auch nur anzuklopfen sein
Quartier betraten. "Kommen sie sofort mit!" sagte der linke der beiden
stramm
stehenden Männer in einem befehlendem Ton zu ihm. Noch nichts ahnend und
etwas genervt ("Wenn sie BITTE gesagt hätten, wäre ich auch mitgekommen..."
dachte er sich) entschloss er sich den beiden zu folgen. Sie brachten ihn
schließlich
ins Shuttle, und dieses schließlich nach London. Erst beim Betreten des
präsidialen
Amtes wurde ihm klar, dass es sich wohl um etwas ziemlich wichtiges handeln
würde, was ihm letztendlich eben jenes grinsen ins Gesicht trieb. "Oh man,
endlich
eine Geheimmission! Wurde auch mal Zeit, dass jemand meine Fähigkeiten
erkennt!"
dachte er sich und begab sich, immer noch in Begleitung der beiden Männer,
schließlich zum Büro des Präsidenten. Nun stand er dort und begrüßte direkt
den
Präsidenten mit einem "Guten Tag, Herr Präsident" ohne großartig auf
Formalitäten
zu achten.
Erst dann bemerkte er die Anwesenheit der Anderen. Sie hatten alle
einen
ernsten Gesichtsausdruck, woraufhin ihm sein Grinsen fast peinlich wurde,
und er
vergeblich versuchte es zu unterdrücken. Unter den vier Personen waren
immerhin
zwei bekannte Gesichter: Colonel Zack Luscet und Lt. Col. Naumann. "Was
machen
die beiden denn hier?", dachte er sich, "Zack ist ja in Ordnung, der ist
schließlich
verdammt talentiert, aber was macht denn Naumann hier?". Leon kannte vor
allem Luscet
sehr gut. Er hat eine Weile mit ihm zusammengearbeitet und hätte allzu gerne
noch mehr
Zeit unter seinem Kommando verbracht. Aber Naumann konnte er noch nie so
richtig leiden.
Leon hat nur eine Mision mit ihm verbracht, und er ist froh darüber, dass es
nicht mehr
wurde. So sagte er schließlich zu Col. Luscet "Oh, hallo Colonel, schön sie
wiederzusehen",
und wendete seinen Blick von Lt. Col. Naumann ab. Als er die Worte Naummans
"Colonel Luscet, eine Freude sie wieder zu sehen... " hörte, fühlte er sich
mit dem Gedanken
"Oh man, ich hasse diesen Schleimer" in seiner Meinung Naumann gegebenüber
nun noch
mehr gestärkt.
Zack tippte sich in der denkbar lässigsten Variante eines
militärischen Grußes an eine imaginäre Hutkrempe.
"Ich freue mich ebenfalls", erwiderte er die
Grüße von Peran und Naumann und ließ dabei den Blick
unauffällig über die Leute schweifen.
Lt. Col. Naumann selbst war ein Profi, der alle an ihn
gestellten Erwartungen mit Pflichtbewußtsein erfüllen
würde. Zack hatte aber auch den Eindruck gewonnen,
daß Kreativität nicht die Stärke des Oberstleutnant
war, insofern ein Vorteil, wie ihn das davon abhielt,
Dummheiten zu machen. Ansonsten war ihm die
ruhige Art des Mannes durchaus recht und er wußte,
daß sie problemlos zusammenarbeiten würden.
Major Peran war einer von den Leuten, mit denen Zack
am allerwenigsten Probleme hatte. Der Major war ein
fähiger Offizier, und nur manchmal so durchschaubar
wie das Visier eines Raumhelms bei Gegenlicht. Sein
gelegentlich an Disziplinlosigkeit grenzender Frohsinn
war für Zack eine willkommene Erholung von der
Grundhaltung im Dark Corps an sich.
Der als Spanks vorgestellte Hauptmann machte einen
aufgeweckten Eindruck und trug seine Sterne auf der
Schulter so, als würden sie ihn noch nicht allzu lange
drücken. Zack wußte aber, daß dieser Eindruck täuschen
konnte, bei einigen Leuten des Dark Corps ging die
Berufsparanoia soweit, daß sie sogar außerhalb des
Einsatzes eine Rolle spielten.
Captain Angela Gacetti schließlich war ein Kapitel für
sich... Er hatte schon vor langer Zeit mit ihr zusammen
gearbeitet und der wußte, daß sie von der Rolle der
ruhigen Zuhörerin, die sie so gerne spielte, binnen
Sekunden zugunsten eines weitaus impulsiveren Charakters ablegen konnte. Sie war unleugbar intelligent,
aber auch bereits ein Problemfall für sich. Es gab gute
Gründe, an die er sich ungern erinnerte, warum sie ihn
nicht mochte, aber dennoch nahm er es nicht persönlich.
Er vermutete nämlich inzwischen, daß diese Antipathie
ihrerseits auch auf den Rest der Menschheit zutraf.
Auch hatte Zack für sich mit derzeit den Entschluß
gefaßt, ihr erst den Rücken zuzuwenden, wenn er sicher
war, daß man ihren Sargdeckel gut verschlossen hatte.
"Da wir nun alle versammelt sind", meinte Zack, nach-
dem seine Überlegungen soweit gediehen waren,
"möchte ich gerne wissen, es vielleicht noch ein paar
Details zu dem Anschlag gibt, der für uns von Interesse
wäre, Herr Präsident. Ansonsten würde ich vorschlagen,
daß wir mit Ihrer Erlaubnis, unverzüglich aufbrechen."
Er blickte vielsagend auf seine Uhr. "Ich habe nämlich
den Eindruck, daß die Zeit gegen uns läuft."
'Ahh', dachte Naumann, als er Major Peran erblickte.
Die beiden hatten in früheren Aufträgen schon mal zusammengearbeitet,
obwohl sich eine gewisse Antipathie nicht verleugnen lies.
Naumann wusste um die fachliche Qualifikation des Majors - die Großteils
sogar über die seine hinausging (was er aber nie öffentlich zugeben
würde) -,doch seine manchmal doch aus Sicht Naumanns sehr laxe Art
mit Befehlen umzugehen, brachte diesen schon sehr aus dem Konzept.
War der Lt. Col. ein kühler Mann, der bitter gelernt hatte, dass
Befehlen nicht zu gehorchen tödlich sein konnte, so hatte Major Peran
doch mehr von der improvisierenden Art eines Technikers als eines
Angehörigen des Dark Corps an sich - jedenfalls aus des Sicht Naumanns.
Erst beim 2. Hinsehen erkannte er in dem einen Captain seine
alte Bekannte Angela, mit der er bereits sehr erfolgreich
zusammengearbeitet hatte und von der er wusste, dass -
DA wurden die Gedanken Naumanns plötzlich unterbrochen
>... möchte ich gerne wissen, es vielleicht noch ein paar
Details zu dem Anschlag gibt, der für uns von Interesse
wäre, Herr Präsident. Ansonsten würde ich vorschlagen,
daß wir mit Ihrer Erlaubnis, unverzüglich aufbrechen."
Er blickte vielsagend auf seine Uhr. "Ich habe nämlich
den Eindruck, daß die Zeit gegen uns läuft."<
'Ein Anschlag. Was denn für ein Anschlag ?', dachte Naumann überrascht.
Das war es also...
Und obwohl der Lt. Col. innerlich überrascht und etwas erschrocken war -
ein Anschlag, der diese Folgen und Geheimhaltung auslöst, konnte gar
nichts gutes bedeuten, blieb er weiterhin ruhig stehen und blickte
geradeaus.
Als Criani das Grinsen von Leon sah, verzogen sich auch seine
Mundwinkel zu einem leichten Schmunzeln und er nickte ihm auf seine
Begrüßung hin zu. Chief General Stone, welcher der Oberbefehlshabende
des Dark Corps war, hatte seiner Meinung nach viel zu viel Steife in
diese Truppe gebracht. Der General war jedoch der Meinung, dass dies
nötig sei und er selbst verstand viel zu wenig von militärischer
Disziplin, um da mitreden zu können. Die Effizienz des Dark Corps
bestätigte jedoch den General in seiner Einstellung immer wieder aufs
Neue.
"Ja, eine Sache wäre da noch.", kam Criani schließlich auf die Frage
von Zack zurück.
"Die inneren Sensoren von 18 waren zum Zeitpunkt der Explosion bereits
großenteils online. Suchen Sie also nach etwas, was man bei einem
Standard-Scan nicht entdeckt."
Dann wandte er sich an alle.
"Meine Dame - und meine Herren: Sie sind für die Dauer der Mission
Colonel Luscet unterstellt. Er wird Sie über das unterrichten, was er
für nötig hält.
Ich habe dem Colonel bereits die nicht offensichtliche, jedoch
immense, Bedeutung dieser Mission verdeutlicht. Auch Ihnen möchte ich
noch einmal gesagt haben, dass mir persönlich sehr viel an ihrem
Erfolg liegt. Die Pride Bird wartet an der Erdsation 2 auf Sie.
Viel Erfolg!"
Nachdem die Dark abschließend erneut vor ihm salutiert hatten - diesmal
geschlossen - und er sich gezwungen hatte, diesen Gruß zumindest
andeutungsweise zu erwidern, ging die Gruppe auf die schwere Haupttür
des Büros zu. Niemand sagte mehr ein Wort. Als Zack, welcher
voranging, etwa zwei Meter von der Tür entfernt war, öffnete Sie sich
langsam. Criani warf seinen Offizieren einen ahnungsvollen Blick
hinterher, als Sie den Raum verließen. Als er wieder allein war, setzt
er sich zurück in seinen schweren Drehstuhl. Sein Blick schweifte über
die Blätter, die er beim Eintreten des Colonels zur Seite geschoben
hatte. "von größter Wichtigkeit", "entscheidend für das Fortbestehen
der Menschheit", "jetzt verstehe ich das Schicksal" waren Bruchstücke
des Textes, der schräg vor ihm lag und mit "Adrian Loth"
unterschrieben war.
Criani drehte sich auf seinem Stuhl zur großen rundlich geformten
Fensterfront hinter ihm, rutschte etwas tiefer in diesen hinein,
blickte auf das vor ihm liegende London hinaus, schnaufte tief durch
und murmelte: "Adrian, du hast Recht."
Naumann verstand die ganze Angelegenheit nicht... ein Anschlag ?
Worauf denn ? 18 ? 18 was ?
Doch Naumann war zu diszipliniert, um an den Colonel diese Fragen zu
stellen.
Es musste doch mehr dahinterstecken... und warum nur ein 5-Mann-Team ?
Naumann warte jedoch trotzdem, bis sich die Spannung im Gesicht des
Colonels
legte und er zu sprechen begann...
Zacks Gesichtsausdruck wurde etwas entspannter, als
er mit seinem Team im Lift den Weg zurück zur Landeplattform antrat.
"Ich kann mir vorstellen, daß Sie alle einige Fragen
haben. Der Präsident hat mir auch nicht viele Details
nennen können, aber selbst diese werde ich Ihnen erst
mitteilen, wenn wir auf unserem Schiff sind. Verstehen
Sie es nicht als Zeichen von Mißtrauen, sondern als
meinen persönlichen Beitrag zur inneren Politik des
Dark Corps." Er grinste. "Wir werden noch mehr zu
dieser Sache in Erfahrung bringen, als wir vom Präsidenten jemals hätten hören wollen, bis dahin sollten
wir es als Kompliment betrachten, daß wir durch ihn
persönlich beauftragt wurden."
Er blickte reihum, die professionell undeutbaren Mienen
seines Teams ließen keinen Schluß auf ihre Ansichten
zu der Sachlage zu. Er beschloß, mit offenen Karten zu
spielen.
"Einige von Ihnen haben bereits mit mir zusammen
gearbeitet und wissen, daß ich keinen Wert auf über-
flüssige Formalitäten lege. Wenn wir unter uns sind,
bin ich Zack, ansonsten Colonel Luscet. Wenn nun
jemand von Ihnen etwas zu der Sache beizutragen hat,
ist jetzt die Gelegenheit, es loszuwerden. Sobald wir
das Präsidialamt verlassen haben, herrscht Funkstille
über unsere Aufgabe, bis wir am Ziel sind. Also,
meine Dame, meine Herren, Ihre Beiträge zum
Tagesgeschehen, bitte."
'Colonel Luscet' , begann der zuletzt eingestiegene Naumann -
er hielt es nicht für angebracht den Colonel mit dessen Vornamen
anzureden und weder der Colonel noch die anderen 3 Mitglieder des
Teams waren darüber irritiert - 'ich verstehe die Geheimhaltung in
dieser Sache, doch möchte ich darauf hinweisen, daß weder der Major'
- Naumann betonte das letzte Wort; er lies keine Gelegenheit aus die
Überlegenheit Perans auf technischen Gebiet mit seiner eigenen
höheren, militärischen Position aufzuwiegen -
'noch ich eine technische Ausrüstung zusammenstellen können, wenn wir
die Umstände der Untersuchung und deren Umfang nicht kennen.'
Naumann blickte kurz zu Peran, erkannte jedoch keine eindeutige
Reaktion.
'Zudem möchte ich über die Aufgabenaufteilung innerhalb des Teams' -
Naumman konnte seinen Satz nicht beenden, denn
da wurde er bereits von Leon unterbrochen: "Warum so eilig Naumann? Ich
denke der 'Colonel' hat uns bereits mitgeteilt, das wir in dem Schiff über
alles notwendige informiert würden. Es gibt keinen Grund sich jetzt bereits
Sorgen über das zu machen, was geschehen wird. Wir erhalten gleich unser
Briefing, genießen den Flug, und alles weitere werden wir sehen, wenn wir wo
auch immer angekommen sind." Leon hatte bewusst Naumanns Rang bei der Anrede
weggelassen. Leon legte normalerweise keinen Wert auf Formalitäten. Wer der
bessere ist, zeigt sich seiner Meinung nach nicht am Rangabzeichen, sondern
daran, was man im Ernstfall leistet. Immerhin hätte Zack nicht erwähnen
müssen, dass man ihn mit Vornamen ansprechen soll: Leon hätte es sowieso
getan, aber den Bürokraten muss man sowas ja erstmal verklickern...
Dennoch
konnte er es sich nicht verkneifen, Colonel anstelle von Zack zu sagen, und
dies in einem ähnlichen Tonfall, wie auch Naumann es vorhin mit 'Major' tat.
So erhoffte sich Leon dem Naumann mal zu zeigen, dass er sich nicht
aufspielen soll wie der Boss und somit vielleicht endlich mit seinen
dämlichen Kommentaren aufhört. Im Grunde ist es doch eh nur eine Fassade.
Leon warf Zack kurz einen ausgesprochen ernsten Blick zu. So war Zack es gar
nicht von ihm gewohnt...
Auf der Landeplattform am Dach wartete bereits ein Shuttle auf die
fünf Offiziere. Vor der Rampe, die zur offenstehenden Tür des Shuttles
führte, stand ein wieder größtenteils in schwarz gekleideter Mann, der
Zack, welcher voranging, sachlich zunickte, als dieser näher kam.
"Der Pilot wurde bereits instruiert. Er wird Sie direkt zur Pride Bird
bringen. Captain Roncalli wartet mit dem Abflug nur noch wegen Ihnen."
Auf dem Flug zu dem Zerstörer waren alle recht still und wirkten etwas
angespannt, wo sie nun auf eine Mission gingen, deren Umstände sie gar
nicht kannten.
Der Flug dauerte ohnehin nicht sehr lang und nach einigen Minuten kam
die CSS Pride Bird in Sicht. Selbst im direkten Vergleich mit der
großen Raumstation, an die das Schiff angedockt war, wirkte der
Zerstörer der Frontier Class immer noch imposant. Das Einfliegen in
die Schuttle-Rampe der Pride Bird verlief ohne besondere Vorkommnisse.
Wieder gab es keine Anfrage der Flugleitung der Pride Bird oder der
Station.
In der Shuttlerampe wartete bereits ein Mann in der Uniform der Space
Forces auf das Team.
Daran, dass er nicht salutierte, merkte man deutlich seine
Zugehörigkeit zu den Space Forces, bei denen das Protokoll wesentlich
lockerer gehandhabt wurde und zu salutieren bis auf ganz wenige
Ausnahmen bei Zeremonien eher unüblich war.
"Ich bin Commander West, der XO der Pride Bird. Willkommen an Bord!",
begrüßte er die Fünf, wobei er dem zuerst ausgestiegenen Zack die Hand
reichte.
Zack erwidert den Händedruck. "Vielen Dank." Er ließ seinen
Blick schweifen. "Sie haben ein gutes Schiff, Kommandant,
mit Ihnen als Rückendeckung haben wir gleich eine
Sorge weniger. Ich hoffe natürlich sehr, daß wir nicht darauf
zurückgreifen müssen."
Er wandte sich halb um, um seine Leute ebenfalls ansehen
zu können. Er war bemüht, seinen Unmut darüber zu
verbergen, daß kaum einer seiner Aufforderung, offen zu
sprechen nachgekommen war, das nächste Mal würde er
es als Befehl formulieren müssen. "Ich nehme an, daß ich
Ihnen mein Team nicht vorstellen muß, sie haben sicher
alle notwendigen Personalunterlagen bereits erhalten."
Commander West sagte nichts, aber sein dezentes Nicken
war von einem vielsagenden Grinsen begleitet. Natürlich
wußte er Bescheid, beim Dark Corps wurde nur selten und
beim Reiten des Amtsschimmels sogar überhaupt nicht
geschlampt.
Naumann hatte während des Fluges nichts gesagt; zu viele Gedanken,
zu viele Möglichkeiten gab es geistig durchzugehen.
Er hatte immer noch keine Ahnung, worum genau es bei dieser
Angelegenheit
ging, noch hatte er sich entsprechend vorbereiten können.
Nicht einmal seine persönliche Ausrüstung hatte er abstimmen können.
Er konnte solche unüberlegten Handlungen einfach nicht ausstehen.
Und dann das...
Man hatte sich also die Mühe gemacht, den Captain der Pride über das
Team
zu informieren und gewiss wusste dieser auch mehr über den Auftrag
als das Team selbst.
Sein aufgesetztes Grinsen konnte das auch nicht
verbergen.
Naumann blickte zu Captain Gacetti, die
seinen Blick leicht genervt erwiederte. Angela hatte nie gelernt sich
mit diesem Umständen im Dark Corps anzufreunden, aber dies waren nun einmal
Dinge, die sie nicht ändern konnte und die sich auch gewiss nicht ändern
würden. Tausende Male hatte sie mit dem Gedanken gespielt, das Dark Corps zu
verlassen, aber es war wie eine Sucht und so blieb Angela jedes Mal. Gewiss
... so einfach hätte das Dark Corps sie auch nicht gehen lassen. Doch das
war eine Tatsache, die sie verdrängte - wie alle Agenten wahrscheinlich...
Sie hoffte, dass der Flug einen Chance ergeben würde mit Naumann zu
sprechen. Es war eine Zeit lange aus, dass sie ihn zu letzt gesehen hatte
und es gab eine Menge zu bereden. Hoffte nur, dass sich auch während der
Mission Gelegenheit ergeben würde mit Naumann zusammen zu arbeiten und
möglichst wenig mit Luscet.
However ... für den Moment würde sich diese Chance jedoch nicht ergeben,
denn kaum waren alle Agenten an Board rief Jack Luscet sie auch schon in
einen Konferenzraum des Schiffes ...
Kapitel 3
Völlig geräuschlos glitten die Mappen über die spiegelglatte
Oberfläche des Konferenztisches. Als vor jedem Dark eine
Mappe lag, nahm Zack selbst ebenfalls umständlich am
Kopfende des Tisches Platz.
Er wies einladend auf die Unterlagen. "Bitte, nehmen Sie
sich ruhig einige Minuten Zeit, um sich mit den Details
unseres Auftrags vertraut zu machen."
Interessiert beobachtete er die Mienen der Anwesenden,
als sie seiner Aufforderung Folge leisteten. Er widerstand
der Versuchung, ungeduldig auf der Tischplatte zu klopfen,
während sein Team die Blätter durchging.
Commander West war ebenfalls zugegen und lehnte lässig
an einem der Stabilisationsbögen, die den Raum wie einen
Fisch von innen aussehen ließen. Er hatte seine Weisungen
vermutlich ebenfalls direkt vom Präsidenten erhalten und
konnte sich also müßiges Interesse leisten. Im Grunde war
er sowieso nur der Form halber anwesend und für den Fall,
daß es noch zusätzliche Absprachen das weitere Vorgehen
betreffend gab.
Schließlich waren alle fertig und die Mappen wurden
geschlossen. Zack wußte, daß bereits auf der ersten Seite
ein Hinweis stand, sich die Daten einzuprägen. Der Adjutant
von Commander West, der sich bisher im Hintergrund
gehalten hatte, trat hinzu, sammelte die Mappen unbesehen
ein ließ sie in einem flachen Metallkoffer verschwinden. Kurz
nachdem er den Koffer geschlossen hatte, belegte eine rote
Signalleuchte am Griff und ein kurzes elektronisches
Summen, daß auch keinen weiteren Einblick geben würde...
Es sei denn, man verstand die Sprache der Moleküle.
"Nun?", meinte Zack nur.
Naumann hatte alle Unterlagen sorgfältig studiert und sich die
wichtigsten Informationen eingeprägt.
Da war ein allgemeiner Bericht über die Fargate Stationen, einer über
die einzelnen Bauphasen der Fargate No. 17 & 18 und ein Bericht über
das Ausmaß der Zerstörung auf FG 18.
Gewiss waren alle detailliert abgefasst , doch konnten sie alle auch
kaum verschweigen, dass die Verfasser wohl nichts über den Hintergrund
des Anschlages wussten - oder es den Anwesenden nicht mitteilen wollten.
Naumann warf kurz einen Blick in die versammelte Runde. Alle bis auf
Col. Luscet und Commander West reagierten ziemlich ratlos auf die
ihnen vorgelegen Unterlagen.
"Sir," begann Naumann die drückende Stille zu unterbrechen, 'angesichts
der Dringlichkeit und Geheimhaltung der Mission möchte ich eine Taktik
vorschlagen die gleichzeitig versucht, eventuell vorhandene Saboteure
zu enttarnen und gleichzeitig eine Sabotage der Station zu verhindern."
Selbst für Naumann war diese nun ein Statement gewesen, das die
Situation
völlig umriss, jedoch nichts umfasste, dass die Anwesenden bereits
erfasst
hatten.
"Ein Einsatz, der zum Teil verdeckt durchgeführt werden sollte, hätte -"
Col. Luscet, der bis eben still gelauscht hatte
faltete gemächlich die Hände.
"Mir gefällt das Ganze ebensowenig wie Ihnen allen",
hielt er fest. "Man erwartet von uns, ins Wasser zu springen
und läßt uns nur wissen, daß es naß ist. --- Das Problem
ist, daß wir nicht mehr Informationen haben und uns jedes
Detail selbst erarbeiten müssen. Wir haben diesmal keine
Aufklärung, wir sind die Aufklärung."
Zack bemerkte, zwar daß einige darauf durchaus gern
etwas entgegnet hätten, sprach aber weiter.
"Mein Plan geht dahin, daß wir zwar als offizielle Vertreter
dort auftauchen, aber nicht als Angehörige einer Behörde.
Wir werden getrennt dort ankommen und zwar als Zivilisten.
Wir haben jegliches Material an Bord, um Tarnidentitäten
herzustellen. Die Zentrale auf der Erde sorgt dafür, daß
auch die Aktenlage stimmt."
Er stand auf und begann, langsam um den Tisch zu gehen.
Hinter Naumann und Gacetti, die nebeneinander saßen,
blieb er stehen.
"Sie, Naumann, werden als Vertreter von Silican auftreten,
einem mittelgroßen Konzern, der hauptsächlich für die
Kunststoff-Innenverkleidungen der Station liefert. Damit
sind Sie nicht im Rampenlicht, können sich aber in allen
fertiggestellten Bereichen bewegen." Er warf zwei
ID-Karten auf den Tisch. "Gacetti, Sie sind die technische
Beraterin von Naumann und Materialprüferin. Während
Sie prüfen, sollten Sie dezent die eine oder andere
Sonde unterbringen."
Er zog zwei weitere IDs aus der Tasche und warf sie
Major Peran und Captain Spanks zu.
"Sie beide können sich freuen, denn Sie sind soeben
zu Metallurgen im Staatsdienst geworden und werden
außerhalb der Station genau das tun, was Naumann
und Gacetti drinnen machen."
Er ging zu seinem Platz zurück.
"Ich nehme an, ich muß Ihnen nicht sagen, daß Sie sich
auf keine Fachgespräche einlassen sollten. Sie werden
bewaffnet sein, sind aber angehalten, nur im Notfall oder
auf meinen ausdrücklichen Befehl hin davon Gebrauch
zu machen. Ich selbst werde als Pilot ihrer Fähre und
Mädchen für alles auftreten, damit habe ich einen Grund,
zwischen Ihnen zu pendeln." Er lächelte süffisant.
"Außerdem dürfen Sie dann ausnahmsweise mich etwas
herumkommandieren."
Er nahm wieder Platz.
"Natürlich ist diese Vorgehensweise im höchsten Maße
flexibel, allgemein im Einsatz, aber auch speziell jetzt.
Ich erwarte Ihre Verbesserungsvorschläge jetzt... Von
Ihnen allen, wohlgemerkt." Er drehte seine eigene
gefälschte ID langsam zwischen den Fingern. "Die
Personalstelle der Pride Bird hätte auch kein Problem,
einen anderen Bürger in die Welt zu setzen, wenn jemand
von Ihnen das für sinnvoll erachtet."
Er grinste die anderen erwartungsvoll an.
Leon war erleichtert. Vor dem Moment der Rollenverteilung hatte er sich fast
gefürchtet, aber er hatte Glück. Zwar wäre er noch ein bisschen Lieber mit
Zack zusammen gewesen, aber er war schon froh, vor Naumann verschont zu
bleiben. Er sah die Sache positiv: Mit Spanks lernt er endlich mal ein neues
Gesicht kennen. Den Plan mit der zivilen Tarnung fand er gut: schließlich
bräuchte er sich so nicht an irgendwelche Formalitäten der Darks zu halten.
Er nahm die ID Karte vom Tisch. Er sah zunächst nur die Rückseite mit einer
Art Strichcode, der Verwendung findet, als dass man mit ihm unter Hilfe
spezieller Scanner die Identität einer Person prüfen kann. Aber ihm war
klar, dass die Kopie perfekt seien würde, und so entschloss er sich die
Karte umzudrehen: "Nah, hässliches Foto, wo haben die das denn rausgekramt?
Naja, ich willës gar nicht wissen...", dachte er sich, "Hmmm...., Metallurg?
Irgendwie meine Fähigkeiten verfehlt.". Er entschloss sich aufgrund der
regelrechten Aufforderung Zacks hin einen anderen Vorschlag zu machen:
"Zack? Metallurgie ist nicht gerade mein Fachgebiet, und so würde ich gerne
einen anderen Vorschlag zu meiner Identität machen: Ich denke, dass ich
meine Aufgabe als Techniker besser erfüllen könnte. Dort wäre es mir eher
möglich zu fachsimpeln, da ich im Umgang mit komplizierter elektronischer
Ausstattung trainiert bin, und ich erhoffe mir noch etwas anderes wichtiges:
der Präsident sagte, dass die Bombe nicht von den Sensoren der Station
entdeckt wurde. Da die FarGate Stationen jedoch mit HighTech vollgestopft
sind, halte ich es für nahezu unmöglich, dass eine Bombe den Sensoren
entgehen könnte. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass die Sensoren direkt
manipuliert wurden. Wenn es ein Saboteur schafft, eine Bombe auf eine streng
geheime Station zu bringen, wird er mit Sicherheit auch Zugang zu den
empfindlicheren Bereichen der Einrichtung gehabt haben. Als Techniker wäre
es mir dann möglich, eine "Routineprüfung" an den Sensoren vorzunehmen, und
vielleicht sogar eine Routine zu installieren, die alle eventuell
vorgenommenen Änderungen in einem Logfile speichert, so dass wir den Täter
sofort erwischen würden, falls er sich an den Systemen zu schaffen macht.
Was hälst du davon? David könnte ja mein "technischer Assistent" sein." Der
letzte Satz kam in Begleitung eines breiten Grinsens in ironischem Tonfall.
Naumann erhob sich, um die beiden ID's einzusammeln
und reichte eine davon Captain Gacetti mit einem Lächeln.
Er betrachte kurz die Vorderseite und steckte die Karte dann in die
Schultertasche an seiner Uniform.
'Wenigstens klappt die Organisation', dachte Naumann, als er
zu Gacetti blickte.
Angela nahm die ID-Card und lächelte zurück. 'Na bitte!' dachte sie sich,
'Wenigstens ein Lichtblick!' Ihr war klar, dass ihre Mission nicht wirklich
ein Kinderspiel werden würde, aber sie war eine geübte Undercover-Agentin
und auch wenn die Mission sicherlich eine Herausforderung darstellte, so war
es sicherlich schaffbar.
Auch sie war auf dem Photo nicht wirklich gut getroffen. Es war etwa 3 Jahre
alt und Angela stellte ein weiteres mal fest, dass sie mit ihrer jetzigen
Haarfarbe - schwarz - weit besser aussah als mit ihren natur aschblonden
haaren.
"Laurin Gania" war zu lesen. 'Netter Namen!' stellte sie fest, 'könnte man
sich dich daran gewöhnen.' Auch die Tatsache das Naumann ihren Chef sein
sollte gefiel ihr, es gab ihr etwas mehr Raum um aus dem Hintergrund zu
wirken, was sie sehr gerne tat.
Angela wusste aus Erfahrung, dass Naumann keine Undercover-Einsätze gewohnt
war, also würde sie ihn ein wenig unter die Fittiche nehmen. Sie sah ihn mit
dem abschätzenden aber unauffälligen Blick einer Agentin an und beschloss,
dass er sicher schon Monatelang keine ordentliche Zivilkleidung mehr
getragen hatte ... Sie hatte ein ganzes Stück Arbeit vor sich.
Da Naumann schon früher mit Gacetti zusammengearbeitet hatte, kannte er
ihre
Vorgangsweise und auch sie selbst sehr gut.
Es würde bestimmt keine Probleme geben. Der Captain war eine
ausgezeichnete
Agentin und er würde ihr den Rücken freihalten. Naumann war - was ihm
selbst
Major Peran zugestand - ein ausgezeichneter Diplomat und als Vertreter
einer
Firma, die besorgt war ihre gelieferten Elemente könnten eine Teilschuld
an
dem Unfall haben - offiziell würde sie wohl kaum von Sabotage sprechen -,
würde er gut auftreten können.
Bereits noch während Peran mit dem Colonel über seine Tarnidentität
redete,
ging Naumann in Gedanken alle Dinge durch, die er vorzubereiten hatte -
er hasste unvorbereitete Missionen.
Er würde später alles mit Angela besprechen und sich eine entsprechende
Hintergrundgeschichte zurechtlegen.
Zack erwiderte das Grinsen und registrierte befriedigt,
daß nun in Ansätzen die Dynamik aufkam, welche er sich
für Teameinsätze wünschte.
"Ich habe nichts dagegen, Leon, wenn Captain Spanks
keine begründeten Einwände hat." Sein Lächeln wurde
noch ein Stück breiter. "Ich mache aber zur Auflage, daß
auch WIR die Station in einem Stück lassen werden."
Gerade als Zack seinen Satz beendet hatte, öffnete sich die zur Brücke
führende kleinere Tür des Konferenzraums. Captain Roncalli, flankiert
von zwei Offizieren, trat ein.
Zu seiner Rechten ein groß gewachsener, kräftig wirkender,
dunkelhaariger Mann, der die Rangabzeichen eines Lt. Cmdr. trug und
dessen Kragen die Farbe der Sicherheit (rot) hatte. Links von ihm ging
eine Frau. Der blaue Kragen und die Rangabzeichen verrieten sie als
Lieutenant der Technik. Roncalli selbst war ein etwa 1,80 großer
schlanker Mann mit grauem, etwas lichtem Haar, welches er recht kurz
trug.
Als die drei eintraten unterhielt sich der Captain gerade mit dem
Lieutenant.
"...Max kann die Injektoren ruhig mal mit 5,3 ausprobieren, aber in
einer Stunde sind wir auf Patrouille und dann will ich mein Schiff
voll funktionsfähig.", war der letzte Teil des Gespräches zwischen den
beiden. Der Lt. nickte kurz und drehte sich noch auf der Türschwelle
wieder, um zurück Richtung Brücke zu gehen.
Nun wandte sich der Captain freundlich lächelnd Zack zu. "Willkommen
auf der Pride, Colonel Luscet! Ich bin Captain Giuseppe Roncalli, das
ist mein Sicherheitschef Lt. Commander John Rina." Während der Lt.
Commander nur freundlich in die Runde nickte, schüttelte Roncalli Zack
die Hand.
"Eines möchte ich von vornherein geklärt wissen, Colonel.", wandte
sich der Captain an Zack, "Wir sind Ihr Transport und Ihr Schutz,
nicht Ihr Kindermädchen. Und nur weil Sie ein schwarze Uniform mit dem
Emblem des Präsidenten darauf tragen und ich neulich ein nettes
Gespräch mit diesem hatte, ist die Pride dennoch mein Schiff."
Offensichtlich hatte der Captain schon unangenehme Erfahrungen mit
derartigen Passagieren gemacht, schien aber dennoch bereit zu sein,
sich im Falle von Zack und seinen Leuten eines besseren belehren zu
lassen. Auch Zack schien dies klar geworden zu sein, denn er nickte nur knapp.
"Ich denke, unsere Kompetenzen sind
eindeutig, Captain Roncalli. Was dieses Schiff angeht,
werde ich Ihnen nicht in ihre Angelegenheiten hineinreden.
Sie müssen wissen", meinte er und strich betont die von
Roncalli angesprochene schwarze Uniform glatt, "wir
kommen entgegen allen Gerüchten nicht in dieser Kluft
zur Welt." Er lächelte nur kurz, bevor er schlagartig wieder
ernst wurde. "Ich würde nicht wollen, daß mir jemand auf
meinem Schiff Vorhaltungen macht, also werde ich das
bei Ihnen auch nicht tun."
"Wenn das so ist, wird es mir ein Freude sein, Sie bei ihrem Auftrag
bestmöglich zu unterstützen, Colonel." Roncalli warf einen kurzen
Blick zu seinem ersten Offizier hinüber, wobei er leicht die
Augenbrauen hochzog. "Wenn ich nicht mehr gebraucht werde, würde ich
nun gerne wieder meinen Pflichten auf dem Schiff nachkommen.", sagte
der Commander daraufhin. "Geh nur, Tom!" Commander West nickte den
Personen im Raum kurz zu und verließ ihn dann durch die große Tür,
welche zum angrenzenden Hauptkorridor führte.
Nun schritt Roncalli ein Stück um den großen Tisch in der Mitte des
Raumes herum, blieb vor der Fensterfront stehen, welche diesen auf
einer Längsseite abschloss und sagte, den anderen den Rücken
zukehrend: "Comannder - bitte!"
Rina zog daraufhin ein Computerpad aus einer seiner Taschen hervor und
reichte es dem Colonel. "Dies sind die Namen und Daten aller Personen,
die wir mit diesem Flug auf FG 17 absetzen und aufnehmen werden. Wenn
jemand rechtzeitig von der Station verschwinden wollte, ist dies die
erste Möglichkeit seit fast einem Monat." Nach dieser Erklärung
seinerseits schien der Commander nun auf eine Reaktion seitens Zack zu
warten.
Naumann saß ruhig in seinem Stuhl und beobachtete die Szene wie ein
Außenstehender.
Die ganze Angelegenheit schien doch etwas planlos abzulaufen. Wenigstens
würde
er mit Gacetti zusammenarbeiten können, die er schon vor längerer Zeit aus
den Augen verloren hatte,
aber trotzdem gut einschätzen konnte. Bedächtig lehnte er sich zu Angela und
flüsterte er ihr zu:
'Wenn das hier vorbei ist, sollten wir uns treffen, um unsere Taktik und
unsere Hintergrundgeschichte
abzusprechen... Ich weiß zwar nicht wie lange der Flug noch dauert, aber
ich nehme an, wir werden
genügend Zeit haben. Mein letzter Feldeinsatz -'
Naumann hielt inne ñ
Angela erinnerte sich noch ziemlich gut an den junge Naumann, den sie damals
kennen gelernt hatte. Er war ein wenig naiv gewesen, aber wohl kaum naiver
als sie damals. Sie lächelte ihm zu und unterbrach ihn '- ist lange her. Ich
weiß. Ich glaube ich habe in den letzten Jahren nichts anderes mehr gemacht
als Feldeinsätze.' Nach einem weiteren Lächeln wandte sie ihr Gesicht wieder
Jack Luscet zu, der mit seinen Ausführungen fortfuhr. Für Angelas Geschmack
dauerte diese Briefing nun schon viel zu lange. Die Wesentliche
Information - nämlich dass es kaum Information gab - war inzwischen allen
klar geworden und ihrer Beobachtungsgabe zur Folge schienen alle im Raum
mehr oder weniger gelangweilt zu sein. Angela ertappte auch sich selbst
damit, dass sie anfing mit ihrem Kugelschreiber zu spielen - ein antikes
Ding, aber Angela hatte ihn immer bei sich. Viele bezeichneten es als ihren
Tick, und das war es wohl auch.
Naumann ließ sich seine Überraschung nicht anmerken. 'Hatte sie denn
nicht - ', dachte Naumann,
bis ihm plötzlich klar wurde, das der Vorfall ja als geheim eingestuft
worden war.
Niemals würde eine Captain des Dark Corps etwas davon erfahren - Naumann
fragte sich ob der Colonel
davon wusste und sah der Zack der Angela anblickte.
Zack zog scharf Luft ein. "Ich wurde nicht informiert, daß
auch Passagiere von der Station an Bord genommen
werden. Das wirft unsere Planung etwas um." Er wandte
sich zu seinen Leuten um und stellte mit steigendem
Unmut fest, daß sich neben nur zu verständlicher Verärgerung über die miserable Informationslage auch ein
ungehöriges Desinteresse einschlich. Vermutlich war es
doch nötig, einen dienstlicheren Ton anzuschlagen, als er
es eigentlich in einem Team bevorzugte. Sollten sich die
ihm bekannten Leute in der Zeit, in der er nicht mit ihnen
zusammengearbeitet hatte, wirklich so sehr verändert
haben?
"Naumann, Gacetti", meinte er scharf, "es wäre hilfreich,
wenn Sie Ihre Privatgespräche zurückstellen könnten.
Besonders von Ihnen, Naumann, erwarte ich als nach mir
dienstältesten und erfahrenen Offizier etwas konstruktivere
Beiträge zur Operationsplanung. Das ist hier kein
Sonntagsausflug."
Naumann wurde jäh aus seinen schmerzlichen Erinnerungen gerissen.
'Sir, Ich verstehe. Wenn ich frei sprechen dürfte, Sir ?'
Naumann erhob sich von seinem Stuhl und blickte Zack direkt in die
Augen.
Leon zeigt wieder sein verschmitztes Lächeln. Er hatte dem Gespräch zwischen
Naumann und Angela heimlich gelauscht; dies schien im interessanter als das
Gespräch von Zack. Noch während Zack aufstand, legte Leon, als bewusst
provozierende Geste, seine Beine hoch. Er war gespannt, wer als erster die
schwarzen Lederstiefel auf dem Tisch, sowie seine verschränkten Arme, die
das Desinteresse schließlich endgültig zum Ausdruck brachten, bemerken
würde. Vielleicht ließe sich Naumann so etwas aus der Fassung bringen.
"Nur, wenn es konkret diese Operation betrifft, Lt.
Colonel. Für ein Vier-Augen-Gespräch ist auch später
noch Gelegenheit, nicht wahr?"
Naumann schien nicht lange zu brauchen, um seine Entscheidung
zu treffen.
'Bei allem nötigen Respekt, aber ich bin der Meinung das diese Mission
ernsthaft gefährdet ist'. Naumann ging um den Tisch herum während er
dies gesagt hatte und blieb hinter Peran stehen.
'Als stellvertretender Leiter ist es meine Pflicht, sie darüber zu
informieren, dass ich Bedenken habe angesichts unserer personellen
Zusammenstellung ' - Naumann sah niemanden direkt an - 'ich beziehe
mich hier nicht auf die konkreten Personen. Die uns zur Verfügung
stehenden Informationen sind mehr als mangelhaft, unsere Ausrüstung
existiert nicht und unsere Tarnung ist wohl schon aufgeflogen bevor wir
diese Schiff betreten haben.'
Naumann drehte sich zu Roncalli und begann mit einer beschwichtigenden
Handbewegung zu sprechen: 'Nichts gegen ihre Sicherheitsmaßnahmen,
Captain,
aber in einer derart heiklen Situation bin ich doch über unseren Empfang
überrascht gewesen.'
Und noch bevor der Captain etwas erwidern konnte, dreht sich Naumann um
und fuhr fort: 'Es liegt mir fern den Chief General zu beschuldigen -
doch wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen, wir sollen
versagen.'
Der letzte Satz löste bei allen Anwesenden eine gewisse Bestürzung aus -
Naumann konnte nur nicht entscheiden, welche wohl ehrlich war.
'Und was meine Person betrifft - ', Naumann nahm wieder Platz und nickte
dem Colonel zu, 'ich denke, sie wissen was ich meine -'
Captain Roncalli hatte sich die ganze Rede Naumanns dem Fenster
zugewandt angehört. Auch als ihn Naumann direkt ansprach, hatte er ihn
nur aus den Augenwinkeln heraus angeblickt.
Als Naumann fertig war, drehte sich Roncalli, die Stirn gerunzelt und
die Augenbrauen wiederum etwas gehoben, um. Er blickte erst skeptisch
zu Naumann, dann zu Luscet, bevor er sich umdrehte und Richtung Brücke
ging. Auf halbem Weg blieb er stehen und meinte zu Luscet, ohne ein
weiteres Mal zu Naumann zu blicken: "In etwa einer Stunde erreichen wir
das Tor, das uns zu FG 17 bringen wird. Sehen Sie sich die Namen noch
mal an, vielleicht entdecken Sie ja Zusammenhänge mit dem Personal von
FG 18, auf dessen Listen WIR ja keinen Zugriff haben." Roncalli sprach
in betont ruhigem Ton. Lediglich das "wir" betonte er leicht, wobei er
zu seinem Sicherheitschef blickt. "Alles was Sie an Ausrüstung
benötigen, werden Sie von Commander Rina erhalten. Meine Anwesenheit
hier scheint überflüssig." Der Sicherheitschef hatte sich während der
Captain sprach neben diesen gestellt. Roncalli klopfte ihm noch
zweimal anerkennend auf die Schulter, bevor er den Raum durch
die kleinere Tür verließ. Was er an seiner eingespielten Mannschaft
hatte, schien ihm in diesem Augenblick nochmals bewusst geworden zu
sein.
Sicherheitschef Rina blieb mit einem fragenden und ein wenig stolzen
Gesichtsausdruck dort stehen, wo er war.
Zack blickte dem Captain nur kurz nach wandte sich dann
wieder an sein Team. "Interessant, Naumann, aber es hilft
uns nicht weiter." Er trat zum Tisch und beugte sich, auf die
Platte gestützt, aggressiv vor. "Was ich von Ihnen allen
erwarte, himmelherrgottnochmal, ist Professionalität. Sie
können von diesem Auftrag im Allgemeinen und mir im
Speziellen halten, was sie wollen, aber es wird Zeit, daß wir
zu einem Vorgehen kommen."
Seine Stimme wurde um mehrere Grade leiser und er warf
einen mißtrauischen Blick zu Rina, der einige Schritte
entfernt und außer Hörweite stehengeblieben war.
"Ich stimme mit Ihnen überein, daß in unserer Chefetage
tüchtig geschlampt wurde, aber solange ich diese Operation
leite, werden wir das nicht fortführen, klar? Roncalli ist ein
guter Captain, aber er hat keine Ahnung, wie das Dark Corps
arbeitet." Er richtete sich wieder auf. "Ich werde jetzt eine
gesicherte Verbindung in Präsidialamt herstellen lassen und
Tacheles reden." Er warf einen kurzen Blick auf seine Uhr.
"Wenn ich zurückkomme, erwarte ich _von jedem_ einen
persönlichen Operationsplan in der zugedachten Rolle."
Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und ging in die
Richtung, in die auch Roncalli zuvor gegangen war. Er war
sicher, daß der Präsident bei dem Funkruf sofort wissen
würde, welche Fragen seinem Colonel auf der Zunge lagen.
Naumann hatte wohl einen Nerv getroffen. Er blieb ruhig stehen und als
der Colonel den Raum verlassen hatte, drehte er sich zu Peran:
"Major, ich möchte vorschlagen, dass sie beide sich " - Naumann blickte zu
Peran
und dem jungen Offizier neben ihm (er hatte dessen Namen schon wieder
vergessen) -
"eine ordentliche Tarnidentität zurechtlegen. Diese Mission schien mir doch
sehr
unprofessionell vorbereitet worden zu sein."
"Und wir beide "- Naumann lächelte Captian Gacetti zu - "sollten uns auch
etwas
besseres zurechtlegen als dies hier"
Naumann nahm seine 'neue' ID-Card aus seiner Schultertasche und warf diese
missmutig auf den Tisch.
Leon beobachte den Vorgang mit neutralem, nichtssagendem Gesichtsausdruck.
"Hmm.... ich bin weiterhin für die Sache mit dem Techniker. Ich erhoffe mir
auf diese Weise Zugang zu den Computern und internen Systemen zu erhalten."
Leons stimme wird plötzlich leiser und sein Gesichtsausdruck sichtbar
ernster: seine sonstige Fröhlichkeit schien endgültig verschwunden. "Um ganz
ehrlich zu sein: zunächst habe ich ihre Theorie, dass die Mission nicht
schaffbar wäre für albern gehalten, aber mittlerweile traue ich der ganzen
Situation auch nicht mehr recht. Genaugenommen erhoffe ich mir in den
Systemen irgendwelche Informationen zu finden, die die Situation etwas
aufklären könnten. So schwer es mir auch fällt dies zu sagen:
ich gebe zu,
dass ich sie nicht gerade liebe, aber sie scheinen im Moment die einzige
Vertrauenswürdige Person zu seien. Zack scheint bei der ganzen Sache noch
weniger durchzublicken als wir, Spanks ist ganz Anteilnahmslos und bei
Angela weiß ich nicht was ich von ihr halten soll. Ich möchte ihnen daher
einen Vorschlag machen, der unter allen Umständen unter uns bleiben muss:
wir könnten versuchen unser eigenes Ding durchzuziehen.
Ich meine, wir
versuchen unabhängig von den anderen Infos zu erhalten. Wer weiß, ob nicht
einer von denen bei der ganzen Sache mit drinsteckt; darum die
Heimlichtuerei. Ich würde vorschlagen, dass wir versuchen sollten uns Zugang
zur Datenbank zu verschaffen." Leon zieht seine ID Karte aus der Tasche und
wirft sie aus dem Handgelenk heraus auf den Tisch zu Naumanns Karte ohne den
Blickkontakt zu ihm zu verlieren.
"Angesichts der problematischen Lage sollten wir uns in der Tat im
Moment nur auf Mitglieder des Dark Corps verlassen."
Peran, Gacettie, Spanks und Naumann selbst waren nun ja unter sich.
Dieser nahm wieder neben Captain Gacetti Platz und berührte
die blank polierte, dunkelbraun schimmernde Oberfläche des Tisches.
"Computer, identifiziere Naumann, Leutnant Colonel, Dienstnr.
605-3178-C".
Unmittelbar darauf wurde der Tischbereich vor Naumann transparent und
das Logo des Informationsnetzes wurde erkennbar, welches nun
holographisch etwa
20 cm über den Tisch projiziert wurde.
"Erbitte Zugang zur Datenbank des Dark Corps "
Das Logo verschwand und ein Menü mit diversen Unterpunkten wurde
sichtbar.
Naumann berührte mit seinem Zeigefinger kurz einen Punkt und drehte sich
zu
Captain Gacetti. "Was würde zu uns passen ? Ein Schmugglerpärchen,
dessen Schiff
in der Nähe von FG17 havariert ?"
Naumann wartete nicht auf eine Antwort Gacettis, sondern verwarf die
Idee gleich
wieder. 'Eine derartige Identität würde unseren Zugang wohl erheblich
einschränken',
dachte Naumann, und musste bei dem Gedanken lächeln.
"Ich schlage vor, wir sollte angesichts der baldigen Eröffnung und der
Bekanntgabe der
Existenz der Station etwas mehr offizielles darstellen. Aber warten Sie
mal... "
Naumann drehte sich von Gacetti weg und blickte auf den Terminal.
"Computer,
Besatzungstärke von FG17 und Personalliste auflisten"
Eine kurze Auflistung von Zahlen erschien nun auf dem Holoscreen.
"
Personal der Space Forces: 127 Personen
weiteres Baupersonal: 15844 Personen
gesamt: 15971 Personen
"
"Betreffend der vollständigen Personalliste sind genauere Angaben
notwendig.", fügte der Computer mündlich noch hinzu.
***
Zack ignorierte die Blicke der Brückencrew, als er den
vom Rest der Brücke getrennten Kommunikationsstand
betrat. Trotzdem schloß er schnell die Tür und nahm an
der Konsole Platz. Sein Blick flog über die verwirrende
Vielzahl von Sensordisplays und normalen Druckschaltern,
dann hatte er gefunden, was er suchte. Die Basisstruktur
von Kommunikationsanlagen waren im Grunde immer
gleich und Angehörige des Dark Corps genossen eine
spezielle Ausbildung, was den Aufbau sicherer
Verbindungen anging. Während er skrupellos einige der
Kommunikationsprotokolle löschte, verschwendete er
keinen Gedanken daran, daß der Komm-Offizier, den
er nach kurzer Rücksprache mit Captain Roncalli
kurzerhand aus seinem Reich vertrieben hatte, diese
aufwendigen Programmstrukturen sicherlich mit
mehreren Tagen Zeitaufwand wieder herstellen mußte,
wenn er ein- und ausgehende Gespräche dokumentieren
wollte.
Er war sich auch bewußt darüber, daß er mit dem, was
er nun vorhatte, gegen eine ganze reihe Vorschriften und
Etikette verstoßen würde, aber das Risiko erschien ihm
berechenbar. Entweder hatte er diesen Auftrag
bekommen, weil er ohnehin unter Abschreibung lief und
hatte somit nichts zu verlieren. Oder aber er hatte diesen
Psycho-Auftrag erhalten, weil man ihn für einen der Besten
hielt und in diesem fall würde er sich auch etwas
herausnehmen können.
Sogar gegenüber dem Präsidenten.
Geduldig wartete er ab, bis das Schiffslogo durch das des
Präsidialamtes ersetzt wurde. Er war auch nicht überrascht,
als nach etwa einer Minute auch dieses ausblendete und
der Kopf von Präsident Criani erschien. Zack hatte damit
gerechnet, daß der Präsident seine Rufanfrage sofort richtig
deuten würde.
Der alte Stimmenjäger ist nicht auf den Kopf gefallen,
schmunzelte Zack innerlich, während sein Gesicht eine
Maske vorwursvoller Erwartung präsentierte.
"Guten Tag Herr Präsident", sagte er gedehnt, "ich
nehme an, Sie ahnen bereits, weswegen ich Sie erneut
kontaktiere, nicht wahr? Ich erhoffe mir ein paar Fakten,
die Sie mir und meinem Team verschwiegen haben.
Bei der Gelegenheit könnten Sie auch gleich erklären,
warum Sie damit bis jetzt zurückgehalten haben."
Crianis Gesichtsausdruck war der des professionellen
Politikers, abssolut nichtssagend und gleichzeitig
dergestalt, als würde er jeden Moment aufspringen, um
irgendwo ein aus öffentlichen Mitteln finanziertes Heim
für ausgesetzte Haustiere einzuweihen. Als er bemerkte,
das Criani zu einer Entgegnung ansetzte, kam ihm Zack
noch einmal zuvor.
"Ich weiß, Sie sind mir keine Rechenschaft schuldig.
Aber ich denke, Sie haben ein Interesse daran, daß der
FarGate18-Zwischenfall geklärt werden kann." Zacks
Stimme wurde etwas leiser und eindringlicher. "Bitte
lassen Sie mich und meine Leute nicht im Dunkeln
sitzen..."
Criani reagierte nun nicht sofort. Die letzten Worte von Zack schienen
ihn nachdenklich gestimmt zu haben. Sein Blickwinkel sagte Zack, dass
Criani etwas auf der Konsole, die sich vor ihm befinden musste,
eingab. Das Bild flimmerte kurz, ein knackendes Geräusch war zu hören.
Criani erschien wieder. In der oberen rechten Ecke war nun das
nona-Wappen.
"Ich muss sicher sein, dass die Leitung nicht abgehört wird", begann
Criani erklärend. "Die Codes des Dark Corps scheinen in letzter Zeit
nicht mehr sicher zu sein."
Falten bildeten sich auf der Stirn des grauhaarigen Mannes.
"Es besteht Grund zur Annahme, dass sich ein Teil der gegen die Iuh'na
gerichteten Kräfte, welche stärker zu werden beginnen, auf höchster
Ebene manifestiert haben - vermutlich im Space Command. Ich wollte es
lange Zeit nicht wahr haben, aber von Stunde zu Stunde erhalte ich
neue Berichte der nona, die diese Annahme untermauern. Es ist bereits
jemand zu Ihnen unterwegs, der Ihnen alle Fakten liefern wird, die
Sie benötigen."
Ein tiefer Seufzer war von Criani zu hören.
"Zack, ich weiß sehr wohl, dass dies keine einfache Mission ist. Was
die ganze Sache ein wenig einfacher werden lässt, ist, dass diesmal
die von uns gesuchten Ratten selbst das Licht suchen werden und man
einen Verräter stets am Gesichtsausdruck erkennen kann."
Bei dem Ausspruch dieses letzten Satzes lächelte Criani müde.
"Die Fakten kenne selbst ich nicht alle. Der Iuh'na, der bald
eintrifft, ist da mit Sicherheit der bessere Gesprächspartner. Gibt es
sonst noch Fragen von ihrer Seite?"
Zack schüttelte kurz den Kopf. "Keine Fragen, Herr Präsident. Und
vielen Dank für Ihr Verständnis für meine Situation. Ich denke, wir
können jede Hilfe gebrauchen." Er verschwieg, daß er selbst nicht
viel davon hielt, einen Iuh'na dabei zu haben, aber er respektierte
ihre Rolle beim Aufbau der jetzigen Gesellschaft. Er warf einen
reflexartigen Blick durch die transparente Tür des Komm-Standes
und überzeugte sich davon, daß auf der Brücke immer noch alles
in gewohnten Bahnen verlief. Von der Crew blickte nicht einmal
mehr jemand herüber.
"Ich fürchte, wir haben mindestens eine der Ratte hier an Bord",
eröffnete er schließlich. "Nach dem, was sie sagen, kann ich
nicht glauben, daß sie uns keine Daten haben zukommen lassen.
Irgend jemand will Zeit schinden und muß diese Informationen
abgefangen haben, unsere Ermittlungen beginnen also bereits
hier an Bord der Pride Bird." Er machte eine bedeutungsvolle
Pause. "Ich fürchte, meine eigenen Leute sind trotz ihrer
Macken die Einzigen, denen ich hier vertrauen kann. Es sind
Sonderlinge so wie ich, aber ich nehme an, Sie haben sich
dabei etwas gedacht, nicht wahr?" Er grinste. "Krankhafte
Individualisten eignen sich nicht zu Verschwörern..."
"Das war unser Gedanke. Sie haben aber mit ihren Leuten nicht nur
Individualisten, sondern auch Experten unterstellt bekommen.",
bestätigte Criani.
"Der Duratak sollte bald eintreffen. Viel Erfolg!"
Mit diesen Worten beendet Criani die Verbindung.
***
Naumann blickte kurz zu Captain Gacetti : "Was glauben Sie ?
Was wäre wohl am unauffälligsten ? Sie haben doch bestimmt auf der
Akademie auch die Lehren Sun Tzu's studiert, oder ? "
Naumann drehte sich zum Terminal und schränkte die Liste mit einigen
Nebenbedingungen ein.
"Denn sehen Sie... ein Sabotageakt auf FG18... was ist der tiefere
Beweggrund von Saboteuren ? Das Handlungsmuster lässt nur einen
Schluss zu... es war ihnen egal, ob man sie erwischt... man hat
sich nicht die Mühe gemacht die Ursache der Explosion als Unfall
zu tarnen ",Naumann überlegte kurz, und fuhr dann fort,
"der Präsident ließ daran keine Zweifel aufkommen... also,
was lässt das für einen Schluss zu ?"
Naumann hatte wohl eher mit sich selbst als mit den Anwesenden als
mit dem Zugangsmodul gesprochen...
"Wer immer diesen Sabotageakt auch durchgeführt hat, sie sind zu allem
bereit... auch unter Einsatz ihres Lebens... doch bei allen
Sicherheitsvorkehrungen können wir wohl fürs erste ausschließen,
dass eine an Bord der Station gebrachte Vorrichtung zur Explosion
gebracht wurde."
"Computer, liste alle Personen mit Zugang zum Hauptreaktor auf...
die einfachste Methode... finden Sie nicht auch ? Der Zugang ist am
striktesten eingeschränkt und niemand würde dort mit einem Sabotageakt
rechnen."
Und während die holografische Projektion kurz ins Dunkel des Raumes
abglitt, flüsterte Naumann etwas vor sich hin: "Der beste Angriff
erfolgt dort, wo niemand damit rechnet..."
Nach wenigen Sekunden hatte der Computer die Liste parat.
"
Zugang haben alle Personen mit Tech-Sicherheitsstufe 3 und niedriger.
Zugang derzeit insgesamt: 72 Personen
davon 31 aus den Space Forces, 6 Spezialkräfte und 35 Personen aus dem
restlichen Baupersonal.
"
Einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis verließ Zack den
Komm-Stand und warf dem Lieutenant, der einige Schritte
entfernt darauf wartete, sein Reich wieder in Besitz nehmen
zu können, einen der Blicke zu, die für gewöhnlich entweder
die Bekanntgabe allgemeiner Mobilmachung oder aber
zumindest einen Haufen Arbeit ankündigten. "Ich mußte ein
paar Geheimhaltungsvorschriften einhalten", meinte er in
bedauerndem Tonfall im Vorbeigehen. "Aber ich bin sicher,
Sie bekommen das wieder hin, Lieutenant."
Er wartete keine Antwort ab und verließ die Brücke, bevor
Roncalli vielleicht doch noch auf die Idee kam, ihm Fragen
zu stellen.
Als er den Besprechungsraum betrat, schien Naumann
gerade ein par Daten vom Computer erhalten zu haben.
"Ich hoffe, Sie haben genauso interessante Neuigkeiten
wie ich, Naumann", meinte er und grinste breit.
"72 ?", murmelte Naumann vor sich hin. "Das schränkt ja den Kreis der
Verdächtigen schon mal ein."
Naumann überlegt kurz und wollte gerade die Sicherheitsdateien dieser
Personen anfordern, als Col Luscet den Raum betrat.
"Ich hoffe, Sie haben genauso interessante Neuigkeiten
wie ich, Naumann", meinte er und grinste breit.
"Tja, Sir ich habe mir inzwischen Zugang zu einigen Informationen aus
dem
Datenbanksystem des Corps verschafft.Knapp 16.000 Personen halten sich
im
Moment an Bord von FG17 auf. Das wird keine leichte Aufgabe werden "
Naumann deaktivierte mit einem Handstreich über die Projektionslinse die
holografische Darstellung und stand auf.
Er schritt zu Col. Luscet, der noch in der Tür stand und flüsterte ihm
leise
zu, dass es wohl das beste wäre die Situation etwas abgeschlossener zu
besprechen.
Col Luscte setzte sich zurück auf seinen Platz am Kopfende des
Konferenztisches
und Naumann sicherte den Türöffnungsmechanismus.
"Sir, Angriffsziel No.1 für Sabotage stellt meiner Meinung nach der
Hauptreaktor
der Station dar. Obwohl er noch nicht unter Volllast betrieben wird,
könnte
seine Deaktivierung die Energieversorgung wichtiger System lahmlegen.
Eine Vielzahl von Systemen würde ausfallen, und vor allem der
Sicherheitsring
um die Station wäre kurzzeitig unterbrochen."
"Mein Kommandocode ermöglicht mir leider keinen Zugang zu den
Visionssatteliten
rund um die Station... und dabei wäre sicher auch relevant was die von
FG18
aufgezeichnet haben. "
Naumann stütze sich auf dem Kopfteil des am anderen Ende des Tisches
aufgestellten
Stuhles und blickt reihum zu den Anwesenden.
"Eine interessante Theorie, Naumann", meinte Luscet. "Ich
möchte sie auch nicht ganz ausschließen, obwohl ich der
Meinung bin, daß unser Saboteur auf FG18 eher weniger
Subtilität bewiesen hat. Aber das ist jetzt eher nebensächlich,
denn..." Er warf einen nachdenklichen Blick auf die Diode am
Verschlußsystem der Tür, deren rotes Leuchten anzeigte, daß
Naumann bei der Verriegelung so gründlich gewesen war wie
immer. "Der Präsident wird uns jemanden zur Verstärkung
schicken", fuhr er schließlich fort. "Einen Iuh'na."
Bei der Ruhe, die auf seine Eröffnung folgte, hätte man das
Fallen einer Nanite hören können.
Zack klatschte die Hand auf den Tischplatte. "Aber wenn der
Junge auftaucht, wollen wir bereits etwas vorzuweisen haben.
Der Präsident wollte uns das Material hier zukommen lassen,
aber irgend jemand hier an Bord scheint auf Zeit zu spielen
und hat die Daten abgefangen. Im Übrigen wurde Ihre These
bezüglich einer möglichen Verschwörung in hohen Kreisen
von Criani bestätigt. Nicht nur, daß in diesem Zusammenhang
auch das Space Command genannt wurde, mir ist auf dem
Weg von der Brücke hierher etwas eingefallen, das wir bisher
ganz offensichtlich übersehen haben, eine Verbindung zwischen
FG18 und FG17, die wir zu allererst prüfen sollten. Meine Dame,
meine Herren, es gibt ein Schiff, welches alle Transporte zu
beiden Stationen bzw. deren Baustellen durchführt... Und
dieses Schiff ist die Pride Bird selbst."
Zack sah, dass Spanks etwas entgegnen wollte, aber er wehrte
ab. "Ich weiß, dafür gibt es keine Beweise, aber angesichts
der Sache mit den zurückgehaltenen Daten genügt es mir als
Ermittlungsgrund. Außerdem gibt es keinen Grund, hier untätig
sitzen zu bleiben. Ihre Aufgabe, Captain Spanks, wird es sein,
sich die Logbücher der Pride Bird anzusehen. Major Peran
wird das Gleiche tun, im Gegensatz zu Ihnen allerdings sichtbar
und somit davon ablenken, daß sie sich über eine Hintertür
Zutritt zu den Speicherbänken verschaffen." Er blickte Naumann
an, dessen Gesicht davon zeugte, daß er angestrengt überlegte.
"Ich sehe, Sie haben meine Gedanken erraten, Naumann. Sie
und Gacetti dürfen sich die Crew vorknöpfen. Schöpfen Sie
Ihre Befugnisse voll aus, meinetwegen auch Befugnisse, die sie
gar nicht haben." Er stand auf, zog seine Dienstwaffe aus der
Pistolentasche und prüfte demonstrativ den Ladezustand des
Magazins. "Ich möchte, daß Sie alle von jetzt an höchste
Vorsicht walten lassen. Die Waffen sind in offener Tasche zu
tragen. Wenn der Präsident sich irrt, machen wir uns hier nur
ein wenig lächerlich. Wenn nicht, rettet es uns vielleicht das
Leben." Er verstaute die Waffe wieder. "Ich nehme an, Sie
alle haben Ihre Anweisungen verstanden. Ich erwarte Ihre
Bestätigung und eventuelle Fragen." Er blickte auf die Uhr.
"Einsatzbeginn ist genau jetzt."
'Ahhh', dachte Naumann, als er erfuhr das die Pride Bird nicht zufällig
ausgewählt worden war. 'Tja, inzwischen sollte ich das Corps doch
kennen'.
Naumann war nicht gerade begeistert zu erfahren, dass sich nun auch
noch ein Iuh'na in die Angelegenheit einmischte.
Auf diese Art Überraschung war er noch nie gut zu sprechen gewesen.
Beinahe hätte er auch angesichts der Erfahrungen bei seiner letzten
Mission Einspruch erhoben, doch im letzten Moment überlegte er es
sich anders und er nickte zu Captain Gacetti mit den Worten
'Na dann, lassen Sie uns mal etwas hinter die schöne Fassade blicken'.
Col. Luscets Schweigen fasste Naumann als Zustimmung auf und fuhr fort.
"Da wir niemanden an Bord wirklich vertrauen können - die Anwesenden
einmal ausgenommen - stellt sich natürlich die Frage wie wir
vorgehen werden. Eine Doppelstrategie scheint mir angemessen, denn je
lauter wir auf den Busch klopfen, desto eher kommen auch die Ratten
aus den letzten Winkeln ans Licht. Die Führungsoffiziere sind zuerst
dran."
Und Naumann fügt mit einem Lächeln hinzu, 'Sie haben die Wahl.
Möchten sie den bösen oder den guten Cop spielen ?'
Noch bevor Gacetti Antworten konnte, wurde das Gespräch vom Colonel
unterbrochen...
"..., es sei denn, Lt. Col. Naumann ist geneigt,
seine Einstellung diesbezüglich zu überdenken."
Der Colonel blickte kurz zu Naumann, der von seiner Absprache
mit Cpt. Gacetti aufblickte.
"Solange wir unter uns sind, kein Problem, doch um unserer Untersuchung
etwas psychologische Rückendeckung zu geben " - Naumann nickte zu
Gacetti - "sollten wir nach aussen etwas auftrumpfen und das
volle Gewicht des Dark Corps ausspielen... "
Naumann sah das verdutze Gesicht von Major Peran und fügte hinzu:
"Ich klebe nicht stur an den Befehlen... und ich kenne meine Ruf"
Und leise flüsterte er:
"Ist der Gegner überlegen, reize ihn... und Einschüchterung kann eine
mächtige Waffe sein... Sun Tsu"
Gacetti wusste nicht ob Naumann Peran oder die Offiziere der Bird mit
Gegner gemeint hatte, und gerade als sie etwas sagen wollte,
stoppte das Schiff.
Leons Blick wendete sich leicht enttäuscht Luscet zu. "Ich hätte eine Frage:
wie kommt es, dass Spanks versuchen soll in das System einzudringen und ich
ablenken soll? Ich meine, wäre es nicht sinnvoller gewesen wenn _ich_
versuche die Datenbank zu durchforsten? Ohne Spanks nahe treten zu wollen
muss ich nämlich erwähnen, dass ich die besseren Qualifikationen für solch
einen Job habe und leichter meine Spuren verwischen kann und womöglich
schneller Zugang zu geschützten Systemen erlangen kann. Statt dessen könnte
sich Spanks um das "Ablenkungsmanöver" kümmern. Es ist ja nur ein
Vorschlag..."
Zack grinste.
"Sie wissen, daß Sie die bessere Qualifikation für
den Job hätten und ich weiß es auch." Sein Grinsen brach
ab. "Der Punkt ist aber, daß jeder potentielle Verschwörer
an Bord der Pride Bird es auch weiß. Während Sie in den
Datenbänken des Schiffes herumwühlen, wir jeder ein
Auge auf sie haben, der auch nur ein bißchen Dreck am
Stecken hat. Spanks ist eine kleines Licht und kann sich
freier bewegen. Ihre Komms arbeiten mit Codes des
Dark Corps, Sie können Captain Spanks also notfalls
unbelauscht anleiten, falls er nicht weiterkommt. Einwände
Ihrerseits, Spanks?"
Der Hauptmann schüttelte den Kopf. "Kein Problem.
Wir beide gehen rein, holen raus was geht, der Major
wird dabei beobachtet und ich nicht."
"Sie sagen es." Er wandte sich wieder Peran zu. "Ich
hoffe, ich konnte Ihre Bedenken zerstreuen, Major."
"Nun gut, du bist der Organisator. Ich bin schließlich für die Umsetzung
zuständig."
Leon grinste wieder: "Und im Chaos anstellen bin ich auch nicht
schlecht." Sein grinsen verflog wieder und er lehnte sich leicht zurück:
"Aber mal im ernst: ich werde dafür sorgen, dass mir das ganze Schiff auf
die Finger schaut. Einmal ganz und gar nicht verdeckt arbeiten ist auch mal
etwas anderes. Vielleicht schaffe ich es trotzdem die ein oder andere Info
herauszufinden. Und noch etwas von dem ich eigentlich dachte, dass es
mittlerweile klar wäre: mein Vorname ist nicht "Major" und ein "Sie" ist
erst recht fehl am Platz." Wider erwarten der meisten war auch während des
letzten Satzes kein weiteres lächeln zu erkennen. Leon schien dies wirklich
ernst zu meinen.
"Nun, Major Peran, das wäre mir auch lieber, aber
ich habe dieses Angebot bereits auf Terra gemacht.
Da keine Übereinstimmung darin erzielt worden ist,
daß einheitlich auf militärische Formen verzichtet wird,
muß ich auf deren Einhaltung im weiteren Verlauf
bestehen, es sei denn, Lt. Col. Naumann ist geneigt,
seine Einstellung diesbezüglich zu überdenken."
Er blickte kurz zu Naumann, der von seiner Absprache
mit Cpt. Gacetti aufblickte.
Von einer Sekunde auf die andere wurde das Schiff von einem einzigen
großen Lichtblitz umgeben. Direkt darauf waren durch die Fenster des
Konferenzraumes nun die Sterne sichtbar, welche sich kaum bewegten -
das Schiff war unter Licht gefallen.
"Ich kann mir nur einen Grund für den Halt vorstellen",
brummte Zack. "Criani scheint keine Zeit verloren zu haben."
Er blickte auf die Uhr und überschlug die Zeit seit ihrem
eigenen Abflug. Es gab nicht viele Schiffe, die höhere
Werte als ein Schiff der Frontier Class erreichten, aber
er konnte sich auch gut vorstellen, daß Criani den Iuh'na
bereits vor dem Gespräch losgeschickt hatte. Der
Präsident war jemand, der solche Psycho-Spielchen
zu schätzen wußte.
"Okay", meinte er. "Kein Grund für eine Planänderung.
Wir haben im ungünstigsten Fall nur noch knapp eine
Stunde und ich möchte bis dahin einige Ergebnisse
haben. Major Peran, Captain Spanks, Sie werden sich
den Bordrechner vornehmen." Er blickte zu Gacetti und
Naumann. "Roncalli wird vermutlich den Ankömmling
empfangen, das ist eine gute Gelegenheit, der restlichen
Brückencrew etwas auf den Zahn zu fühlen." Er grinste.
"Seinen Sie diskret, aber machen sie die Leute ruhig
etwas nervös. Wenn sie sauber sind, wird Ihnen das
ohnehin nicht gelingen, falls doch, gibt es dafür auch
einen Grund. Ich werde inzwischen dafür sorgen, daß
sich Roncalli sich mit dem Duratak nicht so einsam fühlt.
Er dürfte uns sowieso gleich offiziell über sein Eintreffen
informieren."
"Tja", sagte Naumann, der über diesen unplanmäßigen Stop nicht
besonders besorgt zu sein schien.
"Wir sollten - da der Captain beschäftigt sein wird - mit dem ersten
Offizier beginnen und mir ihrer Erlaubnis Colonel möchte ich gerne
diesen Konferenzraum als Verhörraum benutzen. "
Major Peran und Captain Spanks hatte gerade den Raum verlassen,
als Captain Roncalli hereingestürzt kam.
Ihm folgte ein durchschnittlich großer Mann, mit dunkelbraunem Haar.
Sein schwarzer Umhang war so lang, dass er gerade nicht den Boden
berührte. Vorne wurde der Umhang von einem silbernen Verschluss
zusammengehalten, der die Form des Wappens der nona hatte.
Rangabzeichen oder ähnliches waren nicht erkennbar.
"Colonel, dies ist Luc Bricassart - Duratak der nona.", stellte
Roncalli ihn in sachlichem Ton vor.
Der Duratak ging ein paar Schritte auf Zack zu und begrüßte ihn mit
einer kurzen Verbeugung.
"Guten Abend, Mr. Luscet! Was haben Sie Jeff Stone angetan, dass er
Ihnen dieses Team zusammengestellt hat?" Ein leichtes Grinsen war
deutlich im Gesicht des Duratak sichtbar.
'Bricassart ?', dachte Naumann, der seine Überraschung gut zu verbergen
wusste - jedenfalls hoffte er das. Er hatte nicht erwartet ihn jemals
in seinem leben wieder zu sehen.
Der Duratak schien Gacetti und Naumann nicht zu beachten und auch
Roncalli wusste nicht recht, wie er sich zu verhalten hatte.
Durch die Offenheit des nona einigermaßen überrascht, brauchte
Zack einige Augenblicke, um die Frage des Mannes zu erfassen.
Immerhin schaffte er es, die peinliche Pause mit einem ebenso
höflichen Nicken zu überbrücken. Dem Duratak die Hand zu
schütteln, erschien einerseits unangemessen und andererseits zu
gefährlich.
"Herzlich willkommen", meinte er statt dessen und setzte ein
professionelles Lächeln auf. "Wie ich sehe, ist mir Cpt. Roncalli
zuvor gekommen, ich hätte sie sehr gern ebenfalls im Hangar
empfangen." Sein künstliches Lächeln verwandelte sich in ein
aufrichtiges Grinsen. "Was die Sache mit General Stone angeht...
Ist sein Arm wieder verheilt oder will er mich immer noch wegen
Insubordination aus dem Dark Corps werfen? Er behauptet steif
und fest, daß es ein unfaires Training war, nur weil er vier Jahre
mehr auf dem Buckel hat. Ich glaube aber, das es eher daran
liegt, daß er diese vier Jahre überwiegend in einem Chefsessel
verbracht hat." Er wandte sich halb um und wies auf die Anderen.
"Aber mit meinem Team bin ich gar nicht so sehr gestraft... Ich
nehme an, Sie kennen jeden Einzelnen bereits?"
Nun warf der non einen kurzen Blick auf Gacetti, dann, von einem
anerkennenden Nicken gefolgt, auf Naumann.
"Ja, Mr. Naumann dürfte allerdings der einzige sein, der auch mich
persönlich kennt."
"Ich hoffe, Sie haben Ihre individuelle Einstellung gegenüber ihren
Vorgesetzten beibehalten!", meinte er zu Naumann.
Dann wandte er sich wieder Zack zu.
"Ich hatte Stone schon seit langem darauf hingewiesen, dass seine
Haltung nicht nur was Disziplin angeht viel zu unflexibel ist.
Inzwischen kann er aber schon wieder kräftig auf den Tisch hauen."
Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er diese auf Disziplin
ausgerichtete Haltung wenig befürwortete. Auch ein gewisses Amüsement
klang bei seinen Worten mit.
Luc Bricassart griff sich den nächststehenden Stuhl und setzte sich -
betont langsam.
"Captain, ich bedanke mich für den freundlichen Empfang auf ihrem
Schiff. Könnten Sie uns nun bitte alleine lassen." Der Ton des Duratak
war freundlich, aber dennoch bestimmt.
"Selbstverständlich Duratak!" Ohne erkennbare Emotion verließ Roncalli
den Raum.
"Also Dark, wie ist Ihr aktueller Status und was wollen Sie von mir
wissen?"
Naumann war einigermaßen überrascht, dass sich Bricassart noch an ihn
erinnern konnte... "aber was vergißt ein Non denn schon", dachte er
und musste über diesen Gedanken leicht schmunzeln...
Es mussten nun bestimmt schon 12 Jahre her sein, dass Naumann damals
Bricassart persönlich...
"Also Dark, wie ist Ihr aktueller Status und was wollen Sie von mir
wissen?"
Naumann wurde jäh aus einen Erinnerung gerissen, als er erst bemerkt
das der Duratak inzwischen schon Platz genommen hatte.
"Wenn Sie mich so fragen, hätte ich zwei Versionen für
Sie. Formell kann ich sagen, wir befinden uns im Anflug
auf den Erfüllungsort unseres Auftrags, die Auftragslage
ist inzwischen klar, der Erfüllungstand ist derzeit nicht
abschätzbar, wir haben keine Verluste. Aufgrund
berechtigter Verdachtsmomente sollte die Untersuchung
bereits hier an Bord beginnen. Wenn Sie aber meine
persönliche Meinung hören wollen: Wir befinden uns auf
einen Schiff, auf dem es mindestens einen, vermutlich
aber mehrere Verschwörer gibt. Die Geheimhaltung
unseres Auftrags ist geplatzt und wenn sich jemand von
uns allein durch das Schiff bewegen würde, hätten wir
kurz darauf garantiert einen bedauerlichen Unfall mit
Todesfolge zu verzeichnen. Wenn ich die Zusatzinfos
von President Criani richtig deute, betrifft der letzte
Umstand besonders Ihre Person."
Zack räusperte sich.
"Ich hatte bereits Aufgaben verteilt, um uns Schiff und
Besatzung in der verbleibenden Reisezeit etwas zur
Brust zu nehmen, wenn aus Ihrer Warte nichts dagegen
spricht, würde ich dies gerne beibehalten. Ach ja...
Was ist in dieser Sache Ihr konkreter Auftrag?"
"Ich bin nicht hier, um ein Kommando zu führen. Man hat mich gebeten,
ihnen sowohl als Berater, wie auch als Informant, Druck- und
Ablenkungsmittel zur Verfügung zu stehen." Der Duratak legte eine
kurze Pause ein.
"Bedenken Sie jedoch stets, dass ich nicht zu aktiv werden kann, da
ganz bewusst nicht die nona sondern das Dark Corps für diese Mission
ausgewählt wurde. Wird bekannt, dass die nona offiziell in diesem Fall
mit tausenden von Toten und geheimgehaltenen Bauprojekten ermittelt,
würde das die Hetzkampagnen unserer Gegner nur weiter schüren. Ich bin
also eine Art 'Kompromiss'."
Nachdem er bei keinem seiner Worte eine Miene verzogen hatte, fuhr er
nun in leicht verändertem Tonfall fort: "Dafür, dass Sie auf diesem
Schiff reisen und nicht auf einem kleinem Frachter oder ähnlichem, bin
ich verantwortlich. Die Idee, an Bord mit den Ermittlungen zu
beginnen, finde ich ausgezeichnet. Vor allem auf Commander West
sollten Sie ein Augenmerk haben."
"Ich hätte mir denken können, daß dieses ganze Chaos
seinen Sinn hatte", brummte er und wandte sich wieder
seinem Team zu.
"Was Commander West im Speziellen angeht... Lt. Col.
Naumann, Cpt. Gacetti, ich nehme an, Sie Beide haben
mitgehört? Beziehen Sie bitte diesen Punkt mit in Ihre
Vorgehensweise ein. Ansonsten..." Er blickte fragend
zum Duratak, der nicht den Eindruck machte, als wolle
er etwas ergänzen. "... ansonsten wissen Sie alle, was
Sie zu tun haben. Ausführung."
"Entschuldigen Sie uns bitte, Captain Gacetti und ich werden mit den
Verhören beginnen."
Ohne eine Antwort abzuwarten schob Naumann Gacetti mehr oder weniger
sanft aus dem Raum und sicherte die Tür ab.
Als die beiden alleine waren, blickt sich Bricassart im Raum um,
atmete entspannt durch, wandte sich dem vor ihm stehenden Dark wieder
zu und meinte zu ihm:
"Also gut, Mr. Luscet, wie kann ich ihnen behilflich sein?"
Kapitel 4
Nachdem Spanks und Peran den Raum verlassen hatten, trennten sich sofort
ihre Wege.
Spanks ging zum nächsten Aufzug, fuhr acht Stockwerke nach unten und
kam so in einen menschenleeren Korridor. Er suchte den nächsten
Eingang zu einem der Wartungstunnel, kroch diesen ein Stück entlang,
bog dann rechts ab und gelangte schließlich zu einer kleinen Kammer,
deren Wände großenteils mit TScreens tapeziert waren.
"Na also!" stieß er erleichtert aus und machte sich an die Arbeit.
Peran begab sich auf die Brücke, wo er den Captain direkt vor
versammelter Mannschaft nach dem nächstbesten Ort fragte, an dem er
möglichst unkompliziert einige Daten durchsehen könnte. Der Captain
verwies ihn (ein wenig erstaunt über die Offenheit des Dark) auf einen
durch eine Glastür abtrennbaren Terminal-Bereich, der gerade von
zwei Leuten besetzt war. Auf die Anweisung des Captains hin, ließen
diese Peran alleine in dem Raum zurück.
Ohne die Glastüren wieder zu
schließen, begann Peran, die Com-Logs der letzten Zeit auf die eine
große Display-Fläche zu legen, eine Übersicht der Sicherheitsberichte
auf eine zweite und auf eine dritte die Daten über die letzten Flüge
der Pride Bird. In mehreren kleinen Fenstern öffnete er unwichtige
Info-Seiten des Dark Corps. Es kam ihm hier auch mehr darauf an, dass
möglichst oft und gut sichtbar das Dark Corps-Logo zu erkennen war.
Froh betrachtete er sein Werk, rieb sich die Hände (was durch seinen
Körper verdeckt kein anderer sehen konnte) und machte sich daran,
Com-Logs, Flugaufzeichnungen und Sicherheitsberichte zu studieren.
***
"Die sind jetzt besser unter sich... ich kenne den non schon von
früher", grinste Naumann, um den fragende Gesichtsausdruck Gacettis zu
beantworten.
"Wir müssen uns wohl einen anderen Raum suchen..."
Naumann ging schnurstracks auf den XO Commander West zu:
"Wir benötigen einen sicheren Raum für unsere Untersuchungen !"
Anscheinend hatte der Commander bereits eine derartige Forderung
erwartet, denn ohne lang zu überlegen antwortete er:
"Gleich auf Deck 4 gibt es einen weiteren, etwas kleineren
Konferenzraum. Momentan wird er nicht gebraucht. Würde das in etwa
ihren Erwartungen entsprechen?"
"In etwa.", antwortete Naumann kurz.
Commander West wies einen ihm nahestehenden Ensign an, die beiden persönlich zu diesem Konferenzraum zu führen,
auf den eher die Bezeichnung Besprechungszimmer gepasst hätte. Etwa in
der Mitte des Raumes stand ein quadratischer Tisch, an jeder Kante von
diesem zwei Stühle, wobei eine Kante nicht länger als ca. 1,5 bis 2
Meter war. Im vorderen und hinteren Teil des Raumes war symmetrisch
je ein Tisch aufgestellt, der die gleiche Länge hatte wie der Tisch in
der Mitte, jedoch nur etwa die Hälfte von dessen Tiefe. Hinter jedem dieser
beiden Tische stand je ein Stuhl, hinter diesem Stuhl war ein großer
TScreen in die Wand eingelassen, der momentan deaktiviert war. Es
gab nur eine Tür.
Naumann ließ kurz seinen Blick schweifen und meinte dann zu dem Ensign
"Gut,... das wird für das was wir vor haben schon reichen"
Er hatte die Worte genau ausgewählt... Es genügte, um einige Gerüchte
loszutreten und war doch unverfänglich.
"Danke.", und gerade als West sich umgedreht hatte und die Tür
sich geöffnet hatte fügte Naumann hinzu:" Achja, sagen sie doch dem
ersten Offizier, dass er sich unverzüglich hier melden soll."
Der Ensign zuckte fast sichtbar zurück, nickte nur und verschwand
rücklings durch die Tür.
"Nun gut, Angela... es ist lange her... aber wir werden schon wieder gut
zusammenarbeiten. Leider haben wir nicht viel Zeit."
Naumann drehte sich kurz um, aktivierte mit einem Handstreich über den
TScreen das Display und erbat die Personalakte des 1. Offiziers.
"Nun, welche Strategie wenden wir an ?"
Gacetti überlegte eine Weile. "Die gute alte Guter-Cop-Böser-Cop
Strategie!?" schlug sie vor und versuchte, sich selbst in der Rolle des
'Guten Cops' vorzustellen, was sie fast zu einem Lachanfall brachte. Die
Gute war sie nicht wirklich, dessen war sich Angela schon bewusst. "Ich
überlasse dir gerne die Rolle des 'Guten Cops' fügte sie deswegen noch
schnell hinzu und wartete leicht amüsiert auf die Reaktion ihres Gegenübers.
"Tja, wir sollten uns da ganz an unseren 'Gegner' anpassen..."
Naumann unterbrach die immer noch unvollständige Darstellung
der Personalakte Wests.
"Computer, die sexuelle Ausrichtung von Commander West,
gegenwärtig 1. Offizier der CSS Pride..."
"Kein Eintrag gefunden." meldete der Computer kurz.
"Tja, man sollte meinen die Akten des Dark Corps wären umfassender",
kommentierte Naumann mehr zu sich selbst als zu Gacetti.
Und insgeheim war sich Naumann sicher, dass es über jeden eine Akte
in den tiefen Katakomben des Dark Corps im Archiv nahe des Südpols
des Erdmondes gab.
'Doch daran zu kommen', dachte er, 'würde bestimmt schwieriger sein
als hier die Schabe im Speck zu finden...'
Er drehte sich auf seinem Stuhl zu Gacetti, und warf ihr über die
Schulter ein paar Wortbrocken zu: "...dann sind sie wohl dran...
versuchen wirës mit der höheren Wahrscheinlichkeit...."
Er drehte sich wieder zum Terminal und wies den Computer an, mit
der Auflistung von Wests Personalakte fortzufahren.
"
Besondere Belobigung an der Akademie von Captain Artemus Acin für
überdurchschnittliches Abschneiden bei den abschließenden praktischen
Tests.
Nach der Akademie auf dem leichten Kreuzer CSS Berlin unter Commander
Planck stationiert, wo er zur Sicherheit gehörte. Nach zwei Jahren
erfolgte die Versetzung auf den Kreuzer CSS Nightstar unter Captain
Acin. Dort wurde er aufgrund hervorragender Leistungen zum Lt. jg, Lt.
und schließlich Lt. Cmdr. befördert. Vor fünf Monaten wurde er
auf eine persönliche Empfehlung von Admiral Acin hin XO auf dem
Kreuzer CSS Pride Bird unter Captain Roncalli, womit eine Beförderung
zum Commander einher ging.
Seither keine weiteren Eintragungen.
Kurzzusammenfassung Personalakte Tom West - Ende des zweiten Teils.
"
Angela Gacetti war nie wirklich eine Theoretikerin gewesen. Sie hasste
dieses endlose besprechen von Einsätzen bevor sie wirklich begannen. Eher
war sie der Typ der einfach rein ging und loslegte. Sich dabei von seinem
gesunden Menschenverstand leiten ließ. Sie hielt auch nicht viel von
Personalakten 'Das sind leere Worte!' war sie der festen Überzeugung, 'Was
wirklich in einem Menschen steht merkt man erst wenn man vor ihm steht!'
Es war ein altes Streitthema, aber auch diesmal hörte Angela kaum hin. Wie
ein Schüler in der 6ten Klasse dachte sie lieber an andere Dinge als sich
die Worte die der Computer ausspuckte anzuhören.
Naumann ließ sich auf seinem Stuhl zurückfallen.
"Hmmm... Acin.... Acin.... ich kenne diesen Namen... wo hab ich ihn schon
mal gehört ?", summte er mehr vor sich hin als wirklich zu Gacetti zu
sprechen.
"Nun, gut... also so machen wir es... ich werde mit im Hintergrund halten
und du übernimmst
die Initiative beim Verhör... und ich werde im richtigen Moment eingreifen,
und versuchen
ihn aus der Reserve zu locken... du kennst ja deine Aufgaben, nicht wahr...
schließlich
wird das nicht unser erstes Mal sein."
Naumann lächelte Gacetti zu - diese kleine Anspielung war nicht böse
gemeint; Gacetti und
er hatten zwar nie etwas miteinander gehabt, doch lies sich eine gewisse
Sympathie zwischen
den beiden nicht abstreiten... und keiner von beiden würde dies auch je
tun... zumindest
wenn sie unter sich waren.
"Computer, den Raum abdunkeln... 65 % der Standardbeleuchtung...
Temperatur um 3 Grad senken", wies Naumann an.
"Personalakte von Commander West als Standbild darstellen.... achja,
Computer...
Nachricht an die Küche... Bestellung von Standardmenü No. 83.... Möchten sie
auch was ?"
"Hm gerne!" meinte Angela und fügte nach kurzem Überlegen hinzu: "Ich nehme
dann dasselbe!"
Danach blieb ihnen nicht mehr viel mehr als auf den "Angeklagten"
(Natürlich, im Sinne der Rechtsprechung war er das gar nicht, aber für
Angela Gacetti machte das zumindest was ihre Verhörmethoden anging keinen
wirklichen Unterschied) zu warten.
Allzu lange mussten sie jedoch gar nicht warten. Bereits etwa zwei
Minuten nachdem die Bestellung aufgegeben worden war, öffnete sich
die Tür und Commander West trat ein. Überrascht, von der düsteren und
kühlen Atmosphäre des Raumes, blieb er abrupt stehen. Die Tür schloss
sich wieder woraufhin der Raum noch dunkler wurde.
Fragend blickte West zu Naumann und Gacetti hinüber und meinte: "Sie
wollten mich sprechen?"
Naumann blickte zu West und dann zu Gacettei. Überdeutlich nickte er
ihr zu und drehte sich auf seinem Stuhl Richtung Holoscreen um.
Er sagte kein einziges Wort; Gacetti kannte ihre Aufgaben...
Verwirrt setzte West sich auf den Stuhl und starrte abwechselnd Gacetti und
Naumann an. Gacetti machte eine Kunstpause bevor sie begann. "Nun Mr.West
sie können sich ruhig etwas entspannen. Das ganze hier ist eine
Routinebefragung. Ich meine ... sie sind der erste Offizier des Schiffes,
also stehen sie auch ganz oben auf der Liste." Angela machte wieder eine
Kunstpause und seufzte dabei: "Sie sollten das am besten wissen: Pflicht ist
eben Pflicht. Also lassen sie uns keine Zeit verlieren und wenn sie
mitarbeiten dann sind wir schnell fertig und sie können weiterarbeiten."
Angela verlor keine Zeit und begann mit dem Verhör.
"Nun Mr. West können sie uns die Umstände erklären, die sie dazu brachten
zum Militär zu gehen und in weiterer Folge eine Offizierslaufbahn
einzuschlagen?" Die Frage klang nicht nur nach einer eindeutigen
Standardfrage - und Gacetti hatte auch den entsprechend
gelangweilt-herunterlesenden Klang in ihrer stimme - sie war es eigentlich
auch aber die Erfahrung hatte gezeigt, dass sich manchmal hier ein Motiv
finden ließ ... auch wenn ein Großteil der Antworten das
'Ich-wollte-das-schon-als-Kind-Schema' enthielt und der Rest wohl
'Papa/Mama-wollte-das-so' aber nunja ... Ausnahmen bestätigten nun mal die
Regel und so hoffte Angela auf eine etwas nützlichere Antwort.
Als sie die Frage stellte, musterten die Augen des Commanders Angela
für eine Sekunde von oben bis unten. Dann jedoch blickte West ihr
ruhig in die Augen und erklärte:
"Mir wurde schon recht bald klar, dass der Weltraum das Medium für alles
sein würde, was in Zukunft Anspruch darauf erheben würde, etwas Großes
und Wichtiges zu sein. Ich wollte dabei sein, wenn dies geschah -
mitmischen und nicht einfach andere Leute das machen lassen."
Ein fragender Blick und eine leichte Schrägstellung des Kopfes machten
unmissverständlich klar, dass der Commander die nächste Frage Gacettis
erwartete.
Gacetti machte sich ein paar Gedankliche Notizen zu dem Übereifer des jungen
Mannes. Er schien ihr etwas zu eifrig zu sein und etwas zu begeistert von
seinen Ideen. Sie sah ihn wieder an und fuhr fort als würde sie
Standardfragen vortragen die sie schon tausendmal zuvor tausende Männer und
Frauen gefragt hatte: "Nun, sie waren ja erfolgreich und haben Karriere
gemacht. Wie würden sie ihre Momentane Arbeit am besten beschreiben,
Commander?"
Der Blick des Commanders schweifte kurz auf Naumanns Rücken und die
Darstellung seiner Personalakte auf dem Holoscreen dahinter ab.
In leicht genervtem Tonfall antwortete er schließlich.
"Ich würde sie als nötiges Übel bezeichnen. Roncalli ist ein zu
aktiver Captain um den Posten eines ausführenden Offiziers interessant
zu machen. Dieser Posten ist jedoch ein großer Schritt vorwärts auf
ein eigenes Kommando hin und - wer weiß - vielleicht scheidet Roncalli
ja früher als geplant aus den Space Forces aus oder er erhält einen
anderen Posten und dann wäre ich derjenige, dem das Kommando auf
diesem mächtigen Schiff hier zugetragen würde.
Basteln Sie sich daraus jetzt aber bitte keine Animositäten gegen ihn
zusammen. Roncalli ist ein sehr fähiger Mann und es gibt keine
Spannungen zwischen uns."
Erst als er diesen Satz beendet hatte, merkte West, dass er irgendwie
wie das genaue Gegenteil seiner Darstellungen zuvor klang.
Gacetti bemerkte dies natürlich auch und man kann nicht leugnen dass sie mit
der Antwort zu Frieden war. Schon jetzt begann der Commander sich in
Widersprüche zu verwickeln also konnte es ja dann bald einmal interessant
werden.
Angela formulierte die nächste Frage sehr bedacht: "Sie streben also
ein eigenes Kommando an, Mr. West und Roncalli ist ihnen im Weg. Wie weit
würden sie gehen um ihn aus dem Weg zu bekommen?" Sie genoss den
provozierenden Effekt der Frage einen Moment lang fuhr dann allerdings fort
ohne dem Commander eine Chance für eine Antwort zu geben.
"Sie sind Offizier, West, und damit der Space Force zu absoluter Treue
verbunden. Würden sie die Space Force unter allen Umständen verteidigen?"
Wie schon bei der vorhergegangenen Frage ging es auch diesmal weniger um die
eigentliche Antwort als um die Reaktion auf die Frage. Gacetti hatte gelernt
dass Antworten meist nicht einmal einen Bruchteil dessen verrieten, was die
Reaktion ihres Gegenübers aussagte.
Naumann konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen... "Solche
Aussagen sind
nur dann nötig, wenn sie nicht wahr sind", dachte er und brachte mit einigen
schnellen
Handbewegungen auch Roncallis Personalakte auf den Screen.
"JA!!" brüllte West heraus, nun sichtlich in Rage gebracht.
"Die Space Forces haben den Auftrag die Menschheit zu schützen und ich
bin gewillt mein Leben zu geben, um diesen Auftrag auszuführen. Dazu
müssen die Space Forces unter allen Umständen intakt bleiben."
Nach diesem kurzen Ausbruch, kehrte Kontrolle in das Gesicht des
Commanders zurück. Verächtlich blickte er auf das Bild Crianis, das
dessen Personalakte voranstand.
Langsam stand er auf, ging ein paar Schritte, blieb etwa zwei Schritte
schräg rechts von Gacetti stehen und sagte:
"Von ihnen kann man das ja bekanntlich nicht behaupten. Ihre Truppe
überprivilegierter Leibwächter ist schließlich bei weitem mehr um das
Wohl eines einzigen unfähigen Mannes bemüht, der nur deshalb die
Menschheit in den Ruin führen darf, weil er in diesem nona-Geheimbund
sitzt."
West wusste, dass er damit nicht gerade die Sympathie der Dark
gewinnen würde, aber es war seine Überzeugung und jeder in diesem
Staat durfte schließlich seine Meinung sagen, ohne dass man ihm daraus
einen Strick drehen konnte.
Spöttisch fragte er: "Weitere Fragen, DARK?"
Gacetti hatte nun wirklich nicht damit gerechnet, dass sie den
Commander so schnell auf dieses emotionale Level treiben könnte.
Irgendetwas musste seit ihrem Eintreffen an Bord geschehen sein, das
den einst höflichen Offizier, der sie an Bord begrüßt hatte, nun
derart emotional werden ließ. War der Sabotageakt auf FG17 nun doch
schon durchgeführt worden? Eigentlich unwahrscheinlich, wenn der
Duratak die Verschwörer an Bord vermuten ließ. Oder war vielleicht
inzwischen an Bord etwas geschehen?
Während Gacetti mit West sprach, überflog Naumann kurz die Personalakte des Captains:
Roncalli hatte auf der Akademie gut abgeschnitten, jedoch keine
Auszeichnungen erhalten. Auf mehreren Schiffen hatte er bereits
gedient, die Pride Bird war sein zweites Kommando, das er vor 2 Jahren
erhalten hatte, nachdem sein altes Schiffe außer Dienst gestellt
worden war. Und...hoppla... Präsident Criani persönlich hatte ihn für
seine wertvollen Dienste auf der Feier zur Kommandoübergabe gedankt?
Noch einmal ging er die Daten durch und bemerkte, dass es einige
Anlässe gegeben hatte, zu denen Criani selbst Roncalli gelobt hatte.
Der erste war kurz nach Roncallis Versetzung als Ensign auf ein neues
Schiff. Dort hatte Roncalli eine sehr ungewöhnliche Lösung für ein
Problem Crianis, das während eines Gesprächs deutlich wurde. Das Lob
des Präsidenten schien Roncalli verändert zu haben, denn von diesem
Augenblick an wurde seine Leistung von den Vorgesetzten um einiges
besser dargestellt als zuvor.
Als Lieutenant war er das erste mal versetzt worden, wurde dann XO als
Lt. Commander und auf diesem Posten zum Commander befördert. Sein
erstes Kommandoangebot hatte er abgelehnt. Erst das zweite schien
seine Zustimmung gefunden zu haben. Dann schließlich hatte sein XO vor
ca. 6 Monaten das Kommando auf einem anderen Schiff erhalten und West
übernahm den Posten.
Einmal war noch ein besonderes Lob von Admiral Acin vermerkt, sonst
gab es jedoch keinen weiteren Eintrag hierzu. Wie sich die Akte las,
war Roncalli nicht mehr sehr weit von einer Beförderung zum Admiral
entfernt.
Naumann war überrascht zu lesen, dass es wiederum Admiral Acin war, der Roncalli
diesen Posten beschafft hatte. Zumindest lief es wohl darauf hinaus....
Eine kleine Gefälligkeit und Roncalli würde West übernehmen, Roncalli würde
befördert
und West würde das Kommando über die Pride erhalten...
Naumanns misstrauische Natur roch ja praktisch schon die Lunte, die da schön
langsam
aber doch stetig vor sich hin brannte.
Gacetti war ruhig geblieben, während des emotionalen Ausbruchs Wests und
blickte ihn an. Naumann schien nun der richtige Moment gekommen zu sein und
er stand auf, legte Gacetti die Hand auf die Schulter und blickte West
schweigend an.
Es dauerte ziemlich lange, bis er begann in einem lesiem Ton zu sprechen:
"Ja, wir haben noch weitere Fragen, Commander... viele Fragen... doch in
ihrem
eigenen Interesse und um die Protokolle zu wahren, muss ich sie
daraufhin weisen,
dass sich natürlich das Recht auf einen gesetzlichen Beistand haben... Dies
hier ist zwar nur ein
informelles Gespräch - "
Naumann zuckte mit den Achseln, blickte zu Gacetti und wartete auf die
Reaktion Wests.
'Höchste Zeit!' sagte sich Angela und wünschte, Naumann könnte sie hören,
doch mit der Segnung der Telepathie waren beide nicht ausgestattet. Naumann
versuchte den guten Jungen zu spielen der seine Übereifrige Kollegin
beruhigte also hatte Angela jetzt die 'Böse Dark' zu spielen.
Auch wenn sie eigentlich innerlich ruhig war, ja sich fast freute West so
schnell auf 300 gebracht zu haben so setzte sie nun doch ein wütendes
Gesicht auf. "Mister West, sie mögen vom Präsidenten und dem Dark-Corps
denken was sie wollen, doch denken sie nicht wir währen dumm und hätten ihr
kleines Spielchen nicht mitbekommen." Sie blöffte aber sie behauptete von
sich die Übung zu haben um dies ziemlich erfolgreich zu tun. "Und glauben
sie nicht, sie würden damit durchkommen..." mit diesen Worten wurde sie auch
äußerlich wieder ruhig und sah West eindringlich an "... früher oder später
gehen uns alle Fische ins Netz ... auch ihr ... Freund." Dann wurde ihre
Stimme bedrohlich "Und zwar so wie es aussieht eher früher als später."
Naumann war einigermaßen überrascht. Da hatte doch Gacetti
entweder ihre professionelle Gelassenheit verloren, oder sie
spielte hier ein anderes Spiel als er.
Nichtsdestotrotz sah er zu West und wartete auf eine Reaktion.
Gerade wollte West "Ich SPIELE nicht" entgegnen, als Angela das Wort
"Freund" erwähnte. Konnte es wirklich sein, dass sie etwas wussten?
Zunächst wandte er sich jedoch an Naumann.
"Beistand brauchen nur Angeklagte. Ich bin ein Commander der Space
Forces und es dürfte noch einige Zeit dauern, bis sie mich einer Sache
erfolgreich anklagen dürfen."
"Und was sie anbetrifft, Captain, ich habe nicht die geringste Ahnung,
von welchem "Freund" Sie sprechen."
Angela merkte, nein fast spürte sie eine gewisse Unsicherheit und blieb
hart. Es konnte funktionieren. Sie funkelte West an: "Überlegen Sie es sich
Commander. Wenn sie noch lange weiterlügen dann wird ihnen nämlich auch der
beste Rechtsbeistand nicht mehr helfen. Ich nehme an sie wissen wie man das
nennt was sie und ihr Freund dort draußen aufführen. Wissen sie Commander,
ich habe heute meinen großzügigen Tag und deswegen will ich ihnen ein
Angebot machen: sie sagen mir was ich wissen will und ihr Freund kommt hier
ungenannt davon. Ansonsten werde ich dessen Namen jetzt an meinen Kollegen
weitergeben und im Vergleich zu mir ist er nicht offen für Angebote."
West blieb stur. "Nein! Sie haben doch gar nichts in der Hand!"
"Nun, gut Commander... ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass es
ihnen angeboten wurde... und wie gesagt, dies hier ist nur eine
informelle
Befragung... Sie werden doch sicherlich verstehen"-
Naumann pausierte kurz und deaktivierte mit einem Handstreich durch den
Holoscreen diesen. Er nahm neben Gacetti Platz und fuhr fort.
"Commander West, bitte setzen sie sich !"
Naumann wartete bis West seiner Aufforderung nachgekommen war und
blickte
zu Gacetti. "Captain Gacetti hier", Naumann nickte zu Angela ,"hat sich
ihren Flugplan der letzten 3 Monate durchgenommen."
"Neben diversen Missionen führt die CSS Pride Bird doch auch Standard-
Versorgungsflüge durch, oder ? Und soviel ich weiß, ist es ihre Pflicht
als
XO den Flugplan, Ladung und Passagiere zu koordinieren...
Es hat da Unstimmigkeiten gegeben..."
Naumann blickt zu West und erblickte leider keine eindeutig zuzuordnende
Regung. "Sie besitzen die übliche Sicherheitsstufe ?"
Naumann stand auf, und ging zum Holoscrenn zurück, um diesen zu
aktivieren.
West war nun wieder ganz sachlich geworden.
"Nein," antwortete West, "ich bin etwas höher als gewöhnlich
eingestuft, da es die Admiralität für nötig gehalten hat, dass ich
gewisse geheime Akten bezüglich den FarGate-Stationen einsehen darf."
"Na das, dürft sich ja kaum negativ auswirken..."
Naumann konnte sich schon denken, wem er diese erhöhte Sicherheitsstufe
zu verdanken hatte.
"Computer, identifiziere Naumann, Leutnant Colonel, Dienstnr.
605-3178-C"
Als das Emblem des Dark Corps schemenhaft zu erkennen war, fuhr Naumann
fort. "Opferliste der Explosion auf FarGate 18 auflisten..."
Naumann war auf Wests Reaktion gespannt.
Auf Naumanns Kommando hin wurde der Holoscreen regelrecht von Namen
überflutet. Am rechten Bildrand war zu erkennen, dass nicht alle Namen
auf eine Seite gepasst hatten und noch weitere abrufbar waren. Naumann
berührte eine Knopf auf der Kontrollfläche und der Computer schaltete
die einzelnen Seiten langsam durch, bis schließlich die erste wieder
erschien.
West, dessen Gesichtsausdruck sich bereits beim ersten Anblick der
Liste verkrampft hatte, konnte seine Augen nicht davon abhalten, auf
der Liste umherzuwandern. Hin und wieder erkannte er Namen, die er
kannte oder zumindest zu kennen glaubte. Seine Atemfrequenz erhöhte
sich.
"Das... das hab ich nicht gemacht! Ich bin nicht verantwortlich, ich
hab den Computer nicht manipuliert!"
Unkontrolliert schossen die Worte aus ihm heraus. Seine eigene Stimme
klang für ihn fremdartig, aber momentan war ihm das egal. Er hatte
sich nie mit den Folgen seiner Mittäterschaft konfrontiert und nun
erschlugen sie ihn praktisch.
'Ahhh', dachte Naumann, der äußerlich ganz ruhig blieb und mit dem
Rücken an der Wand lehnte. 'Eine Computermanipulation ?'
Auf ein leichtes Kopfnicken Naumanns hin, stand Gacetti auf und begann
einige Kommandos in den Terminal einzugeben. Ohne das es für irgendwen
ersichtlich gewesen wäre, sandte sie Luscet eine Nachricht und sicherte
den
Raum ab.
Naumann nahm währenddessen gegenüber West Platz und blickt ihn an.
"Commander, an Bord von FarGate 17 befinden sich zur Zeit 15791
Personen.
Männer, Frauen und Kinder... und wir sind hier um ein derartiges
Desaster
wie bei No. 18 zu verhindern... wenn sie eine Aussage machen möchten,
wäre jetzt die passende Gelegenheit."
Wests Blick wandelte von Naumann zu Gacetti und wieder zu Naumann
zurück, bis er sich senkte. Mit Daumen und Zeigefinger rieb sich West
die Augen. Endlich begann er wieder mit niedergeschlagenem Ton zu
reden.
"Es ist Lt. Lara Austin. Sie bekam von Admiral Acin den Auftrag, dem
Computer von FG 17 wie zuvor dem von FG 18 ein Programm einzupflanzen,
das mit einer gewissen Zeitverzögerung die Selbstzerstörung
aktiviert."
Der Kopf des Commanders hob sich wieder und seine Augen blickten nun
direkt in die Naumanns. Verzweiflung spiegelte sich im Gesicht Wests
wieder.
"Ich schwöre bei Gott, dass ich nichts von diesem Plan wusste. Ich
sollte nur Informationen beschaffen und uns die Sicherheit vom Hals
halten. Dafür sollte ich bald das Kommando über die Pride Bird
erhalten. Als ich die Nachricht von der Explosion erhielt, redete ich
mir ein, dass ich nicht schuld war, dass unser Besuch bei der Station
zuvor ohnehin zeitlich zu weit von der Katastrophe entfernt lag. Als
sie nun an Bord zu ermitteln begannen, stellte ich Lara zur Rede und
sie erzählte mir alles. Sie scheint vollkommen wahnsinnig geworden zu
sein. Stolz ist sie auf ihre Morde. STOLZ!"
Der Commander schien sich mit dem letzten Wort den Frust von der Seele
gebrüllt zu haben. Er sank in sich zusammen und machte keine Anstalten
fortzufahren.
Kapitel 5
Luscet räusperte sich. "Sie könnten damit anfangen,
mir die Daten zu geben, die Sie bereits haben, mein
Team und ich aber noch nicht. Nachdem die erste
Sendung abgefangen wurde, hat vermutlich niemand
einen Sinn darin gesehen, es erneut auf diesem
Wege zu versuchen... Schon allein, um die Leute auf
diesem Schiff über den Stand der Ermittlungen in
Unkenntnis zu lassen. Naumann und Gacetti sind
Experten, wenn es hier einen Verräter gibt, werden
Sie ihn ausfindig machen und geistig weichklopfen...
Wobei die Reihenfolge auch unterschiedlich sein
kann. Wobei sich für mich die Frage stellt..." Er
blickte erneut zur Tür, wie um sich zu vergewissern,
daß sie noch verschlossen war. Ein sinnloser Reflex,
wie ihm im selben Augenblick bewußt wurde.
"Was meint die nona", fuhr er fort, bevor sein Zögern
allzu auffällig wurde, "wie viele Leute sind in die Sache
verstrickt? Ich meine die hohen Tiere, keine niederen
Chargen, es sei denn, es sind auch Angehörige des
Dark Corps darunter."
Bricassart hatte den Colonel die ganze Zeit über angeblickt. Nun stand
er auf, ging ein paar Schritte von Luscet weg, drehte sich und ging
dann wieder auf ihn zu. Genügend Zeit für ihn, um zu entscheiden, was
er Zack alles anvertrauen würde.
Sich auf die Tischplatte setzend begann er mit gedämpfter Stimme:
"Zu viele sind in die Sache verstrickt. Bei der nona war man lange
Zeit davon ausgegangen, dass man dieses Problem durch das
'Akzeptieren' dieser Leute lösen könnte. Man vergaß dabei jedoch, dass
Akzeptanz in solchen Situationen sehr leicht in Ignoranz umschlagen
kann." Bricassart schluckte einmal und fuhr fort.
"Wenn Sie in dieser Mission Erfolg haben - woran ich nicht zweifle -,
dann werden Sie damit bedeutende Leute der Verschwörung ins Wanken und
vielleicht sogar vor den Richter bringen. Das Problem ist jedoch, dass
aus Reden haltenden politischen Gegnern der Iuh'na sehr schnell
Verschwörer werden können.
Wissen Sie, Mr. Luscet, die Gefahr bei Verschwörungen ist das
Puzzle-Prinzip. Es muss gar nicht so viele Leute geben, die
gewaltbereit sind. Ins Gewicht fallen die, die nur ihren kleinen,
scheinbar unbedeutenden Teil beitragen. West dürfte in diese letzte
Kategorie fallen, sicher bin ich mir jedoch da nicht."
Der Duratak klopfte mit seiner rechten Hand auf die Tisch, womit diese
Thematik offenbar für ihn beendet war. Mit sachlichem Ton fuhr er
unvermittelt fort:
"Nun aber zu ihren Daten: Es war die Selbstzerstörungssequenz. Da man
bei FarGate-Stationen nicht einfach wie bei manchen Schiffen den
Reaktor überladen kann, läuft sie hier mit einer Mischung aus
Plasmaentladungen und Sprengstoff ab. Da sich der Computer noch im
Edit-Modus befand, konnte die Sprengung überhaupt ohne Zustimmung des
Kommandanten durchgeführt werden. Trotzdem war dafür die Autorisation
eines Admirals und einige Hacker-Arbeit nötig.
Die Sprengung verlief jedoch nicht vollständig. Ein Teil der Station
war zum Zeitpunkt, als der Computer den Befehl erhielt, nicht an das
Zentrale Computersystem angeschlossen gewesen. Auch die Sprengladungen
waren teils noch nicht angeschlossen, teils noch gar nicht
installiert. Aus diesem Grund überstand auch ein Teil der Station die
Explosion.
Ob das Absicht war oder ob man bei der Planung einfach geschlampt hat,
wissen wir nicht."
Luscet und Bricassart unterhielten sich noch eine Weile über gewisse
Einzelheiten, bis Luscets WatchCom durch ein Piepsen eine Mitteilung
signalisierte. Nicht lange weilte sein Blick auf der Anzeige, dann
schnellte sein Kopf geradezu auf und er sagte in routiniertem Tonfall:
"Der Commander packt aus. Konferenzraum Deck 4"
Ein Blick hatte genügt, jedes weitere Wort war überflüssig. Der
Colonel und der Duratak verließen schnell aber keinesfalls überhastet
den Raum durch die zum Gang führende Tür.
Im Aufzug öffnete der Duratak seinen Mund erst wieder.
"Computer, Deck 4."
Der Aufzug setzte sich in Bewegung.
"Computer, nona-Overwrite! Iuh'na ques in s'fha. Alle Shuttle-Starts
sind bis auf meinen Widerruf untersagt. - Ausführen!"
"Bestätigt," meldete der Computer.
Luscet nahm die Override-Befugnis des Duratak ohne Kommentar
zur Kenntnis. Er hatte bereits geahnt, daß die nona über Codes
verfügte, die in der Hardware der militärischen Schiffe verankert
waren, auch wenn er es jetzt die Bestätigung bekam. Er zog seine
Waffe aus der Pistolentasche, die er bereits beim Verlassen des
Konferenzraums geöffnet hatte, entnahm die Waffe, löste das
Magazin, prüfte es kurz und schob es wieder in den Griff der Waffe.
"Wußten Sie, daß ich über das statistische Höchstalter eines Dark
hinaus bin?", fragte er, als er den irgendwie vorwurfsvollen Blick
von Bricassart bemerkte. Langsam schob er die Waffe zurück,
gerade noch rechtzeitig, bevor sich die Tür des Lifts öffnete und
sie auf den Gang traten. "Der Grund dafür ist Vorsicht."
Der Konferenzraum von Deck 4 lag nur wenige Türen vom Lift
entfernt und Bricassart öffnete sie ohne Zögern. Zack hätte gern
etwas mehr Vorsicht walten lassen, aber der Duratak schien sich
auf seine Sinne zu verlassen.
Zack aus aus dem Augenwinkel, wie eine zweite Liftkabine das
Deck erreichte, aber er beschloß, sich auf den Duratak zu
verlassen, der dies nicht zur Kenntnis zu nehmen schien. Das
ungute Gefühl im Hinterkopf blieb.
"... wahnsinnig geworden zu sein. Stolz ist sie auf ihre Morde.
STOLZ!", stieß jemand in dem Raum hervor und das Erste, was
Luscet erblickte, war ein Commander West am Rande des
Zusammenbruchs. Naumann und Gacetti saßen auf ihren Plätzen
und blickten mit einer irritierenden Mischung aus Triumph und
Betroffenheit auf den Commander.
Er hatte keine Gelegenheit, sich über die Verhörmethoden der
Beiden Gedanken zu machen. Hinter ihm klapperten kurz die
Sohlen von Flottenstiefeln und er fuhr herum, während seine
Hand reflexartig zur Waffe glitt. Noch in der Bewegung bemerkte
er, wie Naumann und Gacetti alarmiert aufsprangen.
Schließlich
hatte er die Drehung beendet und
sah fünf Personen im Gang stehen. Vier davon, drei Ensigns und ein
Lieutenant, alle von der Sicherheit, trugen Gewehre. Die waren auf ihn
und den Duratak gerichtet. Die fünfte Person war eine Frau, die ihrer
Uniform nach zur Technik gehörte und den Rang eines Lieutenants besaß.
Sie trug eine Pistole, die auf Zack gerichtet war.
Selbstsicher und herablassend begann die Frau zu sprechen:
"Wenn Sie schießen, Colonel Luscet, können Sie maximal einen von uns
töten. Sie sterben dann jedoch alle."
Ihr Blick wanderte zu Gacetti und Naumann.
"Das gleiche gilt für Sie beide!"
Einem der Ensigns befahl Sie mit ihrer Waffe auf Luscet deutend:
"Seine Waffe!"
Der Ensign ging mit hastigen Schritten auf Zack zu und nahm ihm in
einer nicht minder hastigen Bewegung seine Pistole ab. Das Gewehr des
zweiten Ensigns war dabei stets auf Zack gerichtet.
Kaum hatte er die Waffen des Colonels, eilte er wieder hinter die Frau
zurück.
"Ist der da auch bewaffnet?" Die Frage ging an Luscet, obwohl
offensichtlich Bricassart gemeint war, den die Frau jedoch keines
Blickes würdigte.
"Auf einem Schiff meines Staates hielt ich es nicht für nötig, Waffen
anzulegen." Die Stimme des Duratak war monoton, sein Gesicht
ausdruckslos. Lustlos hob er seinen Umhang zu beiden Seiten von sich
weg um zu zeigen, dass er die Wahrheit sagte.
Mehr als zwei Sekunden weilte der Verachtung ausdrückende Blick der
Technikerin nicht auf Luc.
"Reingehen!"
Sie winkte mit ihrer Pistole in die Richtung der offenstehenden Tür.
Luscet gehorchte zögernd und erst nach einem Blickwechsel mit dem
Duratak, in dessen Gesicht er gar nichts lesen konnte.
Luc und Zack wurden zu Naumann und Gacetti gestoßen, die nun beide
rechts neben dem Tisch in der Mitte standen, den Holoscreen mit der
Personalakte Roncallis hinter sich.
"Nimm Ihnen die Waffen ab, Tom!"
Commander West, der während der ganzen Zeit wie versteinert auf seinem
Platz gesessen war, schien sich erst gar nicht angesprochen zu fühlen.
Von Unbehagen gezeichnet stand er jedoch auf, nahm Gacetti und Naumann
ihre Pistolen ab und überreichte sie den Sicherheitsoffizieren, die
diese in ihre Halfter steckten.
"Also, hast du uns verraten?" Der Ton der Frau war herrschsüchtiger
denn je zuvor.
"S-so viele Menschenleben, Lara," stammelte der Commander, brach
jedoch gleich nach dem Namen ab.
"Stell dich zu ihnen!"
West gehorchte und schlich zu den anderen vier hinüber auf die andere
Seite des Tischs.
"Also, was soll ich jetzt mit euch machen?", fragte Lara Austin
zynisch die auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches stehende
Gruppe.
Zack ergriff als Erster das Wort.
"Sie könnten uns die Waffen zurückgeben, sich ergeben
und vielleicht lebend aus der Sache herauskommen",
knurrte Zack. "Glauben Sie mir, selbst die mieseste
Strafkolonie ist angenehmer als alles, was Ihnen zustoßen
kann, wenn Sie weitermachen."
"Ganz das Frontschwein", meinte Austin und pflegelte sich
in einen der Sessel. "Und wie wollen Sie mir gefährlich
werden? Ich habe genug Leute auf dem Schiff auf meiner
Seite."
Zack antworte nicht und blickte zu Naumann und Gacetti.
Die Beiden waren die Ruhe selbst und vermutlich spielten
sie wie er selbst gerade alle Möglichkeiten durch. Agenten
des Dark Corps hatten normalerweise bereits mehrere
direkte Kampfeinsätze hinter sich, bevor sie das Vergnügen
hatten, an der schwarzen Uniform auch nur zu schnuppern.
Er sah genug Möglichkeiten, daß drei Darks die Besatzung
der Pride Bird binnen Sekunden um vier Leute zu reduzieren
konnten und er bezweifelte, daß die Lieutenants und Ensigns
für den waffenlosen Kampf ausgebildet waren. Dummerweise
sah jede erdenkliche Szenario mindestens ein Opfer vor...
Inakzeptabel, wenn man bedachte, daß darunter auch ein
nona fallen konnte. Ihm fiel beim besten Willen keine Erklärung
ein, die er dem Präsidenten beim Tod des Duratak hätte
präsentieren können.
Er kannte Naumann und wußte, daß dieser ihre Widersacher
nicht nur verächtlich, sondern vor allem aufmerksam musterte.
Naumann war der Typ von Soldat, mit dem sich auch Zack
nicht auf einen ernstgemeinten Nahkampf einlassen würde.
Eine Ablenkung würde im Zweifelsfall genügen, aber erst
einmal hieß es abwarten und Zeit schinden...
"Wer von der Führungscrew außer Commander West steckt
noch in der Sache drin?", beantwortete er Austins Frage
etwas verspätet mit einer Gegenfrage. "Captain Roncalli?"
Naumann hätte sich selbst ohrfeigen können... wie nachlässig von ihm...
Doch jetzt war keine Zeit für Selbstmitleid. In Gedanken ging er bereits alle Möglichkeiten
durch...
Zuerst die Personen:
Da war zunächst der Duratak, um den sich Naumann keine Sorgen zu machen brauchte...
er war sich sicher, dass er bestimmt heil aus dieser Sache hier rauskommen würde.
Der Colonel und Gacetti würden sich schon um sich selbst kümmern - Naumann
kannte ihre Fähigkeiten... West würde nicht aktiv eingreifen - was auch immer passieren
würde...
Doch den Lt. konnte er noch nicht einschätzen... nur auf Grund ihrer Taten wusste er, dass sie
nicht zögern würde sie alle zu beseitigen, wenn das ihren Plänen dienlich sein würde.
Dann begann Naumann die verschiedenen Taktiken eine nach der anderem durchzugehen...
Bei einem frontalem Angriff hatte sie keine große Chance ohne Verluste durchzukommen.
".... Captain Roncalli...", hörte er plötzlich den Colonel sagen. 'Ahhh', dachte Naumann,
denn auch er wusste nach der Aussage Wests, dass dieser wohl zum Captain befördert
werden würde, dass auch Roncalli zum Kreis der Verdächtigen zu zählen wäre.
'Ich habe doch da noch jemanden vergessen', schoss es Naumann plötzlich durch den Kopf.
Er hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt, Gacetti stand hinter ihm vor der
Computerkonsole,
auf der im Standbild immer noch die Personalakte Roncallis dargestellt wurde.
Ohne auch nur einen Muskel zu viel zu bewegen, formte er mit seinen Fingern den Buchstaben 'P'.
Er hoffte Gacetti würde es sehen, doch er konnte sich sicher auf sie verlassen. Nach einer
Weile formte er
ein 'S' und deutete hinter Gacetti. Sie würde bestimmt verstehen, was Naumann ihr sagen wollte.
Naumann wusste sie brauchten ein Ablenkungsmanöver, doch jetzt war der richtige Zeitpunkt noch
nicht gekommen.
Im ersten Moment wäre Angela Gacetti am liebsten einfach aufgesprungen und
hätte der Technikerin eine schallende Ohrfeige verpasst - ungeachtet der
Tatsache dass dies wohl die letzte Ohrfeige ihres Lebens gewesen wäre - doch
es gelang ihr sich zu beherrschen. Der Zeitpunkt würde kommen, das wusste
sie. Äußerlich vollkommen ruhig doch innerlich bis zum zerreißen gespannt
starrte sie auf Naumanns Rücken und bemerkte wie dieser seine Finger zu
einem "S" und wenig später einem "P" formte. 'Dafür geb' ich dir nachher mal
nen Drink aus!' meinte sie als sie verstand. Natürlich! Es gab da ja
eigentlich noch jemanden auf diesem Schiff der eigentlich immer noch zur
Mannschaft gehörte, auch wenn er etwas still geworden war. Aber wie immer,
früher oder später würde er hier auftauchen. Eines war Angela klar: was sie
jetzt brauchten war Zeit! Und davon so viel wie irgendwie möglich.
Zack Luscet begann unterdessen den versuch die Technikerin in ein Gespräch
zu verwickeln 'Bitte bitte bitte steig drauf ein!' bat Angela im stillen und
starrte ohne eine einzige Gefühlsregung zu zeigen weiter auf Naumann's
Rücken.
Während der Colonel mit dem Leutnant sprach, deutete Naumann weiterhin auf die Konsole
hinter Gacettis Rücken...
Jetzt war der richtige Moment gekommen und Naumann bewegte sich langsam Richtung Tisch, um
Gacetti etwas Deckung zu geben...
"Roncalli ist ein fähiger Captain und ein würdevoller Mann. Er würde
niemals die Iuh'na-Plage untätig über sich ergehen lassen."
Zum ersten Mal seit der Begegnung mit Austin war eine Gefühlsregung im
Gesicht des Duratak zu erkennen. Es war ein leichtes, beinahe nicht
vorhandenes Lächeln.
Luscet fiel dies sofort auf und er wunderte sich über den Zeitpunkt.
Austin hingegen vermied es weiterhin ins Gesicht des Duratak zu
blicken.
"Und die Pride Bird wird nicht das einzige Schiff bleiben, auf dem das
so ist. Schon bald werden wir eine ganze Flotte auf unserer Seite
haben und dann werden wir nicht mehr darauf warten müssen, dass die
politische Führung von den Iuh'na gesäubert wird."
Austin zelebrierte diese Worte geradezu.
"Nur Sie, Colonel, und ihre Leute sind noch im Weg. Aber ich bin
sicher, dass das Schicksal mit einem äußerst tragischen Unfall auch
dieses kleine Problem für uns lösen wird."
Zum ersten Mal blickte sie dem Duratak direkt in die Augen.
"Das gleiche Schicksal, das Sie immer so verehren, Iuh'na!"
Das Lächeln von Bricassart wurde nun noch ein wenig breiter.
"Ist ja schon witzig, was Sie hier abziehen, Lara!"
Der Tonfall des Duratak war locker, beinahe amüsiert. Es klang, als
wollte er ein kleines Kind korrigieren, das gerade behauptet hatte,
zehn Meter weit springen zu können.
Luscet, der von den Anwesenden die längste Zeit mit ihm
zusammengewesen war, konnte dennoch eine gewisse Anspannung in seiner
Haltung bemerken.
"Als ich diesen Auftrag erhielt, rechnete ich mit ernstzunehmenden
Gegnern. Wenn ihre Selbstherrlichkeit jedoch nicht nur gespielt ist,
bin ich wohl unter einer falschen Annahme abgereist."
Austins Gesichtsausdruck wurde noch hasserfüllter. Auch das Lächeln
des Duratak war einer vollkommen ernsten Miene gewichen.
Luscet war nun klar, dass Luc einen Plan hatte und war sich auch
sicher, dass ihm der Duratak früher oder später andeuten würde, wie
dieser aussah.
"Zwei Dinge möchte ich hier einmal klarstellen:
Zum einen hat es bis jetzt noch kein normaler Mensch geschafft, einen
Duratak zu töten."
Sein Blick schweifte kurz zu Luscet ab und kehrte dann wieder zu
Austin zurück.
"Zum anderen wäre es doch ein überaus reizvoller Gedanke, wenn es das
Schicksal so eingerichtet hätte, dass vor dieser Tür dort" - Luc
neigte seinen Kopf zur einzigen Tür im Raum - "Verstärkung für uns
stehen würde."
Austin blickte irritiert drein und wusste nicht so recht, wie sie
reagieren sollte.
Wenn sich der Duratak selbst als ungefährdet darstellte und er die
zweite Andeutung richtig - und zwar nicht als leere Floskel -
interpretierte, schien Zack nun langsam der Augenblick gekommen, zu
handeln.
"Sieh nach!" befahl Austin dem Offizier, der bisher stets mit seiner
Waffe auf Luscet gezielt hatte.
Unsicher ging er auf die Tür zu, seine Waffe nie von der Gruppe
abwendend. Er lehnte sich gegen die Wand und betätigte den Türöffner.
Die Tür glitt auf - nichts geschah, niemand war zu sehen. Er rutschte
etwas weiter vor, ein kurzes Zischen war zu hören und er blieb wie
versteinert stehen. Kraftlos sank er zu Boden und ein kleiner
Pfeil wurde sichtbar, der in seiner Schulter steckte. Austin, die vermutlich
den in der Uniformfarbe des Offiziers gehaltenen, kleinen Pfeil
noch nicht entdeckt hatte, starrte verwirrt zur offenen Tür, durch die
immer noch niemand zu sehen war.
Luscet wusste, nun war der Augenblick des Handelns gekommen, seine
Leute würden nur auf ein Signal warten und um den Duratak brauchte er
sich - sofern er die Anspielung richtig gedeutet hatte - keine Sorgen
zu machen.
"Tun Sie das nicht, Naumann", murmelte Luscet, viel zu leise,
als daß dieser es hören konnte. Aber der Luscet am nächsten
stehende Lieutenant hörte es und reagierte wie beabsichtigt:
Er trat einen Schritt vor und hob seine Waffe gegen Naumann.
Das genügte Zack.
Mit der Rechten griff er nach der Waffe und drückte sie, eng an
seinen Unterarm gepreßt, beiseite. Gleichzeitig schoß seine
halb zur Faust geballte Linke nach oben und traf den Lieutenant
an der Kehle. Mit einem glucksenden Keuchen brach der Mann
zusammen und ließ seine Waffe los.
Luscet fanden den Abzug des erbeuteten Gewehrs, während
er herumfuhr. Die ganze Aktion hatte nur Bruchteile einer
Sekunde gedauert, dennoch hatte einer der Ensigns seine
Waffe in Anschlag gebracht. Luscet drückte zweimal ab und
die Plasmaladungen trafen den Crewman in Brust und Schulter.
Zack ließ die Waffe sinken, froh, sie nicht weiter benutzen zu
müssen, denn Naumann und Gacetti waren längst aktiv
geworden.
Nur einen Sekundenbruchteil später als Luscet schritt auch Angela Gacetti
zur längst überfälligen Tat und verpasste einem sehr überraschten Ensign
einen Kinharken gefolgt von noch einigen gezielten Schlägen, die ihn bevor
er irgendeine Chance hatte zu handeln in eine tiefe Ohnmacht schickte.
Doch kaum war das "erledigt" da merkte sie, dass der Rest des Teams die
Arbeit schon so gut wie erledigt hatte.
Weder Luscet noch Gacetti hatten bemerkt, dass bevor es Luscet gelang
den Leutnant zu entwaffnen, dieser abgedrückt hatte.
Naumann wurde in die Brust getroffen und sank zu Boden. Und eigenartiger
Weise erinnerte ihn der Geruch seines eigenen verbrannten Fleisches an
das Menü, das sie scheinbar vor einer Ewigkeit bestellt hatten...
Er konnte gerade noch sehen, wie Bricassart Austin mit einem Fußkick
entwaffnete, bevor er das Bewusstsein verlor.
Was die anderen sahen, ließ ihnen zum ersten mal wirklich bewusst
werden, dass ein Duratak anwesend war.
Nachdem Austin ihre Waffe verloren hatte, ging sie auf den Duratak
los. Oder besser gesagt: wollte es zumindest. Sie hatte ein Messer
hervorgezogen, hielt dies nun mit der Spitze auf Luc deutend in der
erhobenen linken Hand. Noch einen Schritt vom Duratak entfernt, hob
dieser seine rechte Hand, ballte sie zur Faust und Austin blieb,
scheinbar jedes weiteren Schrittes unfähig, stehen. Von einem
Wutschrei begleitet setzte sie zum Wurf des Messers an. Blitzartig
öffnete der Duratak seine Faust, als wolle er eine Fliege
vertreiben. Noch im Ausklingen der Bewegung und bevor die Finger
seiner geschlossenen Handfläche alle auf die vor ihm liegende Wand
deuteten, wurde Austin gegen diese geschleudert. Ein Dumpfer Schlag
begleitete ihren Aufprall, gefolgt von dem Herabfallen des Messers aus
ihrer leblosen Hand. Kurz darauf sackte die nun bewusstlose Austin in
sich zusammen.
Langsam senkte Luc seine Hand wieder. Sein Blick schweifte kurz im
Raum umher, streifte die zu ihm blickenden Personen in der schwarzen
Uniform, einen völlig aufgelösten Commander West, Naumann mit dem Loch
in seiner Uniform, die am Boden liegenden Sicherheitsoffiziere und kehrte
schließlich wieder zu der in sich zusammengefallenen Gestalt Austins
zurück. Er schien alles andere als zufrieden.
"Sie können reinkommen," rief er in Richtung der Tür.
Peran und Spanks traten ein, gefolgt von Captain Roncalli, zwei
Sicherheitsoffizieren, dem Schiffsarzt und einem Pfleger. Letztere
gingen sofort auf Naumann zu und brachten in wenig später auf einer
Bare aus dem Raum.
Abgespannt sah Bricassart zu Roncalli, der auf ihn zukam.
"Es ist vorbei, Giuseppe. Dein Schiff gehört nun wieder dir. Du kannst
damit beginnen, die übrigen Mitläufer an Bord zu verhaften."
Er tippte kurz etwas in sein WatchCom ein.
"Welch großes Opfer es war, für ein halbes Jahr den Verräter zu
spielen, habe ich schon in wenigen Minuten mit diesen Leuten erfahren
müssen." Am Klang von Bricassarts Stimme merkte man deutlich, dass
dies nicht nur eine Floskel war.
Roncalli ging zu Austin hinüber. Noch seinen Kopf zu ihr herunter
gebeugt antwortete er.
"Es war mir eine Ehre, Luc, etwas gegen diese Bande unternehmen zu
können. Eines möchte ich nur noch wissen: Hat es etwas gebracht? Ich
meine, im Großen gesehen."
"Mehr als du dir auch nur im Entferntesten vorstellen kannst."
"Dann," mit schnellen Schritten ging er Richtung Tür, "freue ich mich
auf die Zukunft."
"Aber weder auf morgen, noch auf die Tage darauf." murmelte Bricassart
kaum hörbar in sich hinein."
***
Obwohl Naumanns Verletzung schwer war, überlebt er. Er konnte jedoch
nicht der kleinen Feier im Präsidialamt beiwohnen. Es waren nicht viele
geladen. Die Mitglieder des Teams natürlich, Bricassart, Roncalli und
auch Chief General Stone, der allen Beteiligten seine Anerkennung
aussprach. Präsident Roncalli ließ es sich nicht nehmen, die Orden an
seine Leute persönlich zu verteilen.
***
Da die nona sämtliche Übertragungen von der Pride Bird abgefangen
hatte, erfuhr Admiral Acin von all dem erst bei dem Zeitpunkt seiner
Verhaftung: Eine Gruppe von deplaziert wirkenden Personen überraschten
ihn während einer geheimen Sitzung.
Stolz, da in vollem Wissen darüber, was nötig gewesen war um diese
Sätze möglich zu machen, brachte einer hervor:
"nona, Abteilung für Verschwörung und Intrigen im Inneren. Admiral
Artemus Acin, Sie sind hiermit verhaftet. Die Anklage lautet auf
Verschwörung mit Todesfolge für viele tausend Menschen. Für alle
übrigen Anwesenden liegen mir ebenfalls Haftbefehle vor. Ich muss Sie
alle bitten, mit uns zu kommen. Sollten Sie mir den Gefallen machen
und sich zur Wehr setzten, werden wir ohne zu zögern Gewalt anwenden."
***
Irgendetwas an dem vergangenen Einsatz war anders gewesen, das spürte Angela
Gacetti eindeutig. Vielleicht hatte er sogar die Macht jemanden wie sie
wirklich zu verändern doch ihr blieb nicht die Zeit. Nur zwei Tage nach der
Feier musste sie wieder abreisen. Ein neuer (Undercover-) Einsatz wartete
auf sie und ihr blieb gerade noch genug Zeit für einen Besuch bei Naumann im
Krankenhaus. Trotz ihrer professionellen Ausbildung fühlte sie sich
irgendwie schuldig für seine starke Verletzung, was sie jedoch niemals
zugegeben hatte.
'Ob ich die Station die wir gerettet haben eines Tages selbst sehen werde?'
Dachte sie sich als sie in den Transporter stieg der sie zu ihrem nächsten
Einsatzort brachte. Irgendetwas sagte ihr dass sie die Station eines Tages
sehen würde. Vielleicht öfter als ihr lieb war, aber das war nur
irgendetwas. Vielleicht die Atmosphäre die während der Feier geherrscht
hatte. Diese Zukunftsstimmung. Es waren einige luh'na anwesend gewesen
und was sie konnten wusste man nie. Auf jeden Fall hatten sie mehr gewusst
und diese Stimmung hatten wohl alle Anwesenden mitbekommen.
However. Für Angela Gacetti ging der "Alltag" weiter auch wenn sie diese
Mission wahrscheinlich ewig in einer ganz besonderen Erinnerung behalten
würde.
Naumann erwachte einige Tage später auf der Krankenstation der
FarGate-Station. Seine Verletzungen waren zwar erheblich, doch
würde es gewiss nicht lange dauern, bis er wieder auf dem Damm sein
würde. Zumindest hoffte er das... Die anderem Mitglieder seines Teams -
so erfuhr er von einem Pfleger - waren inzwischen auf der Erde zu einer
Ehrung durch den Präsidenten. Und Naumann nahm nach seiner Genesung eine
Woche später den regulären Flug zur Fortress zurück.
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